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Vor Gericht: 1170 Euro Geldstrafe für Betrüger / Werkstatt leistete laut eines Gutachters gute Arbeit

Einen dicken Sportwagen und kein Geld für die Reparatur

Bückeburg (ly). Nobel geht die Welt zugrunde. Und wer einen schnittigen Sportwagen fährt, genießt gleich höheres Ansehen, gilt er doch als Erfolgstyp. Bloß hinter der Fassade sieht es häufig anders aus, wie ein Fall aus Bückeburg zeigt.

veröffentlicht am 14.09.2007 um 00:00 Uhr

Wegen Betruges hat das Amtsgericht einen Mindener zu drei Monatseinkommen Geldstrafe verurteilt. Bei einem Bückeburger Autohändler hatte der heute 57-Jährige seinen Flitzer reparieren lassen, die Rechnung über knapp 2100 Euro jedoch nie bezahlt. Gericht und Staatsanwaltschaft gehen davon aus, dass er dies auch gar nicht gekonnt hätte. Bei dem Auto handelte es sich um eine großzügige Dauerleihgabe der offenbar recht wohlhabenden Lebensgefährtin des Mannes. "Man fährt einen Sportwagen, den man sich nicht leisten kann, hat nichts in der Hand, um zu bezahlen, und vertröstet den Händler immer wieder", fasste Richter Armin Böhm zusammen, bevor er zu dem Schluss kam: "Wenn das kein Betrug ist, weiß ich nicht, was wir als Betrug bestrafen sollen." Eine glasklare Sache also. Angeblich hatte der Mindener damals, im Dezember 2004, ein Immobiliengeschäft laufen. Aus der Provision habe er die Reparatur bezahlen wollen. Über ein Einkommen verfügt der Angeklagte, der zwischenzeitlich eine eidesstattliche Versicherung (früher: Offenbarungseid) abgegeben hat, nach eigenen Angaben nicht. Deshalb legte das Gericht bei 90 verhängten Tagessätzen den Sozialhilfesatz zugrunde, in diesem Fall 13 Euro pro Tag. Dass er im Unrecht ist, will der Mindener bis heute partout nicht einsehen. In einem vorausgegangen Zivilprozess hatte er der Bückeburger Werkstatt Pfusch unterstellt. Nach dem Austausch von Kupplung und Massenschwungrad soll die Luxuskarosse noch die gleichen hässlichen Geräusche produziert haben wie vorher. Ein Kfz-Sachverständiger kam dagegen zu dem Schluss, dass die Schrauber einwandfreie Arbeit geleistet hätten. Das Zivilgericht verurteilte den säumigen Kunden daraufhin zur Zahlung des Rechnungsbetrages, exakt 2093,10 Euro. "Dass im Zivilprozess plötzlich angebliche Mängel auftauchen, erleben wir immer wieder", stellte Richter Böhm fest. Nur am Rande: Durch das Gutachten hatte der Mindener zusätzliche Kosten von etwa 1200 Euro produziert. Während der Bückeburger Händler Ende 2004 auf sein Geld wartete, soll eine Bielefelder Firma eingesprungen sein und für rund 10 000 Euro einen neuen Motor eingebaut haben. "Das ist ordnungsgemäß bezahlt", versichert der Angeklagte.



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