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Wie sich Hamelns Einkaufscenter entwickelt hat, wie es wirkt und wo Verbesserungsbedarf liegt

Eine Zweijährige mit „ordentlichem Ergebnis“

Hameln (wul). Das einstige Schreckgespenst der Händler und gleichsam Geschenk für Zigtausende Konsumenten hat einige Tage nach seinem zweiten Geburtstag Bilanz gezogen: Von „ganz ordentlichem Ergebnis“ beim Umsatz ist die Rede bei der Stadt-Galerie und von „Ziel erreicht“ beim Blick auf Hameln als „gestärktem Einkaufsstandort“.

veröffentlicht am 17.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Axel Diewald und Kerstin Jackenkroll scheinen zufrieden mit der Entwicklung des Einkaufszentrums in der Altstadt. Jahrelang hatte die Ansiedlung für hitzige Diskussionen gesorgt und Angst geschürt, dass die Fußgängerzone ausbluten könnte. Jetzt haben der Regionalmanager und die Center-Managerin Ergebnisse einer internen Untersuchung präsentiert, die die Stadt-Galerie als gewinnbringenden Faktor für Hameln darstellen. Ein Gebiet mit 371 000 Einwohnern war ursprünglich als Einzugsgebiet definiert worden. Laut Jackenkroll umfasse es nach neuesten Erkenntnissen rund 420 000 Einwohner, sprich: Die Kunden kämen auch aus Detmold, Höxter, Holzminden, Hildesheim und auch Hannover. Etwa 31 Prozent kämen aus diesem erweiterten Einzugsgebiet – eine Entwicklung, die für Hameln insgesamt gut sei, so Diewald. Ermittelt worden seien diese Zahlen durch Kennzeichenanalysen und Befragungen, die konzernweit angewandt würden. Die Gegner der Stadt-Galerie hatten stets bezweifelt, dass sich das Einzugsgebiet der Einkaufsstadt Hameln ohne Center mit damals 180 000 potenziellen Kunden verdoppeln lässt.

Der Anteil der Galeriebesucher, die auch den Weg in die Innenstadt fänden, sei auf 73,5 Prozent angestiegen sei – eine rein quantitative Größe, denn ob sie „draußen kaufen“, wird nicht gefragt. Hameln präsentiere sich aber in seiner Gesamtheit als „superattraktiv“ mit seinen rund 300 Geschäften in der Innenstadt und 100 in der Galerie. Und die Vergrößerung des Einzugsgebietes sei auch nicht allein dem Center zuzurechnen, sondern eben auch der schönen Altstadt und den Angeboten dort.

Seit der Eröffnung am 11. März 2008 habe sich der erzielte Umsatz positiv entwickelt, berichtet Diewald. Euphorisch wird er nicht bei 62 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2009, aber es sei „ein ganz ordentliches Ergebnis“. Das Forschungsinstitut GfK hatte einst von 70 Millionen Euro erreichbarem Umsatz gesprochen. Für ein Haus, in dem es kein Geschäft für Unterhaltungselektronik gibt, stehe Hamelns Galerie bei den Besucherströmen nach Darstellung der Manager gut da: An normalen Tagen seien es etwa 20 000 bis 25 000 Passanten, beim Mitternachtsshopping am 28. November waren es 44 000, an den beiden ersten Adventssamstagen je 35 000 nach 33 000 im Vorjahr. Die Auslastung des Parkhauses sei um neun Prozent gestiegen; der Löwenanteil der Autos trage das Kennzeichen HM. Ziel sei es, noch mehr auswärtige, aber auch mehr Stammkunden zu erreichen. Die Anzahl der leerstehenden Läden dagegen gilt es zu verringern. Im Frühjahr komme ein neuer Herrenausstatter (Walbusch) und ein Thai-Delhi in die Galerie, womit dann nur noch eine Ladenfläche ungenutzt wäre. Dass die Galerie den Leerstand in der Innenstadt negativ beeinflusst haben soll, will Diewald so nicht gelten lassen: Gemessen an den Quadratmetern, sei der Leerstand so hoch wie im Jahr 2000.

Gut, aber „ausbaufähig“ ist aus Sicht von Kirsten Jackenkroll die Zusammenarbeit mit anderen Händlern und dem Stadtmarketing. Eine Ansicht, die Holger Wellner vom Einzelhandelsverband Hameln-Pyrmont teilt. „Ich würde mir einen noch engeren Schulterschluss wünschen“, sagt er und kritisiert, dass die Stadt-Galerie in diesem Jahr beispielsweise drei Mitternachtsshoppingtermine im Alleingang anbietet. Die Erfahrung, dass mittlerweile mehr Kunden aus der entfernteren Umgebung kommen, habe er als Einzelhändler nicht gemacht, distanziert er sich, und dass der Einzelhandel in der Fußgängerzone von der Stadt-Galerie profitiert, bezweifle er. Positiv dagegen bewertet er die Aktivitäten, die inzwischen in der Fußgängerzone zur Stärkung entstehen. So plane die Osterstraße ein eigenes Sommerfest und die Fischpfortenstraße ebenfalls. „Da wird nach vorne geguckt“, sagt Wellner, und die anfangs weit verbreitete Ablehnung der Stadt-Galerie und Resignation weiche inzwischen vielerorts „einer pragmatischeren Einstellung“.



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