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Vier Stunden Karneval in Apelern / Jubelrufe beim Showtanz / Blinddarm verhindert Auftritt

Einbecker preisen das Schaumburger Bier

Apelern (nah). Seit 44 Jahren sorgen fidele Menschen in Apelern für Fröhlichkeit. Die närrische Zahl hing blinkend in mehrfacher Ausfertigung unter der Hallendecke, und genau 144 Akteure gefielen mit einem mehr als vierstündigen Programm. Dass eine junge Frau fehlte, hatte etwas mit höherer Gewalt zu tun: Nur ein geplatzter Blinddarm kann den übers Jahr geplanten Auftritt im Scheinwerferlicht stoppen.

veröffentlicht am 29.01.2008 um 00:00 Uhr

Tanz mit Mülltonnen: "Oskars" gefielen mit bunten Perücken

Dass es nicht immer einfach ist, ein eigentlich fröhlich gestimmtes Publikum aus der Reserve zu locken, hat Tobias Möller bitter erfahren müssen. Das Multitalent, das seit Jahren brilliert und auch diesmal wieder in drei verschiedenen Rollen auf der Bühne steht, zieht in seiner Büttenrede alle Register. Aber als er "die fleißigen Arbeiter" aus einem osteuropäischen Land mit "einem deutschen Handwerksmeister" vergleicht und dem anwesenden Bürgermeister Ratschläge zum vorgesehenen Umbau der örtlichen Halle gibt, hält sich das Zucken der Lachmuskeln seiner Zuhörer eher in Grenzen. Nicht einmal eine "Rakete" lohnt den Einsatz. Doch als Möller mit fünf Kumpels graziös die Beine als Männerballett schwingt, gibt es im Saal kein Halten mehr. Es war nur einer von vielen Höhepunkten in der 22-teiligen Programmfolge. Vier junge Frauen im Dirndl mit akrobatischen Einlagen brachten Elferratspräsident Gerd Kölling gleich so in Wallung, dass er "nach 40-jähriger Pause doch wieder den Mädchen nachlaufen möchte" - und mit Orden in der Hand tatsächlich die Bühne verließ. Jubelrufe gab es beim urkomischen Showtanz rund um fünf Mülltonnen, aus denen "Oskars" mit wuscheligen Perücken in schreienden Farben auftauchten, und bei Büttenrednerin Elfi Müller, die einmal mehr sich das männliche Geschlecht vornahm. Und wie immer setzten die Akteure der Gruppe "Höhle" oder des "Jungen Balletts" Akzente vor dem Finale - diesmal mit Disco-Hit "Ein Stern" und einer Hans-Albers-Parodie beziehungsweise mit einer Tanzshow auf die achtziger Jahre. Und dann gab es noch ein bisschen Abschiedsstimmung, weil sich die seit acht Jahren immer wieder mit guten Ideen beteiligende Gruppe "Touchdown" auflösen wird. Ein bewährtes Quartett konnte es wiederum nicht lassen, lokale Ereignisse bissig aufzuspießen und über örtlichen Adel oder kommunale Größen zu lästern. "Da wünscht sich so mancher im Saal, er würde jetzt hier nicht sitzen", mutmaßte Elferratsmitglied Karl-Heinz Thum. Dass das auf Landesebene erfolgsgewohnte Rot-Weiß- Ballett nur mit neun bewegungsfreudigen Damen auftrat, fiel dem Publikum anfangs gar nicht auf. Daran trug der Blinddarm Schuld. Und auch die beiden Ersatztänzerinnen mussten zufällig das Bett hüten. Trotzdem meisterte die Sitzungs-Regie erfolgreich diese Klippe. Insidern aber blieb nicht verborgen, dass bei allem Frohsinn auch bei Karnevalisten mitunter der Haussegen etwas schief hängt. Schon die Dorfkritiker mit ihren "Aktuellen Themen" kommentierten eine kürzlich begonnene Beitragspflicht für die hiesigen Akteure. Später konnte sich Kölling selber eine Bemerkung nicht verkneifen, als er Gäste auf die Bühne bat. Denn weder die aus den Vorjahren bekannten singfreudigen Feuerwehrleute noch der örtliche Männerchor stimmten fröhliche Lieder an. Es waren die "singenden Flaschen" von den Karnevalisten in Einbeck mit überdimensionalen Kronkorken als Kopfbedeckung. Artig haben sie sogar auf Werbung für den Gerstensaft ihrer Heimatstadt verzichtet und das hiesige Bier gelobt. "Das müsste die Schaumburger Brauerei hören", strahlte Kölling, "die könnte ihre Unterstützung an uns glatt verdoppeln."

Fetzig und originell: der Auftritt des "Jungen Balletts".
  • Fetzig und originell: der Auftritt des "Jungen Balletts".

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