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Bis das Grafengeschlecht die Marienfigur entfernen ließ / Was Stiftsbesucher heute alles erfahren

Einst war die Stadt ein begehrter Wallfahrtsort

Obernkirchen. Wer in dieser Zeit etwas vom Obernkirchener Stift hört, der verbindet damit in erster Linie den Festsaal mit der Vielzahl kultureller Angebote bis hin zu der Vortragsserie des "Treff im Stift" und natürlich auch die Kirche St. Marien mit ihren beiden weithin sichtbaren Turmhauben. Die eigentliche Historie des Stiftes ist im Laufe der Zeit etwas in den Hintergrund getreten. Aber es gibt die Möglichkeit, sich dieses Wissen zu beschaffen oder aufzufrischen. Zum Beispiel durch die Teilnahme an einer Führung, wie sie von April bis Oktober jeden Mittwoch und Sonnabend um 15.30 Uhr beginnt.

veröffentlicht am 18.04.2007 um 00:00 Uhr

Auch im Innenhof des Stifts zieht jetzt der Frühling ein und sor

Autor:

Siegfried Klein

Ein Angebot. um einmal gründlich hinter die Mauern zu schauen. Es beginnt mit einem Rundgang durch das Gelände, das die historische Anlage umgibt. Es war üblich, dass zu Klöstern früher Ställe mit Pferden, Schafen und Schweinen gehörten und außerdem die Zehntscheune, in der die Lehensnehmer einst den zehnten Teil ihrer Naturalien abgaben. Das Obernkirchener Stift besaß sogar eine eigene Mühle, die heute als Pförtnerhaus und Hausmeisterwohnung dient. Diesen Bereich nannte man den Wirtschaftshof. Er war dem Hauptgebäude vorgelagert. Heute werden in der Regel nur noch Abgaben auf die in Erbpacht vergebenen landwirtschaftlichen Flächen geleistet. Die Ländereien des heimischen Stiftes waren früher deutlich größer. Dazu gehörte auch der gesamte Bereich des heutigen "Sonnenhofes" und des Cafés, in dem früher der Stiftsverwalter untergebracht war. Zu einem so großen Wirtschaftsbetrieb, der auch noch eigene Ländereien landwirtschaftlich selbst nutzte, gehörten einst auch zahlreiche Mitarbeiter. Das hat sich in den Jahren erheblich gewandelt, und zwar nicht nur in Obernkirchen. Alle Klöster haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich, oft geprägt von den unterschiedlichen Interessen der geistlichen und weltlichen Herrscher, die in den verschiedenen Zeitabläufen ihren Einfluss zu mehren versuchten. Das begann in Obernkirchen mit der Gründung des Stiftes im Jahre 1167 durchden Mindener Bischof Werner aus dem Geschlecht der Grafen von Arnheim und setzte sich mit den verschiedenen darauf folgenden Landesfürsten und Bischöfen fort. Das damals von einem Propst geleitete Augustinerstift hatte gleich mehrere Funktionen. Zum einenübernahm es die Ausbildung von adligen Töchtern. Zum anderen verbrachten hier die vermögenden Witwen ihren Lebensabend, und schließlich übernahm das Stift noch die Funktion eines Spitals, eines Hospizes für die Pilger und einer Suppenküche für die Ärmsten. Von der romanischen Basilika, die zum Stift gehörte, blieb nach einem Brand im Jahre 1320 nicht mehr viel übrig. Ein aufwendiges Portal konnte offenbar gerettet werden und wurde im Bereich zwischen Kreuzgang und der heutigen gotischen Hallenkirche St. Marien eingebaut. Unmittelbar davor befindet sich die kleine Marienkapelle mit einem steinernen Altar aus dem Jahre 1250. In dem dorthin führenden Kreuzgang haben Generationen von Stiftsdamen betend oder auch in sich versunken das Gespräch mit Gott gesucht. Etliche zentnerschwere Grabplatten mit in Stein gemeißelten Figuren und Texten erinnern an frühere Äbtissinnen, an Pröpste und Ritter. Wer das Stift heute besucht, dem wird schnell klar, dass es immer zu den wohlhabenden Einrichtungen dieser Art im Lande gehörte. Dazu haben nicht nur die eigenen Ländereien beigetragen, sondern auch die Naturschätze in Form von Sandstein und Kohle. Zu den besonderen Ereignissen des Mittelalters zählte für Obernkirchen jene Phase, in der sich in der Stiftskirche eine besondere Statue befand. Sie zeigte Maria mit dem Jesu-Kind. Dieser Statue sagte man nach, dass sie Wunder bewirke. Unter anderem habe sie einen Verfolgten vor seinen Häschern bewahrt. Deshalb wurde die Bergstadt zu einem Wallfahrtsort. Die Figur trug eine Krone, in die man Spendengeld geben konnte. Sie wurde in einer Nische neben dem Altar ausgestellt, an der die Pilger in Scharen vorbeizogen. Das Schaumburger Herrscherhaus veranlasste eines Tages den Abtransport nach Stadthagen. Inzwischen weiß niemand mehr etwas vom Verbleib der Statue, die sicherlich auch noch heute ihre Anziehungskraft nicht verfehlt hätte. Aber auch ohne sie bleibt das Stift, in dem zurzeit nur noch drei Stiftsdamen leben und wirken, eine der herausragenden Sehenswürdigkeiten des Schaumburger Landes, wenn nicht sogar des Landes Niedersachsen.

Das Wappen der Altäbtissin von Spaeth.
  • Das Wappen der Altäbtissin von Spaeth.
Das Kruzifix in der Marienkapelle stammt aus dem Jahre 1350.
  • Das Kruzifix in der Marienkapelle stammt aus dem Jahre 1350.


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