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Hauptschülerin Laura Calí hat eine Frage: "Die vielen Ausbildungsplätze, wo sind die denn?"

"Eine ehrliche Antwort, das wäre doch was"

Obernkirchen. Ihre erste Bewerbung hat sie vor gut zwei Jahren geschrieben, als 15-Jährige. Mittlerweile sind es 20 bis 30, so ganz genau hat Laura Calí auch nicht mitgezählt. Wenn überhaupt eine Antwort kam, stand immer das Gleiche drin: Vielen Dank für das Interesse, aber wir bilden zurzeit nicht aus oder haben keinen Personalbedarf. Und, klar: Viel Glück noch.

veröffentlicht am 31.07.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Frank Westermann

Nun ist ein Hauptschulabschluss nicht der Schlüssel zur großen Karriere, aber deprimierend war die negative Resonanz auf Dauer schon, sagt die Obernkirchnerin. Zunächst hat sie sich auf Rinteln, Bückeburg und Stadthagen bei der Ausbildungsplatzsuche beschränkt, also die Städte der Umgebung, anschließend erweiterte sie den Bewerbungsradius bis Minden und Hameln. Vielleicht lag es ja an den Zensuren im Abschlusszeugnis? "Das habe ich zunächst auch gedacht", erzählt die 17-Jährige und legt das Abschlusszeugnis auf den Tisch. Es ist weder besonders gut noch besonders schlecht, nicht das beste Zeugnis aller Zeiten, aber auch keines, das sich die beste Freundin mal kurz ausleihen kann, wenn sie ihre Eltern mal richtig erschrecken will. Sicher, Naturwissenschaften liegen Laura Calí nicht, aber dort sieht sie ihren Berufsweg auch nicht angesiedelt: Sie möchte Einzelhandelskauffrau werden. Dort hat sie Erfahrung, denn ihr Vater ist selbstständig, außerdem möchte sie in den Modebereich gehen. "Und ich möchte mit Menschen zutun haben", erzählt sie. Denn mit Menschen umgehen, das kann sie. Hellwach ist sie im Gespräch, interessiert, aufmerksam, aktives Zuhören nennt dies der Experte. Was auch in ihren beiden Praktikumszeugnissen nachzulesen ist: Ihr Sozialverhalten, ihre Sorgfalt und ihre Selbstständigkeit werden stets hervorgehoben und bestens bewertet. Sie weiß, was sie kann, sie weiß, was sie ist: "Offen und ehrlich." Vielleicht war es diese Kombination aus Selbstständigkeit und Ehrlichkeit, die sie zum Telefonhörer greifen ließ: Sie hat sich bei der Redaktion beschwert. Denn gleich mehrfach habe sie in der letzten Woche lesen müssen, dass im Landkreis Hameln-Pyrmont 740 Ausbildungsplätze zu vergeben seien, auch in der Gegend um Hannover seien mehr als genug Plätze vorhanden. Mit der von ihr erlebten Absagen-Realität deckt sich die in den Medien geschilderte Berufswirklichkeit jedenfalls nicht, sagt sie: "Ich kann das nicht nachvollziehen." Und: "Ich bin doch nicht zu blöde für eine Ausbildung." Was würde sie sich von den angeschriebenen Firmen wünschen? "Ehrlichkeit", sagt Laura Calí, "eine ehrliche Antwort, mit der ich was anfangen kann. Und keinen Hinweis darauf, dass nicht ausgebildet wird, wenn ich genau weiß, das stimmt gar nicht." Erfahrungen, die Freundinnen und Familienangehörige übrigens auch hätten machen müssen. Und wie geht es nun weiter? Hartz IV? "Unsinn", sagt Laura Calí. Sie hat sich für zwei Jahre in Rinteln in der Wirtschaftsschule angemeldet: "Am 21. August werde ich eingeschult."



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