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Günther Stahlhut ist seit zehn Jahren Schiedsmann in Stadthagen / Bei Nichterscheinen drohen 50 Euro Ordnungsgeld

"Einmal musste ich mit der Faust auf den Tisch hauen"

Stadthagen (sk). "Man sagt mir nach, dass ich ein ruhiger, ausgleichender Mensch bin." Diese Eigenschaften prädestinieren Günther Stahlhut zu einem besonderen Ehrenamt. Der 59-jährige Sparkassenangestellte ist seit zehn Jahren Schiedsmann bei der Stadt. Drei bis vier Mal im Jahr wird seine Hilfe in Anspruch genommen, zumeist in Fällen von Nachbarschaftsstreitigkeiten und Beleidigungen.

veröffentlicht am 09.01.2008 um 00:00 Uhr

Günther Stahlhut. Foto: sk

Sein "erster Fall" war ein typischer Streit und landete 1997 bei dem damals neuen Stadthäger Amtsinhaber: Ein Bürger hatte vor etlichen Jahren Platanen in seinem Garten gepflanzt. Hochgewachsen nahmen diese dem Nachbarn Licht und Sonne. Mit seinem "Schattendasein" wollte sich der Betroffene nicht abfinden und wandte sich nach vergeblichen Beschwerden beim Nachbarn an den Schiedsmann. Jetzt wurde es formell. Der Betroffene musste sein Anliegen - die Kürzung der Bäume - als schriftlichen Antrag formulieren. Das Schriftstück ging dem Platanenbesitzer als Urkunde zu - samt Einbestellung zu einem gemeinsamen Termin mit dem Antragsteller beim Schiedsmann. Zu einem solchen Termin müssen beide Kontrahenten persönlich erscheinen. Ein Nicht-Erscheinen, so Stahlhut, zieht ein Ordnungsgeld in Höhe von 50 Euro nach sich. Im angesprochenen Fall nahm das Prozedere seinen Lauf wie es in gleicher Weise für andere Fälle gilt: Vor den Parteien verliest Stahlhut den Antrag und fragt die Parteien: "Was meinen Sie dazu?" Stahlhut lässt nun die Kontrahenten erst einmal reden - wobei es schon mal laut wird im ehrwürdigen, mit Eichenholz getäfelten Amtszimmer. Das Schiedsamt ist im ersten Stock des alten Rathauses untergebracht. Bisher habe er, Stahlhut, aber nur einmal mit der Faust auf den Tisch hauen und klarstellen müssen: "Wenn hier einer schreit, dann bin ich das." Das habe gewirkt, die Fronten hätten sich geklärt. Ansonsten halte er sich soweit wie möglich aus dem Gespräch heraus. Jedoch versuche er, beide Parteien "zu kitzeln", das zu sagen, "was sie wirklich meinen". Oftmals nämlich verberge sich etwas anderes hinter den "Baumgeschichten", so Stahlhut, alter Streit etwa, eine frühere Feindschaft. Werden die Parteien "offen", besteht die Chance, "auf eine Linie zu kommen." Haben sich die Parteien weitgehend geeinigt, stellt Stahlhut die entscheidende Frage: "Können wir das vielleicht so festhalten?" Bei Zustimmung wird allseits eine Vereinbarung unterschrieben, und Stahlhut drückt dem Protokoll das Amtssiegel auf: "Damit ist die Vereinbarung rechtsgültig." Und sogar vollstreckbar, wenn sich der Antragsgegner nicht an die Vereinbarung hält. Genau so ist es in Stahlhuts erstem Fall geschehen. Die Platanen wichen mit amtsgerichtlicher Order. Teuer ist ein Termin beim Schiedsmann nicht. Bei einem Vergleich müssen die Parteien eine Gebühr von 25 bis 30 Euro zahlen, 20 Euro sind fällig, wenn keine Vereinbarung erzielt wird. 50 Prozent der Summe entfällt als Gebühr an die Stadt, die andere Hälfte bekommt Stahlhut als Aufwandsentschädigung.

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