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Wie "Frau" die Frauen von den Sitzen reißt und die Männer scharf macht

Eine schrille Nacht mit Luise

Bad Eilsen (sig). Wenn schon im Vorverkauf die Karten wie warme Semmeln weggehen, der Kursaal brechend voll ist und die Frauen eine dominierende Mehrheit bilden, dann kann dort nur Luises Transenstadel zu Gast sein. Das bestätigte sich wieder bei der "schrillsten Nacht des Jahres" am Sonnabend.

veröffentlicht am 22.09.2008 um 00:00 Uhr

Kleid oder Gestänge? Foto: sig

Eine solche Begeisterung, schon bevor die erste Darbietung richtig begonnen hat, gibt es sonst bei kaum einer anderen Veranstaltung im Kursaal. Die Frage ist nur: Liegt das an dem flotten musikalischen Vorspiel? Oder an der Vorfreude auf die sich alljährlich einmal stellende Aufgabe: Sind das wirklich alles Männer, oder hat sich vielleicht doch eine Frau ins Team eingeschlichen, um die Irritationen zu erhöhen? Gleichwohl bleibt bewundernswert, mit welchem Geschick die Akteure weibliche Formen vorgaukeln, wie sicher sie hochhackigüber die Bühne und durch den Saal laufen und dabei ihre überwiegend strammen, aber makellos glatt rasierten Waden bewegen. In der Regel sind die Männer tapsig, wenn sie betont weibliche Gesten nachahmen sollen. Bei Fräulein Luises Transenstadel ist da aber kaum ein verräterisches Fehlverhalten zu entdecken. Im Gegenteil: Die Anmache klappte so gut, dass die männliche Diaspora überwiegend unruhig auf den Stühlen rutscht. Könnte es nicht vielleicht doch jemand sein, mit dem man sich's im Separee gemütlich machen könnte? Äußerst kurze Röcke und knackige Pos sowie angedeutete Dekolletés verfehlen da ihre Wirkung nicht. Wenn die Transen sich zwischendurch mal ins Zuschauergetümmel stürzen, versucht "man" hier und da sogar zu grapschen. Dass etliche Sprüche deutlich mehr als ein paar Zentimeter unter der Gürtellinie lagen, heizt die Stimmung nur noch weiter an. Die Frauen freut es, dass es fast nur die Männer sind, die kräftig eins auf die Hörner bekamen. Sie werden überwiegend als Schlaffis, Langweiler, Lustmolche oder Spaßverderber dargestellt. Ein paar Internaüber das weibliche Geschlecht sind allerdings auch nicht gerade jugendfrei. Bei der Andeutung, was manche Frauen inzwischen durch Aufspritzen so alles vergrößern lassen, schießt eine Lachsalve nach der anderen durch den Saal. Das Ganze gerät förmlich zum Jubelsturm, als eine Transe die Behauptung aufstellte: "Am intelligentesten sind die Männer beim Sex, da sind sie nämlich am Hauptrechner angeschlossen." Die Frauen, die allein gekommen sind, werden mit dem Spruch getröstet: "Stellt euch vor, ihr hättet euren Muffelkopp neben euch: Da wäre der ganze Abend doch schon gelaufen." Dass es sichüberwiegend oder wahrscheinlich ausschließlich um eine Männerriege handele, die sich da in Weiberröcken präsentierte, verrät der Hinweis darauf, dass "man" beim Umkleiden schon sehr aufpassen muss, nicht irgendwelche "Ersatzteile" zu vergessen. Wie schnell es geht, sich von einem Mann in eineFrau zu verwandeln, zeigt eine Szene, in der ein Akteur vor einem angedeuteten Spiegel sitzt und sich in wenigen Augenblicken in eine Aktrice verwandelte. Erst kommt die Wimperntusche zum Einsatz, danach die Schminke, der Lippenstift, das Ohrgehänge, schließlich folgten die eleganten Damenschuhe.Mit einem Griff fliegt der Bademantel weg und enthüllt ein langes weißes Ballkleid. Zu guter Letzt entfaltet sich ein schulterlanger Haarschopf, der vorher geschickt versteckt war. Die fantasievollen, aufwendigen und zuweilen auch sparsamen Kostümierungen verblüffen immer wieder aufs Neue. Und stimmlich sind die Ireen Sue, Marcel Bijou, Tatjana, Elke und Luise auch gar nicht schlecht ausgestattet, soweit sie selbst gesungen haben. Dargeboten werden auch immer Melodien, die bestens bekannt sind und von den Besuchern mitgesummt oder sogarmitgesungen werden können wie zum Beispiel "Is this the way to Amarillo" oder "Ich fand das große Glück ins Osnabrück" bis zum weltbekannten sentimentalen Song "My Way", den der große Entertainer Harald Juhnke häufig zum Ende seiner Auftritte dargeboten hat. Der "Zauber der Travestie" war ein höchst willkommener Einstieg in das herbstliche Kulturprogramm.

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