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Vor Gericht: Knast-Mafia nicht bewiesen

Ein zwielichtiger Zeuge - Freispruch für zwei "Knastis"

Bückeburg (ly). Im Zweifel für die Angeklagten: Mit Freisprüchen ist vor dem Landgericht ein Prozess gegen zwei frühere Insassen der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bückeburg zu Ende gegangen. Von Knast-Mafia kann in diesem Fall wohl keine Rede mehr sein. Trotz des Urteils bleiben beide Männer im Gefängnis, wo sie zurzeit Haftstrafen verbüßen. Zur Verhandlung vor der 1. Großen Strafkammer wurden sie in Handschellen vorgeführt.

veröffentlicht am 14.06.2007 um 00:00 Uhr

Vorgeworfen worden war den 32 und 37 Jahre alten Knackis räuberische Erpressung. Laut Anklage sollten sie im Mai 2004 einen Mithäftling unter Druck gesetzt haben, um dem Opfer Kaffee und Tabak wegzunehmen. An dieser Version hatte die Kammer nach der Vernehmung von fünf Zeugen jedoch "durchgreifende Zweifel", wie es hieß, und auch Staatsanwalt Frank Hirt plädierte auf Freispruch. Dass unter Gefangenen eigene Regeln gelten, nimmt das Gericht an. Aber darum ging es nicht. Im Prozess hatte der Belastungszeuge, das mutmaßliche Opfer, die zunächst aufgebauschte Geschichte wieder heruntergespielt. An einigen Stellen sagte der zwischenzeitlich entlassene Mann die Unwahrheit, an anderen erkannte die Kammer Widersprüche. Ehemalige Mithäftlinge und Vollzugsbeamte hatten den Zeugen als jemanden beschrieben, der es mit der Wahrheit nicht so genau nehme. Warum er zumindest stellenweise gelogen hat, blieb unklar. Mögliches Motiv: Vielleicht wollte der Bewohner der Einzelzelle sich anfangs einen Vorteil verschaffen. Er spekulierte nämlich auf eine Verlegung in die neue JVA Sehnde, wo er in der Küche Aufstiegschancen witterte. Merkwürdig erscheint auch, dass der Zeuge keine Anzeige erstattet hatte. Aufgekommen waren die Vorwürfe vielmehr, nachdem Ermittlungen der Staatsanwaltschaft im Knast gelaufen waren, jedoch in anderer Sache. Chorknaben sind die zwei Russlanddeutschen indes nicht. Beide haben eine ganze Reihe von Vorstrafen, wobei derältere Mann unter anderem wegen Vergewaltigung sitzt. Er hatte einen Mithäftling zum Oralverkehr gezwungen, um seine Macht zu demonstrieren (wir berichteten). Im Plädoyer unterstellte Verteidiger Andreas Bäsecke der Kammer Voreingenommenheit und Missachtung von Verteidigerrechten. Die spätere Entscheidung zugunsten seines Mandanten konnte der Anwalt da noch nicht kennen. "Aufgabe von Berufsrichtern ist es, sich nicht von Vorurteilen leiten zu lassen", erwiderte die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus in der Urteilsbegründung. "Und diese Aufgabe nehme ich sehr ernst." Für jeden Angeklagten, so Brüninghaus, gelte die Unschuldsvermutung.



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