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Vor Gericht: Eine Woche Dauerarrest, drei Monate sozialer Trainingskurs / Opfer im Rollstuhl

"Einfach schämen": Überfall auf Behinderte

Bückeburg (ly). Schäbig ist dafür gar kein Ausdruck: Zwei Bengel im Alter von zwölf und 14 Jahren haben versucht, in Bückeburg eine Behinderte zu berauben. Gescheitert sind sie am Widerstand der mutigen Frau (51), die auf den Rollstuhl angewiesen ist. Neun Monate nach der Tat hat das Amtsgericht den älteren Bückeburger jetzt wegen versuchten Raubes zu einer Woche Dauerarrest verurteilt, den der 14-Jährige in der Jugendarrestanstalt Nienburg verbüßen muss.

veröffentlicht am 19.11.2008 um 00:00 Uhr

Außerdem verdonnerte Jugendrichter Dr. Dirk von Behren den Angeklagten zur Teilnahme an einem dreimonatigen sozialen Trainingskurs, wie die zuständige Pressestelle des Landgerichts auf Anfrage weiter berichtet. Verhandelt wurde hinter verschlossenen Türen. Der Zwölfjährige konnte juristisch nicht zur Verantwortung gezogen werden, weil er noch nicht strafmündig (ab 14) ist und somit vor dem Gesetz ein Kind. Von Behren sieht die Tat "auf so tiefer Stufe, dass mir fast die Worte fehlen". Dem Verurteilten schrieb der Richter ins Stammbuch: "Wenn Sie einmal die geistige Reife haben, um zu begreifen, was Sie da gemacht haben, sollten Sie sich einfach nur schämen." Kaum zu fassen, aber erst im August hatte von Behren den Jugendlichen wegen einerähnlichen Tat am selben Ort verurteilt. Damals hatte der Schüler einer anderen Rollstuhlfahrerin Zigaretten gestohlen. Der Schuldspruch lautete auf Diebstahl. Das Urteil: Zwei Freizeitarreste, die jeweils übers Wochenende im Justizgebäude an der Herminenstraße abgesessen werden müssen, sowie ebenfalls ein sozialer Trainingskurs, mit dem der Bursche zwischenzeitlich begonnen hat. Diese Entscheidung hat von Behren nun einbezogen und gleichzeitig aufgestockt. Weil die Tat, um die es jetzt ging, noch vor der ersten Verurteilung begangen worden war, beließ es das Jugendgericht bei einer Woche Dauerarrest. Sonst hätte der Angeklagte wohl mit drei oder vier Wochen rechnen müssen. Bis zuletzt hatte der Jugendliche den versuchten Raub bestritten und vielmehr behauptet, er habe den Zwölfjährigen, angeblich die treibende Kraft, davon abbringen wollen. Nach der Aussage des Opfers gilt der Angeklagte jedoch als überführt, und das Urteil ist bereits rechtskräftig. Den Angaben zufolge hatte beide Burschen die Rollstuhlfahrerin, die an jenem Nachmittag im Eingangsbereich des Bückeburger Wohn- und Pflegeheimes für Behinderte saß, zunächst um Zigaretten angeschnorrt. Die 51-Jährige rückte jedoch keine Kippen raus, worauf einer der ungebetenen Gäste fragte: "Darf ich Dir die Tasche klauen?" Laut schrie die Frau: "Nein, nein!" Dennoch versuchten die Burschen ihr die Tasche zu entreißen, was aber misslang, weil die Behinderte dagegen hielt. Noch im Weglaufen verspotteten die Täter ihr Opfer. Wie gesagt: Schäbig ist gar kein Ausdruck.



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