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Drei Künstler des Symposiums sind mit Werken im weltgrößten Skulpturenpark im Reich der Mitte vertreten

Einmal nach China - und für immer dort bleiben

Obernkirchen. Die für einen Steinbildhauer begehrteste Einladung der Welt erreichte Jos Beurskens kurz nach der Jahrtausendwende. Er hatte sich an einem von der Republik China in den Niederlanden ausgeschriebenen Wettbewerb beteiligt, der eine mehr als zwei Meter große Steinskulptur verlangte. Beurskens beteiligte sich - und gewann. Sein Lohn: eine Einladung zum Internationalen Skulpturen-Symposium in Changchun. Dort findet sich der weltgrößte Park für monumentale Skulpturen.

veröffentlicht am 30.08.2006 um 00:00 Uhr

Emil Adamec feiert auf dem Kirchplatz in diesen Tagen ein kleine

Autor:

Frank Westermann

Rund 5000 Steinbildkünstler bewerben sich jährlich mit ihren Arbeiten dort, 30 aus China und ebenso viele aus dem Ausland werden eingeladen und dürfen dort arbeiten. "Auf der anderen Seite der Welt zu arbeiten, das war schon eine schöne Herausforderung", meint Beurskens, während er seine Skulptur auf dem Obernkirchener Marktplatz mit dem Kran aufrichten lässt. Ganz neu war für ihn die Erfahrung nicht: Acht Jahre zuvor hatte er in Kuba gearbeitet. Und dort ein so gutes Werk hergestellt, dass die chinesischen Gastgeber ihn baten, doch einfach eine Kopie für ihren Monumentalpark zu machen - was Beurskens natürlich glatt ablehnte. Er schuf dann etwas zum Lande passendes: Die vier Meter hohe "Springlove", eine Frühlingsliebe, irgendwo zwischen Ying und Yang. Sie steht jetzt in Changchun im Skulpturenpark - und wird dort einzigartig bleiben, was die Herkunft betrifft: Ist ein Land mit einer Skulptur vertreten, wird es aus diesem Land keine zweite mehr geben. Wer einmal dort steht, wird immer seinen Platz behalten - allein und einzigartig. Eine Erfahrung, die auch Emil Adamec schon machen durfte. Sein vier Meter hohes Werk "Some Woman" steht für die tschechische Bildhauerkunst in Changchun. Das war 1999 - und Adamec war damals schon längst mit dem chinesischen Bazillus infiziert. Rund anderthalb Jahre hat er dort verbracht, auch in Taiwan war er viele Monate. Mittlerweile hat er in seinem Heimatdorf Sedliste ein chinesisches Kulturinstitut gegründet - um die Beziehung zwischen Mitteleuropa und China zu verbessern. Was gefällt ihm so am Reich der Mitte? "Es sind einfache Menschen, sehr hart arbeitende Menschen, die in einer Aufgabe aufgehen: alles für ihr Land zu tun", sagt der 1972 geborene Tscheche. Und mit dieser Einstellung könnten sie heute auf eine 5000 Jahre alte Kultur zurückblicken - "das einzige Imperium, das nie zusammengebrochen ist", meint Adamec. 2002 war er übrigens Teilnehmer beim Pekinger Symposium für die anstehenden Olympischen Spiele, er hat die Arbeit mit einer Ausstellung verbunden. Große Schwierigkeiten, sein Werk zu erklären, wird der Tscheche nicht gehabt haben: Er spricht fließend chinesisch. Auch Dominika Griesgraber ist in Changchun mit einem Werk für das Land Polen vertreten. Sie hatte sich - ähnlich wie Beurskens - 1999 an einem Wettbewerb der Republik China beteiligt, sich aber keinen großen Hoffnungen hingegeben, schließlich war sie damals "nur" die kleine Assistentin eines großen Uni-Meisters. Dann wurde das Ergebnis verkündet, und, siehe da, das kleine 27-jährige Küken hatte sich gegen hochkarätige und starke Konkurrenz durchgesetzt. Sie reiste (zu ihrer Symposiums-Premiere) nach China und staunte erst einmal Bauklötze: "Bis dahin hatte ich nur mit kleinen Modellen gearbeitet - und dann stehen da diese Riesen." Sie hat ein drei Meter hohes Werk geschaffen, unvorstellbar groß für ihre Verhältnisse damals. Drei Wochen hat sie dafür benötigt, weil das Symposium aber zwei Monate dauerte, hat sie einfach noch eine Skulptur erarbeitet. Und einen Künstler-Freund fürs Leben kennen gelernt: Emil Adamec. Sie haben sich dann später auf einem Symposium in Finnland erneut gesehen, jetzt arbeiten beide auf dem Kirchplatz in Obernkirchen. Aus den Augen werden sich beide in absehbarer Zeit nicht verlieren: Dominika Griesgraber ist nächste Jahr zu einem Symposium in Dubai eingeladen, Emil Adamec auch.

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