weather-image
22°
×

Von der Verkaufsfläche an der westlichen Peripherie der Weserstadt wird nur noch die Hälfte genutzt

Einkaufszentrum nicht mehr auf dem Plan

Hessisch Oldendorf (pj). „Das Einzelhandelskonzept ist ein reines Strategiepapier, kein Marketingleitfaden. Wir werden damit kurzfristig dem Einzelhandel keinen Euro mehr in die Kasse spülen können“, betont Martina Kexel, Planerin bei der Stadtverwaltung. Das Konzept, das derzeit diskutiert wird, „bietet die Grundlage, um unerwünschte Entwicklungen verhindern zu können, und es eröffnet die Möglichkeit, sich für die Zukunft zu wappnen“, ergänzt Martina Kexel.

veröffentlicht am 21.02.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Mit dem Einzelhandelskonzept sollen im Hessisch Oldendorfer Stadtgebiet drei Schwerpunkte gesetzt werden. Es sind dies die Hessisch Oldendorfer Innenstadt, Fischbeck und Hemeringen. Während es im Stiftsdorf keine Diskussionen gibt, wird in Hemeringen um die Ansiedlung und den Standort für einen Nahversorgers mit einer Verkaufsfläche von maximal 800 Quadratmeter gerungen, um die Kunden zu halten beziehungsweise neue dazuzugewinnen. In der Kernstadt verfolgt der Werbering mit Sorge die Entwicklung im Bereich der Welseder Straße. Es wird befürchtet, dass die Ansiedlung der Discounter negative Auswirkungen auf den Einzelhandel in der Innenstadt hat.

Politiker und Verwaltung setzen auf „eine gleichberechtigte Kombination von Discountbereich und Facheinzelhandel“, und sehen darin „die Möglichkeit, allen Käuferschichten gerecht zu werden und den Einzelhandelsumsatz innerhalb des Stadtgebietes zu halten“. Bürgermeister Harald Krüger erklärt, dass es darum geht, „Entwicklungsflächen festzusetzen“. Und er betont weiter: „Wenn wir diese nicht anbieten, dann fahren die Kunden in andere Städte.“ In diesem Zusammenhang wird von Hessisch Oldendorfer Politikern immer wieder auf Hameln aufmerksam gemacht, wo „in letzter Zeit Abfangjäger an den Ortsausgängen entstanden sind“. Vor allem auf die südliche Weserseite und den neuen Markt an der Klütstraße wird dabei verwiesen.

Auf der Grundlage des seit dem Vorjahr vorliegenden Einzelhandelskonzeptes wird in folgenden Schritten ein städtebauliches Entwicklungskonzept erarbeitet und es werden Bebauungspläne aufgestellt. Das Plangebiet in der Kernstadt umfasst die Bereiche in der historischen Altstadt und um die Welseder Straße bis zum Gelände von Dura-Besmer. Das Einkaufszentrum Weserbergland, das auch an der Welseder Straße liegt, ist nicht mehr enthalten. Projektentwickler hätten in der Vergangenheit versucht, das ehemals florierende Zentrum zu vermarkten, erklärt Martina Kexel. Die Stadtverwaltung habe sich mehrfach bemüht, mit den Besitzern – einer Gesellschaft in Frankreich – Kontakt aufzunehmen, doch man habe erkennen müssen, dass „man kein Interesse an einer gemeinsamen Entwicklungsplanung hat“, sagen die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung und Bürgermeister Harald Krüger.

An der Welseder Straße entstanden neue Märkte, darunter auch Aldi.

Von den einstmals rund 14 000 Quadratmetern Verkaufsfläche an der westlichen Peripherie der Weserstadt sind heute noch rund 7000 Quadratmeter belegt. Ein Teil der ursprünglichen Gebäude ist bereits abgerissen, das Verbliebene in einem schlechten baulichen Zustand. Martina Kexel spricht von „abgängiger Bausubstanz“. Rechtlich gibt es für die Stadt die Möglichkeit, das Planungsrecht für diesen Bereich zu entziehen, die inzwischen freigewordenen 7000 Quadratmeter können damit verlagert werden. Für die dort heute noch bestehenden Unternehmen, den Obi-Markt und das Dänische Bettenlager, bringt der Entzug des Planungsrechts kein Problem, denn für sie gilt Bestandsschutz, wie die Planerin sagt.

Im Hessisch Oldendorfer Südweserbereich gibt es derzeit zwar Einkaufsmöglichkeiten in Hemeringen, dennoch ist ein großer Kaufkraftabfluss nach Rinteln und Hameln zu verzeichnen, sagt das Untersuchungsergebnis. Rat und Verwaltung wollen deshalb handeln und einen Bauleitplan aufstellen. Würde an der Landesstraße ein Nahversorger sich ansiedeln, könnten die Menschen, die zwischen Rinteln und Hameln unterwegs oder aus südlicher oder nördlicher Richtung kommen, als Kunden gewonnen werden. Eine negative Auswirkung auf die bestehenden, gutgehenden Geschäfte in Hemeringen wird von Politikern und Planern nicht gesehen. Anlieger in der unmittelbaren Nähe des infrage kommenden Geländes an der Landesstraße, wie Werner Peschke, befürchten indes eine Lärmbelästigung. Ratsherr Kai-Uwe Eggers (SPD) würde es deshalb begrüßen, wenn eine Zufahrt vom Kreisel aus geschaffen werden könnte. „Ist sicher machbar, denn ein Kreisel kann vier Arme vertragen“, glaubt sein Parteikollege, Jost Beckmann, der Vorsitzende des Planungsausschusses. Andere Hemeringer könnten sich auch vorstellen, dass die Zufahrt zum neuen Markt über die alte Hamelner Straße von der ehemaligen Molkerei her erfolgt. Planerin Martina Kexel erklärt dazu, dass über mögliche Varianten bisher noch nicht gesprochen wurde, dies im Verfahren aber geklärt werde.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige