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Heute werden Fahrten auf der Weser als Freizeitgestaltung angeboten / Idee kam am Vatertag

Einst diente die Flößerei dem Holztransport

Hameln-Pyrmont (ris). Ein mit fröhlichen Menschen besetztes Floß treibt auf der Weser – was heute dem Vergnügen dient, war einst eine umweltfreundliche Art, Holz zu transportieren und es aus waldreichen Gegenden in holzarme Räume zu bringen. Die Flößerei als Holztransportmittel ist ein sehr altes Gewerbe. Bereits im Alten Testament wird davon berichtet.

veröffentlicht am 15.09.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 22.10.2009 um 14:34 Uhr

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Hameln-Pyrmont (ris). Ein mit fröhlichen Menschen besetztes Floß treibt auf der Weser – was heute dem Vergnügen dient, war einst eine umweltfreundliche Art, Holz zu transportieren und es aus waldreichen Gegenden in holzarme Räume zu bringen. Die Flößerei als Holztransportmittel ist ein sehr altes Gewerbe. Bereits im Alten Testament wird davon berichtet. Julius Cäsar erzählt, dass die Helvetier mit Flößen über den Rhein setzten. Straßen und Wegeverhältnisse waren in ganz Mitteleuropa bis zum späten Mittelalter hinein sehr schlecht. Es gab kaum Wegenetze, und der Transport von Langholz über längere Strecken war zu Land nicht möglich.

Zum Ende des Mittelalters erlebte die Flößerei einen enormen Aufschwung. Steigende Bevölkerungszahlen und aufkommender Schiffbau sorgten für Rohstoffmangel, und somit musste das Holz aus immer weiter entfernten Gebieten herangebracht werden. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebte die Flößerei in Deutschland ihren absoluten Höhepunkt. Die Industrialisierung war in vollem Gange. Mit Beginn des 20. Jahrhunderts ließ die Flößerei schnell wieder nach und war am Ende der 1960er Jahre völlig verschwunden. Durch die Verbreitung der Eisenbahn und deren lukrativeren, schonenderen und schnelleren Transportmöglichkeiten wurde sie nicht nur überflüssig, sondern auch mit Bau der ersten Staudämme quasi unmöglich. Auf der Weser gingen rund 700 Jahre Holzflöße die Weser hinunter, und die Epoche des umweltfreundlichen Holztransports ging 1964 zu Ende.

Heute finden Floßfahrten noch zur Freizeitgestaltung statt, viele Gruppen oder kleinere Vereine buchen in den Sommermonaten Floßfahrten. Hierbei gibt es Angebote vom Selbstversorger hin bis zu Fahrten bei denen für das leibliche Wohl gesorgt wird.

Jürgen Zarwell kurz vor dem Start zu einer Floßfahrt.
  • Jürgen Zarwell kurz vor dem Start zu einer Floßfahrt.
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Auch Jürgen Zarwell gehört zu den Hobby-Flößern. Entstanden ist seine Leidenschaft bereits auf einer Vatertagstour. 1991 baute er sein erstes eigenes Floß. Im Frühjahr 1992 wurde es auf den Namen „Sonnental“ getauft. „Meine ersten Fahrten waren meist Wochenendausflüge mit fünf Männern“, berichtet er. „Wir waren absolute Selbstversorger. Hierbei habe ich mehr und mehr Interesse zur Flößerei und auch zum Weserbergland entwickelt.“ Auch Zarwells Ehefrau Heidrun und Schäferhund Seven teilen die Begeisterung.

„Wir fahren nie in den Urlaub, sondern machen mehrtägige Touren auf unserem Floß“, erzählt seine Frau. „Dann haben wir alles dabei, vom Feldbett übers Zelt und Essen. Getreu dem Motto: Der Weg ist das Ziel. Auch über Pfingsten sind wir jedes Jahr mit rund acht Personen und Hund für drei bis vier Tage auf Tour.“

Zarwell zeigt Fotos von eigenen Fahrten, vom Aufbau und Zu-Wasser-lassen seines Floßes, vom Flößerfest in Fuhlen und schließlich auch von seinem neuen Floß, das 2003 erstmals zu Wasser gelassen wurde.

Selbstverständlich ist dieses neue und größere Floß auch in Eigenarbeit entstanden. „Eigentlich sind es zwei Flöße, die in der Mitte miteinander befestigt sind. Sie sind im Wasser auseinander zu koppeln und jedes ist für sich fahrtüchtig“, erzählt er weiter.

Ausgestattet ist das Floß „Heidrun und Jürgen“ mit einem Fünf-PS-Motor, zwei Rudern, einem Rettungsring, Bänken, Tisch und sogar mit einem Stehtisch. Auch eine Schiffsglocke und ein Nebelhorn sind mit an Bord. Für Unterhaltung kann Zarwell mit einem Radio-CD-Spieler sorgen. Gerne erzählt er aber auch Interessantes über das Weserbergland, die Weser und von Erlebnissen auf seinen Touren. Manche Fahrgäste sorgen auch selbst mit Gesang oder Gitarrenklängen für Unterhaltung. Ein „Weser-Diplom“ bietet Zarwell auch an.

In den Wintermonaten, wenn er nicht auf seinem Floß sein kann, arbeitet er jedes Jahr neue Fragen zum Weserbergland und der Weser aus. Diese zu beantworten, ist dann die erste Aufgabe für seine Fahrgäste. Als nächstes entscheidet ein Würfelspiel über die Punktesammlung eines jeden Teilnehmers, und als Drittes ist die Geschicklichkeit beim sogenannten „Steine-Titschen“ (auf dem Wasser springen lassen) gefragt. Wohl jeder, der schon einmal mit ihm gefahren ist, kennt seinen Motto-Spruch: „Dieses Leben ist eins der schönsten.“

„Früher benötigten die Flößer ein Patent. Heute ist man bis fünf PS führerscheinfrei, man muss allerdings die Verkehrsvorschriften auf dem Wasser kennen und beachten.“ Zarwell selbst besitzt einen Bootsführerschein. Auf seinem Floß dürfen neben dem Flößer elf Fahrgäste mitfahren. Zarwell bietet auch Touren bei der Ferienpassaktion, in Kindergärten, Schulen oder für Behinderte an. „Dafür lebt er“, sagt seine Frau Heidrun abschließend.

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