weather-image
23°

Hinter der Fassade des einstigen Juweliergeschäftes Held wird am Familienzentrum „Fiz“ gebaut

Eine Lotsenstation für Hamelner Eltern

Hameln (ni). „Mein Sohn hat eine Empfehlung fürs Gymnasium erhalten. Können Sie mir etwas zu den unterschiedlichen Profilen der drei Gymnasien in Hameln sagen? Außerdem würde ich gerne wieder arbeiten, habe aber keine Betreuung für meine zweijährige Tochter.“ Was kann eine Mutter tun, der diese Fragen auf den Nägeln brennen? Sie kann die Schulen abklappern oder versuchen, sich im Internet schlauzumachen. Sie kann bei der Stadt anrufen und fragen, ob es irgendwo noch einen freien Krippenplatz gibt oder sich im „Familienservicebüro“ im Kinderspielhaus nach Möglichkeiten der Betreuung durch eine Tagesmutter erkundigen. Zwei Fragen – zig Stationen, so stellt sich die Situation heute dar.

veröffentlicht am 30.12.2009 um 10:04 Uhr
aktualisiert am 04.01.2010 um 16:26 Uhr

270_008_4225005_hm402_3012.jpg

Hameln (ni). „Mein Sohn hat eine Empfehlung fürs Gymnasium erhalten. Können Sie mir etwas zu den unterschiedlichen Profilen der drei Gymnasien in Hameln sagen? Außerdem würde ich gerne wieder arbeiten, habe aber keine Betreuung für meine zweijährige Tochter.“ Was kann eine Mutter tun, der diese Fragen auf den Nägeln brennen? Sie kann die Schulen abklappern oder versuchen, sich im Internet schlauzumachen. Sie kann bei der Stadt anrufen und fragen, ob es irgendwo noch einen freien Krippenplatz gibt oder sich im „Familienservicebüro“ im Kinderspielhaus nach Möglichkeiten der Betreuung durch eine Tagesmutter erkundigen. Zwei Fragen – zig Stationen, so stellt sich die Situation heute dar. „Mit dem Fiz wollen wir das ändern“, sagt Bernd Himler, der als Leiter der städtischen Abteilung Kindertagesstätten bei der Konzeption des Fiz die Fäden in der Hand hält.

Fiz? Der eingängige Name steht für „Familie im Zentrum“ und meint das ehrgeizige Projekt der Stadt Hameln, „die Rahmenbedingungen für Familien zu verbessern“. Wer Fragen rund um seinen Nachwuchs hat, wer wissen will, welche Schwerpunkte die weiterführenden Schulen setzen, nach welchen Konzepten Kitas arbeiten, an welchen Grundschulen die Nachmittagsbetreuung Standard ist und welche Einrichtungen sich in welcher Form mit Kindern und Jugendlichen beschäftigen oder auch die manchmal ratlosen Eltern unterstützen – das Fiz, zentral gelegen im ehemaligen Haus Held an der Osterstraße, soll die zentrale Anlaufstelle werden, bei der Eltern auf alle diese Fragen Antwort erhalten.

„Wir haben in der Stadt 26 Kitas, 15 Grundschulen, neun weiterführende Schulen (ohne die Berufsbildenden) und mehr als 50 Vereine, Verbände und Institutionen, die Angebote für Kinder, Jugendliche oder auch die Eltern bereithalten“, zählt Himler auf. „Aber wer blickt da noch durch? Eltern wohl kaum, wenn es selbst den professionellen Sozialarbeitern, Erziehern und Pädagogen schon schwerfalle, die Übersicht zu behalten.

2 Bilder
Bleiben erhalten: die alten Dielen und Türen in den oberen Etagen.

Den Eltern die Orientierung in der bunten Landschaft entlastender und beratender, unterhaltender, bildender und erzieherischer Angebote zu erleichtern, ist ein Hauptanliegen, das die Stadt mit dem Fiz verfolgt. Herzstück des Konzeptes ist darum der geplante Servicebereich im Erdgeschoss. An 54 Öffnungsstunden in der Woche sollen Mitarbeiter des Familienhauses Müttern und Vätern als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und „Lotsenfunktionen“ übernehmen. Sie sollen die Mutter, die ein passendes Gymnasium für ihren Sohn sucht, mit den nötigen Informationen versorgen; sollen ihr an Ort und Stelle sagen, ob es irgendwo noch einen Krippenplatz für die Zweijährige gibt oder eine Tagesmutter mit freien Kapazitäten. Genauso sollen sie Eltern weiterhelfen, die einen Rat in Erziehungsfragen brauchen, ihnen entsprechende Adressen in die Hand geben oder Kontakte zu beratenden Einrichtungen vermitteln.

