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Gartenbauschüler der Elisabeth-Selbert-Schule kümmern sich als angehende Gärtner um Kriegsgräber im belgischen Lommel

Eine Klassenfahrt für den Frieden und gegen das Vergessen

Hameln. Insgesamt 14 Gartenbauschülerinnen und -schüler der Elisabeth-Selbert-Schule in Hameln fuhren zum Schuljahresabschluss nach Lommel in Belgien. Dort betreibt der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge eine Jugendbegegnungsstätte und unterhält einen Soldatenfriedhof. Hier liegen 40 000 deutsche Soldaten an 20 000 Steinkreuzen Kopf an Kopf begraben.

veröffentlicht am 19.07.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 09:21 Uhr

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Der erste Eindruck war für die Schüler erschreckend. Mitten in einer Heidelandschaft bog der Bus um eine Kurve, und die Jugendlichen hatten freien Blick auf das über 16 Hektar große Gräberfeld. Die Jugendbegegnungsstätte beschäftigt Mitarbeiter des Bundesfreiwilligendienstes, die Nachfolgeorganisation der Zivildienstleistenden. Diese jungen Erwachsenen informierten die Schülerinnen und Schüler aus Hameln über die Zeit des Dritten Reiches und die Folgen auf sehr anschauliche Art. Dabei wurde auch von der Entstehung dieses Soldatenfriedhofes berichtet. In Projektform haben sich die Selbert-Schüler mit Einzelschicksalen befasst. Dem Volksbund liegen persönliche Briefe, Fotos und andere Unterlagen zu bestimmten Gefallenen vor. So haben sich die angehenden Gärtnerinnen und Gärtner beispielsweise mit dem Leben des Hermann Dänner befasst. Er wurde im Alter von 17 Jahren im letzten Kriegsjahr eingezogen und er schrieb noch positive Berichte an seine Mutter, um ihre Sorgen nicht noch zu bestärken. Hermann fiel zwei Monate vor Kriegsende im Alter von 17 Jahren. Bei der Arbeit an den Gräbern hatten die Hamelner Jugendlichen immer wieder die Daten der Gefallenen vor Augen. Beim Nachrechnen fiel den Schülern auf, dass viele Soldaten zum Zeitpunkt des Todes jünger waren als sie selbst jetzt. Mehrere Jugendliche fanden Grabstätten mit Familiennamen aus ihren eigenen Familien. Eine Schülerin fand das Grab ihres Urgroßvaters.

Am Ende der Woche legten die Hamelner symbolisch einen Weg für Frieden und Versöhnung mit beschriebenen oder bemalten Kieselsteinen in der Krypta des Friedhofes nieder. Lob erhielten die Gartenbauschüler von der Leiterin der Jugendbegegnungsstätte dafür, dass sie so gründlich und schnell an den Gräbern gearbeitet hätten. Sie habe gemerkt, dass diese Schüler „vom Fach“ seien. Die Klassenfahrt hat bei den Jugendlichen tiefe Eindrücke hinterlassen. Sie wissen Frieden nun zu schätzen. Davon sind die begleitenden Gartenbaulehrerinnen Antje Burmeister und Bettina Schultze fest überzeugt. Die Jugendlichen hätten keine Zeitzeugen in ihren Familien, die von den schrecklichen Kriegsjahren berichten können. Umso wichtiger ist es, solche Projekte zu unternehmen.



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