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Sterntaler: 17 Kinder und Jugendliche aus Litauen erleben zwei Wochen lang intakte Familien

Eine kleine Zweitfamilie in Schaumburg

Obernkirchen/Landkreis (rnk). Jakob Penner kommt spät, denn von einem bestimmten Punkt an hilft auch das Navigationsgerät nicht mehr weiter. Daher hat er sich von der Obernkirchener Innenstadt bis hoch zum jbf-Centrum durchgefragt: Dort ist Abschiedsgrillen der "Sterntaler-Kinder Litauen". Penner ist mit seiner Familie aus Minden angereist, denn der Sterntaler-Verein hat die Grenzen des Landkreises längst überschritten.

veröffentlicht am 29.07.2008 um 00:00 Uhr

Tim und Irina Penner mit ihrer Gasttochter Diana.

Schon seit 1991 unterstützt der Verein "Sterntaler-Kinder Litauen" Kinder aus einem Kinderheim und Kinder aus sozial schwachen Familien in Elektrenai in Litauen. "Es sind überwiegend Waisen", erklärt Vorsitzende Maddalena Riolfo. Die Stemmerin hat diesmal gleich vier litauische Gäste übernommen: Zwei Kinder und zweiBetreuer wohnen bei ihr und ihren Schwiegereltern. Denn der Verein unterstützt nicht nur die Kinder in dem litauischen Heim, sondert bietet etwa, was die meisten gar nicht oder so nicht kennen: eine intakte Familie. Und daher kommen immer die gleichen Kinder in immer die gleichen deutschen Familien. "Wir möchten zeigen, wie wichtig Familien sind", erklärt Maddalena Riolfo, "zeigen, wie Familie auch gelebt werden kann." Denn wenn die Gäste aus Litauen überhaupt in Familien groß geworden sind, dann waren es katastrophale und zerrüttete, oftmals von Alkohol und Gewalt dominierte Familienverhältnisse. In den ihnen bekannten Gastfamilien können die Kinder und Jugendlichen am einfachsten das Familienleben kennenlernen und erleben, wie schön eine "richtige" Familie sein kann. Für so manches litauische Kind existiert im Schaumburger Land auf diese Weise ein kleine "Zweitfamilie". Bereits zum fünften Mal ist die 14-jährige Agne zu Gast im Auetal, bei der Familie von Rita Weber, vier Mal hat ihre um vier Jahre jüngere Schwester Dalia sie begleitet. Zwei Fragen werden Rita Weber dabei immer wieder gestellt, wenn sie von ihrer Hilfsaktion erzählt: Warum hilft sie nicht hier? Warum gerade den litauischen Kindern? "Weil es in Deutschland genug öffentliche Stellen gibt, die Kindern helfen, wenn sie in Not sind. Diese Anlaufstellen fehlen in Litauen völlig, dort gibt es keine Jugendhilfe", erklärt die Kathrinhägerin. Anfangs habe es durchaus Probleme mit den litauischen Gästen gegeben, aber mithilfe ihrer Tochter Inken (12) habe man die Sprachbarrieren schnell überwinden können - die Sprache der Teenager ist universell und international. So generell würde es Jacob Penner nicht formulieren. Selbst wenn die Gasteltern russisch sprechen wie er und seine Frau Irina: "Es ist nicht einfach." Wie bei Webers in Kathrinhagen, sieht es in seiner Familie beim Nachwuchs aus: Sein Sohn Tim und Diana verstehen sich bestens, auch wenn sie eine andere Sprachesprechen. Sterntaler-Kinder Litauen hat seine Ziele deutlich höher definiert, als nur zwei Wochen im Jahr ein paar Jugendlichen den Wert eines intakten Familienlebens mit auf den Weg ins Erwachsensein mitzugeben: Es gibt durchaus Gegenbesuche, die Schauburger und Mindener Gasteltern reisen regelmäßig nach Elektrenai, um dort die aufgebauten Kontakte zu vertiefen oder neue zu knüpfen. Etwa zur Heimleiterin, einer energischen, aber auch von ihrer Mission erfüllten Frau, die den Kindern einen Weg in eine bessere Zukunft aufzeigen möchte, wie alle Befragten auf dem Bückeberg beim Abschiedsgrillen betonen. Am Wochenende endete der diesjährige 14-tägige Ferienaufenthalt in Deutschland. Auch in diesem Jahr hat der Verein die Reisekosten der 22-stündigen Fahrt im Linienbus von Litauen nach Deutschland ausschließlich über Spendengelder finanziert. In diesem Jahr konnten 17 Kinder und Jugendliche eingeladen und bei Gasteltern untergebracht werden. Das Programm war naturgemäß auf die Bedürfnisse der Kinder zugeschnitten. So wurde die Kleiderbörse Helpsen besucht, aber auch McDonald's in Stadthagen wurde auf Einladung besucht: Für die meisten Kinder war es der erste Besuch bei einem Fast-Food-Riesen. Richtig prima war auch die Einladung des Fördervereins "Schwimmbad Badewonne" in Nordsehl: Die Kinder konnten kostenlos das Schwimmbad besuchen, und Kaffee, Kuchen, Eis und Getränke gab es bis zum Abwinken. Mit einem symbolischen Akt endete der Grillabend: Gemeinsam ließen Kinder und Gasteltern große Sky-Laternen in den Abendhimmel aufsteigen - in der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen.



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