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Zusammenhalt und Vereinsleben sprechen für das Dorf / Konstante Bevölkerungszahlen in Multhöpen

Eine bewusste Entscheidung für das Landleben

Multhöpen (sbr). Am Ende der Welt oder mitten im Leben – vor dieser Wahl stehen viele, die sich auf die Suche nach einer Wohnung, einem Haus oder einem Baugrundstück machen. Doch schließt das eine das andere aus? „Nein!“ – lautet die klare Antwort der Familie Riemenschneider aus Multhöpen. Vor zehn Jahren entschieden sich Wolfgang und Birga Riemenschneider mit ihren drei Kindern Jens (17), Lars (15) und Jule (8) ganz bewusst für das Leben auf dem Lande und bauten ein Eigenheim im Aerzener Ortsteil Multhöpen.

veröffentlicht am 07.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 23.10.2009 um 17:42 Uhr

Familie Riemenschneider

„Dieses Haus hätten wir uns im Kernort nicht leisten können“, erklärt das Ehepaar, aber viel mehr als der finanzielle Aspekt hat die fünfköpfige Familie der Zusammenhalt der kleinen und überschaubaren Dorfgemeinschaft gereizt. Hier wurden sie herzlich in die Dorfgemeinschaft aufgenommen und fühlten sich sofort heimisch, erzählt Birga Riemenschneider, die gebürtig aus Schleswig-Holstein stammt. Für ein paar Jahre kehrte die junge Familie dem Bergdorf allerdings den Rücken, um dann als Baugrundstückseigentümer zurückzukommen und den Traum vom eigenen Haus auf dem Lande wahr werden zu lassen. „Wir haben diese Entscheidung nie bereut. Die Kinder werden hier in der Gemeinschaft Gleichaltriger groß, und auch die öffentliche Nahverkehrsanbindung zur Schule in Aerzen beziehungsweise Groß Berkel – siebenmal an Werktagen zwischen 7 und 18.30 Uhr – klappt problemlos. Wir haben zwar eine nicht ganz so schnelle Internetverbindung, keinen Nahversorger und auch keinen Sportverein, aber eine ganz engagierte Feuerwehr, das Deutsche Rote Kreuz und einen Dorfgemeinschaftsverein, der uns ein Freizeitprogramm bietet, das man in größeren Orten und Städten meist vergeblich sucht“, ist die 38-Jährige vom Landleben überzeugt. Sie ignoriert aber auch die offenkundigen Nachteile nicht. „Man braucht ein zweites Auto, um den Familienbetrieb reibungslos managen zu können, und die pubertierenden Kinder murren schon mal, dass hier nichts los sei und es in größeren Orten viel besser wäre. Aber da geht es den Eltern in Aerzen sicher nicht anders, deren Kinder sich nach dem Hamelner Stadtleben sehnen“, schätzt die dreifache Mutter. Und diesen Eindruck teilen gerade in Multhöpen viele junge Familien. Der demografische Wandel, speziell die Überschreitung der Sterberate gegenüber der Geburtenrate, hat in Multhöpen noch nicht stattgefunden. Die Einwohnerzahl bewegt sich konstant um die Einhundertfünfziger-Marke, und auch immer mehr junge Neubürger mit Kindern – wie die Familie Riemenschneider – entscheiden sich gegen den allgemeinen Trend zur Urbanisierung für das Familienleben auf dem Lande, nicht zuletzt wegen der noch funktionierenden Dorfgemeinschaft und ihres überaus engagierten Vereins.

„Im Winter 1986 kamen bei einem Treffen einige Dorfbewohner auf die Idee, einen Dorfgemeinschaftsverein in Multhöpen zu gründen. Über ein halbes Jahr später, am 28. August 1987, wurde zur ersten Versammlung ins Dorfgemeinschaftshaus (DGH) eingeladen, und spontan traten 29 Mitglieder dem neu gegründeten Verein unter Vorsitz von Horst Dombrowski bei“, erinnert sich die heutige Vorsitzende Ursula Schnüll. Busfahrten, Theaterbesuche, Spieleabende, Silvesterpartys, Kegeln, Osterfeuer, Wanderungen, Frühschoppen, Vorträge, Lagerfeuer, Grill- und Hüttenabende, Laternenumzüge, Filmvorträge sowie Karnevalsveranstaltungen und Weihnachtsfeiern standen fortan auf dem Programm der Dorfgemeinschaft. Die Mitgliederzahl des Vereins steigerte sich rasch auf 58. Projekte wie die Gestaltung der Außenanlage des DGH, der Bau der Hütte mit ihren Holzbänken und Tischen auf dem neu gestalteten Gelände sowie das Aufstellen des Wahrzeichen von Multhöpen, die Bockwindmühle im Maßstab 1:25, wurden vom Dorfgemeinschaftsverein realisiert, zählt die Vorsitzende die Aktivitäten der vergangenen zwölf Jahre nicht ohne Stolz auf. „Und gerade dieser Zusammenhalt innerhalb der Ortschaft, das Sich-aufeinander-verlassen-können und das Füreinander-da-sein macht den Reiz unserer kleinen, aber feinen Ortschaften aus“, fasst Ortsbrandmeister Arno Neddermeyer seine Liebe zu Multhöpen zusammen und erntet dafür von seinen Mitbürgern Applaus.

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