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Geschichte oder Gemeindeleben: Erinnerungen bekommen einen besonderen Platz an der Wand

Eine ganz individuelle Reise durch das Jahr

Hameln-Pyrmont (sto/haf/ sbr). Aus Heimatverbundenheit, aus Interesse an der Geschichte Hemmendorfs und aus Spaß, sich auf Spurensuche durch „die gute, alte Zeit“ zu begeben, hat Albert Heise auch in diesem Jahr wieder einen Kalender mit Motiven aus dem alten Hemmendorf in Eigenarbeit und auf eigene Kosten erstellt. „Alt Hemmendorf 2010“ ist die siebte Ausgabe. Der erste „Heise-Kalender“ war 2004 erschienen.

veröffentlicht am 22.11.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 23.11.2009 um 09:00 Uhr

Albert Heise mit seinem Kalender „Alt Hemmendorf 2010&ldqu

Auch diesmal hat der Hobby-Chronist und Heimatforscher seinen Kalender mit alten Fotografien aus seiner umfangreichen Sammlung gefüllt. So ist der Januar beispielsweise mit dem alten Brauhaus bebildert, in dem bis ins 20. Jahrhundert hinein 42 Hemmendorfer Familien nach einem Braurecht aus dem Jahr 1626 ihr Bier brauen durften. Der April lädt ein in den nicht mehr existierenden „Ratskeller“, und im August kann der Betrachter teilnehmen an einer Schulstunde anno 1932.

Zwischen den Monaten hat sich Heise wieder eines besonderen Themas angenommen. Diesmal geht es um Erinnerungen an die ach so gute, alte Zeit. „War früher wirklich alles besser und schöner?“, fragt der Chronist zwischen März und April, Juli und August. Statt eine Antwort zu geben, lässt er eine ehemalige Hemmendorferin aus ihrer Kindheit erzählen.

Margarete Wysznski, geboren 1919, lebte von 1925 bis 1932 im Pfarrhaus von Hemmendorf. Sie war die Tochter des damaligen Pastors Waldemar Rieschel. Heute wohnt die mittlerweile 90-Jährige in Düsseldorf. Ihre Hemmendorfer Kindheitserinnerungen hat die Seniorin vor vier Jahren auf Band gesprochen, das sie ihrem Sohn Bernhard in Berlin schenkte. Dieser wandte sich an Albert Heise, ob er die Aufzeichnungen für seine heimatkundliche Spurensuche gebrauchen könne. „Und ob ich konnte! Erinnerungen aus erster Hand sind die kostbarsten“, weiß der 76-jährige Chronist aus seiner langjähriger Studie.

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Unter anderem erzählt Margarete Wyszynski von ihrer Schulzeit in der Volksschule Hemmendorf, die sie ab Ostern 1926 besuchte. Hier auszugsweise einige Sätze aus dem Bericht, der enthalten ist in dem neuen Kalender: „In Hemmendorf gab es zwei Lehrer und zwei Klassen: einmal erste bis vierte und dann fünfte bis achte Klasse. Ich saß in der Klasse von Lehrer Meyer. … Da durfte man nicht soviel schwatzen. Die Mädchen mussten ihre Hände so hinlegen, dann kriegte man mit dem Geigenstock was auf die Finger geschlagen. Und die Jungen, die mussten sich vorne über die erste Bank legen. Manchmal hatten die sich dann in ihren Hosenboden ein Stück Pappe gelegt, dass es nicht so weh tat. Wenn es dann so komisch klang, merkte das der Lehrer und zog an der Hose. Die Jungen hatten ja Klappen hinten an der Hose, die sie runterklappten, wenn… Vorne hatten sie ihr Hosenställchen.“… War früher wirklich alles besser? Die Fortsetzung der Kindheitserlebnisse erfolgt im Kalender 2011. Der Kalender ist für sieben Euro erhältlich in der Bäckerei Bohne, Hemmendorf, und bei Albert Heise.

In Osterwald gibt es 2010 einen Jubiläumskalender: Osterwald feiert im nächsten Jahr den 425. Geburtstag des Bergortes mit einem bunten Reigen attraktiver Veranstaltungen in der Zeit von Anfang April bis Ende September. Den Veranstaltungsplan hat der Arbeitskreis Jubiläum erst kürzlich verabschiedet, gerade noch rechtzeitig, um diese Termine in den Osterwald-Kalender einzutragen, den der Bergmannsverein herausgibt. Alte Osterwalder Ansichtskarten zeigen auf zwölf Monatsblättern im Format DIN-A4, wie Osterwald sich zu Beginn des letzten Jahrhunderts und in den ersten Nachkriegsjahren seinen Bürgern und Gästen präsentierte. Der Kalender gewinnt zusätzlichen Wert dadurch, dass die wichtigen Osterwald-Termine – dazu gehören nicht nur die Jubiläumsveranstaltungen – bereits vermerkt sind. Über Preis und Bezugsmöglichkeit ist noch nichts bekannt. Näheres weiß der Verein zur Förderung des Bergmannswesens Osterwald unter Tel. 05153/964846.

Nicht von Januar bis Dezember, sondern von September bis August gilt der Kirchenkalender der evangelischen Kirchengemeinde Aerzen. Auf 20 Kalenderblättern gibt er Aufschluss über die Gottesdienste in der Marienkirche und auf den Dörfern, die zahlreichen Aktivitäten der einzelnen Kreise und Gruppen sowie über die vielen interessanten Veranstaltungen rund ums Kirchenjahr. Der seit vielen Jahrzehnten erscheinende Jahresbegleiter enthält aber nicht nur Informationen rund ums Aerzener Kirchengemeindeleben in Worten und Zahlen, die vielen farbigen und schwarzweißen Fotos lassen das vergangene Kirchenjahr darüber hinaus noch einmal eindrucksvoll Revue passieren. „Unsere Gemeindeglieder sollen sich auf den einzelnen Kalenderseiten wiedererkennen. Unser Bestreben ist es, dass der Kalender unser buntes Gemeindeleben in möglichst viele Familien trägt und mit seinen aktuellen Informationen zu den verschiedenen Veranstaltungen einlädt“, erläutern die beiden Aerzener Pastoren Ulf Peter Radow und Thomas Mayer.

Von September bis August gilt der Kirchenkalender der evangelischen Kirchengemeinde Aerzen – hier betrachten ihn

Pastor Ulf Peter Radow (li.) und Pastor Thomas Mayer (re.)

Foto: sbr

Der Osterwalder Kalender erscheint im Jubiläumsjahr in besonderer Aufmachung.

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