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Obernkirchener Schüler gestalten Ausstellung über Indianer-Kunst / Bis Mitte Januar im "Sonnenhof" zu besichtigen

Eine textile Technik - einmalig auf der ganzen Welt

Obernkirchen (sig). Eigentlich liegt Panama weit weg von uns und kommt auch im politischen Tagesgeschäft recht selten vor. Jetzt haben sich aber Schüler und Schülerinnen der 9. und 10. Klassen des Obernkirchener Schulzentrums im Kunstunterricht mit Panama befasst. Das Ergebnis ist in einer Ausstellung im "Sonnenhof" zu bewundern.

veröffentlicht am 22.12.2007 um 00:00 Uhr

Kuna-Frauen tragen alles Unikate. Fotos (2), Repro: sig

I m Kern geht es um eine besondere Kunst, die Eingeborene entwickelt haben. Sie gehören zu den Ureinwohnern, die sich noch einen Großteil ihrer Kultur erhalten konnten. Von rund 60 Indianerstämmen in dieser Region haben nur drei überlebt. Einer davon ist das Volk der Kuna, das zwar stark dezimiert wurde, aber zunächst im unwegsamen Landesinneren und dann an Flussläufen und auf vorgelagerten Inseln Lebensräume fand. Ursprünglich reichte den Angehörigen dieses Stammes als "Bekleidung" das Bemalen des Körpers. Dafür hatten sie eine eigene Bildersprache entwickelt, die später auch übertragen wurde auf die gewebten Stoffe. Diese Bemalung verblasste aber relativ schnell. Als Händler unterschiedlich eingefärbte Stoffe ins Land brachten, entwickelten die Kunas eine auf der Welt einmalige textile Technik. Und genau damit befassten sich die Obernkirchener Haupt- und Realschüler im Kunstunterricht. Lehrerin Carola Pfahl hatte bereits früher in einem Fortbildungsseminar Einblick in diese spezielle Technik genommen, die sie faszinierte. Abgeleitet von dem Wort "Mola", das in der Sprache der Kuna-Indianer Stoff, Kleidung oder Bluse bedeutet, gibt es die Molakana: eine Art Bilderschrift, mit der Motive aus Fauna und Flora dargestellt werden, aber auch Mythologisches zur Abwehr böser Geister und Dämonen sowie kreative Kräfte. Pfahl: "Die Molakana ist inzwischen zur Haupteinnahmequelle der Kuna geworden." Der Entstehungsprozess ist schon sehr aufwendig. Dabei werden verschieden farbige und vor allem dünne Stofflagen übereinander gelegt. In die oberste Lage wird ein Motiv eingeschnitten. Die Stoffkanten werden danach schmal nach innen eingeschlagen und umsäumt. Das Endprodukt kann bis zu acht Schichten aufweisen. An einigen Stellen werden zusätzlich noch kleine Stoffstücke eingearbeitet. Die beim Schulzentrum für textiles Gestalten zuständige Pädagogin berichtete ihren Schülerinnen und Schülern auch darüber, dass die Mädchen des Kuna-Stammes schon mit fünf Jahren mit den ersten Übungsstichen vertraut gemacht werden. Vorgezeichnet werde nichts; alles werde frei gestaltet. Mädchen und Frauen, diebei dieser handwerklichen Kunst eine besondere Kreativität entfalten, brächten es in Dorfgemeinschaft zu hohem Ansehen. Die Blusen und Kleider sagen, so Carola Pfahl, vieles über die Person der Trägerin aus, unter anderem auch über ihre Hobbys. Mit Hilfe des "Vereins für bedrohte Völker" hatdie Pädagogin einige farbenprächtige Musterstücke mit besonderen Applikationen erwerben können. Die sehr anschaulich gestalteten und mit textlichen Informationen versehenen Ausstellungswände sind bis Mitte Januar im Souterrain des "Sonnenhofes" zu besichtigen.

Diese Mädchen und Jungen der 9. und 10. Klassen der Obernkirchen
  • Diese Mädchen und Jungen der 9. und 10. Klassen der Obernkirchener Haupt- und Realschule haben die Ausstellung vorbereitet.

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