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Vor Gericht: Zwei Jahre Haft für versuchte Vergewaltigung / Richter erkennt "gestörtes Frauenbild"

Einmal spüren: Mann fällt über Schwägerin her

Obernkirchen/Bückeburg (ly). "Wenigstens einmal" wollte ein Obernkirchener seine Schwägerin (22) "spüren - und sei es mit Gewalt".

veröffentlicht am 08.05.2007 um 00:00 Uhr

Jetzt spürt der 36-Jährige "die ganze Härte des Gesetzes", so Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein. Nach zwei sexuellen Übergriffen hat das Bückeburger Schöffengericht den Mann wegen versuchter Vergewaltigung, Körperverletzung und Freiheitsberaubung zu zwei Jahren Haft verurteilt. Richter Dr. Dirk von Behren sprach von einem gestörten Frauenbild. Der Angeklagte habe seine Schwägerin als Werkzeug gesehen, um sexuelle Triebe auszuleben. Vor einem Jahr hatte sich die in Bielefeld lebende 22-Jährige mit ihrem Sohn für längere Zeit in der Obernkirchener Wohnung einquartiert. Nach etwa zwei Wochen nutzte der Hausherr die Abwesenheit seiner Frau, zerrte die Schwägerin aufs Bett im Kinderzimmer und tat dieser Gewalt an. Dass die Gattin des 36-Jährigen bald nach Hause kam, könnte eine Vergewaltigung verhindert haben. Der Täter ließ daraufhin jedenfalls vom Opfer ab. Bereits am nächsten Tag versuchte es der Arbeitslose erneut. Diesmal fiel er im Schlafzimmer über die 22-Jährige her, die sich tagsüber mit ihrem Kind zur Ruhe gelegt hatte. Der Obernkirchener schloss die Tür ab, berührte die Frau am ganzen Körper und versuchte sie auszuziehen, wurde aber vom Telefon gestört. Auch der kleine Junge war aufgewacht. Drei Tage danach kam es zum großen Streit. Die Bielefelderin hatte sich ihrer Schwester anvertraut und die Polizei gerufen. Gegenüber den Beamten erklärte auch die Frau des 36-Jährigen, von ihrem Mann über Jahre schlecht behandelt und geschlagen worden zu sein. Endlich zog sie die Konsequenzen, verließ den Pascha - und kehrte nach zwei Wochen zurück. Vor Gericht versuchte der Angeklagte "den Spieß umzudrehen und die Schwägerin als Furie darzustellen, welche die Ehe zerstören wollte", so Richter von Behren. Verteidiger Ulrich-Georg Berrang hält die Vorwürfe für erfunden. Seine Erklärung: Am Tag des Streites hatte der Hausherr die Schwägerin vor die Tür gesetzt. Dies sei "überaus schmachvoll" gewesen. Soll wohl heißen: Die 22-Jährige wollte sich dafür rächen. Angesichts der ausländischen Herkunft der Schwägerin sprach die Verteidigung von "Geschichten aus 1001 Nacht". Anders beurteilt Opferanwalt Reinhard Zindel den Fall. Der Angeklagte gehört einen strengen Religionsgemeinschaft an. Deshalb, so Zindel, habe er seine Schwägerin für zu freizügig gehalten und möglicherweise als "Freiwild" gesehen. Berrang wiederum meint, dass die 22-Jährige zumindest zeitweise gar nicht in Obernkirchen gewesen sein könne, weil an den Tagen mit der EC-Karte der Frau an Bielefelder Automaten Geld abgehoben worden sei. Die Verteidigung kann ihre Karten demnächst noch einmal ausspielen: Gegen das Urteil ist Berufung vorm Landgericht möglich.



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