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Münch bei den "Internationalen Konzerten"

"Ein Vulkan, der Lava ins Publikum spuckt"

Obernkirchen (cok). Ein deutscher Pianist und Komponist war diesmal Gast in der Reihe "Internationale Konzerte" im Stift Obernkirchen: Martin Münch (46), der ein virtuos gestaltetes, ungewöhnliches Programm bot und auch eine eigene, ausschweifende Komposition spielte.

veröffentlicht am 04.09.2007 um 00:00 Uhr

Der Pianist und Komponist Martin Münch war am Sonntag bei den "I

Claude Debussy und der exzentrische russische Komponist Alexander Skrjabin waren die Hauptpersonen dieses Programms, dazu ein Mozart, wie ihn die wenigstens wohl je so gehört haben dürften. Martin Münch ging es um die Komponisten der Jahrhundertwende - und unversehens schien es so, als habe auch Mozart seine Klaviermusik so um 1915 herum komponiert. Der Künstler, seit 1994 Dozent für Klavier an der Universität Bamberg und künstlerischer Leiter mehrerer internationaler Klavierzyklen, ist ein Virtuose. Lächelnd setzte er sich, ohne Noten, an den Flügel, eine Sekunde Konzentration, und dann brach die Musik der Spätromantiker hervor, schnell, dramatisch, sehr laut und - überraschend kühl. Debussys "Clair de lune" aus der "Suite bergamasque", mit extremen Stimmungswechseln, noch mehr aber Skrjabins Werke, sie erschienen wie genialische Studien über Gefühlszustände. Dieser Eindruck ist kein Zufall. Martin Münch beschrieb Skrjabin als ein "Genie", revolutionär, verstiegen, mystisch inspiriert, zunächst von Chopin beeinflusst, dann aber sich hin zu einem Solipsismus entwickelnd, in dem nur das eine Realität hat, was im eigenen Ich vorgeht. "Die Berge sind versteinerte Zuckungen meiner Seele", so zitierte Münch eine Aussage des Russen über die Landschaft der Schweiz. Auch seine späte Musik hat, zumindest in der Interpretation von Münch, etwas von so einer egozentrischen Versteinerung an sich. So war auch Münchs Mozartinterpretation so etwas wie eine Variation auf Skrjabin. "Ich spiele ihn in einer Aufführungstradition des 19. Jahrhunderts, die verloren gegangen ist", erklärte der Pianist. In Rhythmus und Tonfolgen wie gegen den Strich gespielt und sich damit der Melodie verweigernd, klangen die "fantasie d-moll" KV 397 und zwei andere wohlbekannte Mozart-Stückchen wie - und so war es auch intendiert - Kompositionen eines Zwölfton-Musikers. Münchs eigene Komposition "Katharsis XXII" war eher eine Improvisation, für deren Inszenierung er die Fenster verdunkeln ließ, um dann aus dem Stehgreif eine ausschweifende, sehr persönliche, in ihrer Tongewaltigkeit geradezu gewalttätige Musik zu präsentieren. "Ja, ich bin dann wie ein Vulkan, der Lava ins Publikum ausspuckt", sagte er. Selten wohl hat ein Stift-Konzertabend im Anschluss zu so vielen Kontroversen unter den Zuhörern geführt.



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