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Wirtschaftskrise lässt die Zahl der Bedürftigen steigen / In Hameln werden rund 250 Menschen regelmäßig versorgt

Eine Million Menschen lebt in Deutschland von der Tafel

Göttingen/Hameln (ap/TT) Wegen der Wirtschaftskrise rechnen die Tafeln in Deutschland mit einer wachsenden Zahl von Bedürftigen, die auf regelmäßige Lebensmittelspenden angewiesen sind. Die Zahl der Tafel-Kunden sei nach Schätzungen bereits in den vergangenen zwölf Monaten um 100 000 auf mehr als eine Million gestiegen, sagte der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutsche Tafel, Gerd Häuser, gestern in Göttingen.

veröffentlicht am 11.06.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Dieser Trend ist auch in Hameln erkennbar: Mittlerweile versorgt die Tafel in der Rattenfängerstadt rund 250 Menschen regelmäßig mit Lebensmitteln. Büroleiter Torsten Queda sagte gestern auf Anfrage: „Die Zahl der Bedürftigen ist gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen, obwohl wir keine Kunden mehr aus Bad Münder und Springe versorgen, seitdem es dort eigene Tafeln gibt.“

Künftig müssten die Tafeln noch „für wesentlich mehr Menschen als bisher da sein“, erklärte Häuser in Göttingen. Die Bereitschaft des Lebensmittelhandels zu Spenden sei trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage ungebrochen. Die Produktion der Hersteller liege oft um 20 Prozent über der Nachfrage. Wenn sie falsch etikettierte Ware oder Produkte mit beschädigten Verpackungen den Tafeln überließen, könnten sie hohe Kosten für die Entsorgung sparen.

Allerdings sei die Zahl der Tafel-Kunden schneller gestiegen als die Menge der gespendeten Lebensmittel. Die Zahl der Tafeln, die Bedürftige mit Gütern des täglichen Bedarfs versorgen, habe sich seit Sommer 2008 um rund 100 auf bundesweit 848 erhöht. Die Initiativen organisieren 2500 Ausgabestellen. Die Bekämpfung von Hunger sei nicht das vorrangige Ziel der Tafeln, sagte Häuser weiter. Bedürftige sollten vielmehr bei den Ausgaben für Lebensmittel entlastet werden, um ihnen die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben weiter zu ermöglich. „Der Hartz-IV-Empfänger kann dem Kind dann einen Kinobesuch oder den Beitrag für den Sportverein bezahlen.“ Zudem würden die Tafel-Kunden über die Spenden oft qualitativ hochwertige Lebensmittel erhalten, die sie sich sonst nicht leisten könnten.



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