Um diese Serviceleistung anbieten zu können, räumt Himler ein, „hätte ein gut ausgestattetes Büro mit kompetenten Mitarbeitern ausgereicht“. Und mehr habe die Stadt für ihr Projekt eines familienfreundlichen Rundumpaketes anfänglich auch gar nicht im Auge gehabt. Dass am Ende ein ganzes Haus in der Innenstadt zum Familienzentrum umgebaut wird – daran sei die Eugen-Reintjes-Stiftung maßgeblich beteiligt. Die Stiftung für gesundheitliche und soziale Zwecke wird von der Stadt Hameln verwaltet. Im Stiftungskuratorium, das über die Vergabe von Geldern entscheidet, sitzen mit Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann als Vorstand sechs Vertreter der Stadt, zwei Vertreter des Kreiskrankenhauses, ein Steuerberater sowie der Geschäftsführer der örtlichen Reintjes GmbH.

Die Stiftung, so Himler, sei bereit gewesen, das Projekt finanziell zu unterstützen. Allerdings wollte sie nicht nur Miet- und Personalkosten zuschießen, „sondern für das Geld, das sie gibt, einen sichtbaren Gegenwert schaffen“. Als sich im vergangenen Jahr die Gelegenheit zum Erwerb der Held-Immobilie in repräsentativer Lage bot, griff die Stiftung zu, kaufte das Haus und erklärte sich bereit, auch die Umbaukosten von schätzungsweise 1,6 Millionen Euro zu tragen. Vor vier Monaten verkündete Oberbürgermeisterin Lippmann, auch die Personalkosten für das Fiz könnten für die „nächsten zwei, drei Jahre“ aus der gleichen Quelle bestritten werden.

Die veränderte Situation erforderte eine Fortschreibung des Konzeptes. Das Haus will schließlich gefüllt werden – mit mehr als den Lotsen im Servicebereich und dem Anspruch, die vorhandenen Angebote im Bereich von Betreuung und Erziehung für die Eltern transparent zu machen. Und es soll gefüllt werden. Unter anderem mit einer Kinderkrippe, zu deren Einrichtung in der ersten Etage des Gebäudes Land und Kreis 200 000 Euro beisteuern. Auf der gleichen Ebene kann Himler sich auch ein Angebot für Eltern vorstellen, „die einfach nur mal in Ruhe einkaufen, etwas erledigen oder Kaffee trinken möchten“ – ohne nörgelnden Nachwuchs im Schlepp. Der könnte sich stattdessen ein, zwei Stunden gut behütet und betreut im Fiz vergnügen. Zurzeit laufen laut Himler Gespräche mit dem Stadtmarketing und dem Einzelhandel mit dem Ziel, von dieser Seite finanzielle Unterstützung für einen solchen Kundenservice einzuwerben.

In der zweiten Etage sollen und wollen Anbieter familienspezifischer Leistungen die Möglichkeit erhalten, sich selbst zu präsentieren. Die Liste der Interessenten – von der Arbeiterwohlfahrt über die Paritäten, den Kinderschutzbund bis hin zur Lebenshilfe und dem Sozialdienst Katholischer Frauen – ist schon heute umfangreicher als der zur Verfügung stehende Platz. „Die Anbieter werden sich die Räume teilen müssen“, sagt Himler, und zwar nicht, indem sie zu dritt oder viert dort sitzen, sondern Beratungsstunden zu unterschiedlichen Zeiten einrichten. Himler kommt dabei auch die schwierige Aufgabe zu, die Interessenten genau unter die Lupe zu nehmen und zu „sortieren unter dem Aspekt, was bringt deren Angebot den Familien und erfüllt es unsere Erwartungen an Qualität“.

Noch ist das Familienzentrum Baustelle. Im Inneren des Hauses sind Handwerker damit beschäftigt, das nachträglich eingebaute, marode Treppenhaus abzubrechen. An gleicher Stelle soll ein neues inklusive Fahrstuhl entstehen. Alle Eingriffe in das denkmalgeschützte Gebäude, versichert Architekt Andreas von Schilgen, seien mit dem Denkmalschützer abgesprochen. Das alte Treppengeländer wurde nicht einfach entsorgt, sondern kommt ins Museum; die Aufteilung der Räume in den oberen Etagen inklusive der alten Zimmertüren bleibe fast durchgängig erhalten. Und auch der überwiegend mit breiten Dielen ausgelegte Fußboden soll nicht ersetzt, sondern nur abgeschliffen und versiegelt werden. Ende 2010 soll innen und außen alles so hergerichtet sein, dass das Fiz seine Türen öffnen kann.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt
    X
    Herzlichen Glückwunsch, Ihr Adblocker funktioniert!

    Wir verstehen, dass Sie nicht hier sind, um Werbung zu sehen.
    Aber Werbe- und Aboeinnahmen sind wichtig für unsere journalistische Arbeit.


    Unterstützen Sie unseren Qualitäts-Journalismus, indem Sie Ihren Adblocker deaktivieren
    oder sich mit einem gültigem Digital-Abo anmelden.

    Sie haben ein Digital-Abo? Hier anmelden!

    Noch kein Digital-Abo?