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Ex-Niedernwöhrenerin veröffentlicht Buch / Mix aus Fiktion und Fakten

Eine problematische Abrechnung

Samtgemeinde Niedernwöhren (gus). In ihrem Buch „Samtgemeindeblues“ beschreibt Marion Schumacher, dass es einige Männer in und um Niedernwöhren nicht allzu eng sahen mit der ehelichen Treue, dass dort aber auch Frauen mitunter unmoralische Ansprüche hegten und dass Männer – aber auch einige Frauen – zu heftigem Alkoholkonsum neigten. Erboste und in Schumachers Augen rechtschaffene Ehefrauen entdeckten schließlich eine Art Voodoo-Kunst und brachten ihre Partner um. Außer zweien, einer davon wurde „nur“ in einem Whirlpool verbrüht und entstellt.

veröffentlicht am 24.02.2012 um 15:59 Uhr

Spätestens der Racheakt an den untreuen Männern zeigt, dass Schumacher Wirklichkeit und Fiktion – auf problematische Weise – vermischt. Die Autorin erklärt, sie habe tatsächlich Erlebtes mit ihrer „blühenden Phantasie“ aufbereitet und zu einer lustigen Geschichte machen wollen. Gar nicht lustig finden zahlreiche Niedernwöhrener den „Samtgemeindeblues“, zumal alte Geschichten aufgewärmt werden und in zahlreichen Fällen ersichtlich ist, wer sich hinter welcher Figur verbirgt. Dies bestätigten mehrere Quellen dieser Zeitung.

Schumacher empfindet einen offenbaren Groll gegen die Samtgemeinde Niedernwöhren, wobei die jetzige Aachenerin vor allem auf den Ort Niedernwöhren abzielt. Gegenüber dieser Zeitung räumte Schumacher ein, dass die männliche Hauptfigur, ihr damaliger Lebensgefährte „Hans“, aus Wennigsen stammt und nur kurze Zeit in Niedernwöhren lebte. Aber „meine Samtgemeindeclique liebte ihn“, so Schumacher. Nach der Trennung habe es für sie einen „Spießrutenlauf“ gegeben, woran „Hans“ Schuld gehabt habe.

Mehrfach lässt die Autorin im Buch durchblicken, dass sie die von ihr beschriebenen Zustände für ein Niedernwöhrener Phänomen hält. Sie lebe lieber in der Stadt, dort gebe es so etwas nicht. Da ihre problematische Übersteigerung der vermeintlichen Vorfälle dem Leser aber ein ganz und gar verfälschtes Bild zeichnet, erfährt dieser nichts Erhellendes über den angeblich unsittlichen Handlungsort. Mehr noch wirkt die Erzählung wie eine humoristisch verkleidete Abrechnung, kombiniert mit einer Mixtur aus Aufbaukurs fürs eigene Ego und gespielter Selbstkritik. Denn die Buchheldin erscheint stark idealisiert.

Schumacher, die Ende 2003 aus Niedernwöhren wegzog, gibt sich in der Erzählung den Namen „Rosa Schön“. Sie beschreibt sich selbst als unsicher und übergewichtig. Ihr Hintern sei „so groß wie Brasilien“, in Anlehnung an ein Zitat aus dem Film „Bridgette Jones“, das auch wörtlich im Buch auftaucht – allerdings ohne Quellenangabe.

Ihr „Brasilien“, die fehlende Neigung, sich vorteilhaft zu kleiden und das fehlende Interesse an Flirts ändern aber nichts daran, dass „Rosa“ sich vor Annäherungsversuchen etlicher Männer kaum retten kann. Da wird sie doch gleich mehrfach von Anbetern – ganz ohne eigenes Zutun – beinahe vernascht. Ein einziges Mal erliegt sie sogar dem Werben.

Schumacher schreibt im Vor- und Nachwort zu ihrer Erzählung, sie wollte ein erheiterndes Buch über die Erlebnisse in einer „Samtgemeinde in Niedersachsen“ schreiben. Doch viele Leser dürften sich fragen, warum sie den untreuen, wenig attraktiven „Hans“, der nicht Vater ihrer Kinder war, nicht einfach vor die Tür setzt, anstatt sich von ihm scheinbar lange Zeit für dumm verkaufen zu lassen.

Bei aller Leichtigkeit, mit der Schumacher scheinbar ihre Erinnerungen an die Zeit in Niedernwöhren niederschrieb, gibt es auch ein nachdenklich stimmendes Detail. Gegenüber dieser Zeitung verweist sie auf einen Fall sexuellen Missbrauchs in ihrer Familie, der ihren kaum übersehbaren Groll verständlicher macht. Ein Gerichtsverfahren sei allerdings aus Mangel an Beweisen gescheitert.

Fazit: Schumacher prangert unmoralische Dinge an. Doch neu ist das alles nicht. In der Literatur gehört das Themenfeld der ehelichen Treue und der Eifersucht sogar zu den ältesten überhaupt. Schon in der Antike bedienten sich Dichter dieser Stoffe. Und das macht den „Blues“ erst so richtig deprimierend.



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