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21-jähriger Familienvater soll 58 Straftaten begangen haben / Hamelner sitzt in Untersuchungshaft

Eine Supernaseüberführt den Serien-Räuber

Weserbergland (ube). Ein Familienvater (21) aus Hameln, der im Verdacht steht, im Januar ein Hotel, eine Tankstelle und einen Getränkemarkt überfallen zu haben, ist von einem Schäferhund überführt worden. Der Geruchsspurenhund "Sunny" verglich eine an einem Tatort gesicherte Spur mit dem Schweiß von sieben Menschen, unter denen sich der Tatverdächtige befand. Bei dem Überfall auf den Getränkemarkt hatte der Räuber einen Karton angefasst - das wurde ihm zum Verhängnis.

veröffentlicht am 26.03.2007 um 00:00 Uhr

"Sunny" bei der Arbeit: Die Supernase schnüffelt an verschiedene

Der junge Hamelner war bereits am 18. Januar von Fahndern des 2. Fachkommissariats dingfest gemacht worden - der Rauschgiftsüchtige wartet seitdem in Untersuchungshaft auf seinen Prozess. Auf das Konto des Mannes sollen unter anderem 54 Auto-Einbrüche und ein Geld-Diebstahl in einem Toto-Lotto-Geschäft gehen. Jetzt kommen noch drei bewaffnete Raubüberfälle hinzu. Schon im Februar gingen die Ermittler davon aus, dass der Autoknacker auch für die Überfälle in Frage kommt. Kleidungsstücke, die bei der Durchsuchung seiner Wohnung sichergestellt worden waren, wurden den Raub-Opfern gezeigt - diese erkannten sie wieder. "Um den Tatverdacht erhärten zu können, haben wir uns für einen Geruchsspuren-Vergleichstest entschieden", sagt Kriminalhauptkommissar Frank Keller. Zeugen hatten berichtet, der Räuber habe bei dem Überfall auf den Getränkemarkt einen Karton angefasst. In einem Labor des Instituts für Aus- und Fortbildung der Polizei in Schloss Holte-Stukenbrock fand die Untersuchung statt - knapp zwei Monate nach dem letzten Raubüberfall in Hameln. Auf einer Art Laufsteg wurden sieben Proben deponiert - darunter ein Metallröhrchen, dass der Hamelner im Gefängnis anfassen musste. Dann war "Sunny" an der Reihe. Der Geruchsspuren-Vergleichsspürhund schnupperte zunächst an dem Getränkekarton aus dem Abhol-Markt. Dann machte er sich auf die Suche. Der belgische Schäferhund habe den Duft, der sich an der Verpackung befand, dem Körpergeruch des Mannes zugeordnet, sagte Kriminalhauptkommissar Keller - und stellte fest: "Für uns ist das ein weiteres Indiz dafür, dass der Hamelner die räuberischen Erpressungen begangen hat." Nach der Festnahme des Mannes habe sich zudem kein ähnlich gelagerter Fall mehr in Hameln ereignet. Das Motiv des Hartdrogenkonsumenten liegt aus Sicht der Polizeiinspektion auf der Hand: "Der Mann finanzierte seine Sucht mit Straftaten - klassische Beschaffungskriminalität", sagte Keller. Die Geruchshund-Methode ist bundesweit einmalig - sie wird nur im Institut der Polizei in Schloss Holte-Stukenbrock und in der Polizeihundeschule Stuttgart angewandt. Sogar Gaschromatographen seien den Supernasen weit unterlegen. "Solche Geräte - egal wie empfindlich sie auch sind - können nicht im Entferntesten an die Leistungsfähigkeit unserer Geruchsspuren-Vergleichsspürhunde heranreichen", sagt der Diensthundführer und Polizeihauptkommissar Jürgen Peeters aus Schloss Holte-Stukenbrock. Noch keine heiße Spur gibt es bislang von den drei Räubern, die am 25. Januar und am 12. Februar die Volksbank-Filiale am Hamelner Mertensplatz überfallen haben. Dennoch werde mit Hochdruck weiterermittelt, hieß es. Die bei den Großfahndungen erhobenen Daten wurden bis auf einige wenige ausgewertet. Heißt:Fast 3600 Autohalter sind bis zum heutigen Tage unter die Lupe genommen worden. Die Fahnder stehen zudem im Kontakt mit dem Landeskriminalamt (LKA) in Hannover und dem Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden. "Die Experten dieser Polizeibehörden unterstützen unsere Inspektion bei den Ermittlungen - und sie werten mit Spezialtechnik die von uns gesicherten Spuren aus", so Oberkommissar Jörn Schedlitzki.

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