weather-image
23°
×

Die „Fröhlichen Pumpen“ treffen sich seit 50 Jahre nicht nur zum gemeinsames Kegeln

Ein unternehmungslustiges Team

BODENWERDER. Die Kegelbahn im Deutschen Haus war noch ganz neu, als einige junge Damen dort ihr Glück versuchen wollten.

veröffentlicht am 07.03.2017 um 12:40 Uhr

Beißner

Autor

Reporterin

Die Idee, den Kegelverein „Fröhliche Pumpen“ zu gründen, war im Oktober 1966 auf einer Geburtstagsfeier entstanden und umgesetzt worden. Und ihrem Namen machten die neuen Kegelschwestern zunächst große Ehre, denn sie hatten keine Ahnung vom Kegeln und so landete die Kugel oft in der Rinne und ging als Pumpe in die Aufzeichnungen ein.

Schon mehr als 50 Jahre frönen die Damen dem Kegelsport, wenn auch nicht immer in gleicher Besetzung. Private und berufliche Verpflichtungen zwangen auch mal zum Pausieren oder gar zum Aufhören, andere sprangen in die Bresche, wodurch die Achterrunde stets erhalten blieb. Die vierzehntägigen Kegeltreffen sind allen sehr wichtig.

Jetzt im Alter von mehr als 70 Jahren stehen nicht mehr der Ehrgeiz und die körperliche Betätigung im Vordergrund, sondern der Spaß und die Geselligkeit beim Klönen. „Wir vertragen uns gut, können über alles miteinander reden und helfen uns“, erzählt Uta Arneke. Geselligkeit, das ist es, was alle besonders mögen. Und so wird an Geburtstagen und zu familiären Anlässen zum Kaffeeklatsch oder zum Mitfeiern eingeladen. „Und zu den Jubiläen alle zehn Jahre laden wir auch mal unsere Männer ein“, berichtet Dorle Nehrig schmunzelnd. Die Männer kommen aber auch schon einmal zum Einsatz, wenn die Keglerinnen auf Radtour sind und ein Picknick veranstalten wollen. Dann dürfen sie per Auto die Zutaten liefern.

V. li.: Lilo Knopf, Gisela Ahlswede, Ulla Boldt, Uta Arneke, Dorle Nehrig, Ingrid Sievers. FOTOs: KB

Doch auch wenn sich die Kegelschwestern nur zum gemütlichen Beisammensein treffen, wird in die Kegelkasse eingezahlt, denn das gemeinsame Reisen ist zu einem weiteren Hobby der acht Damen geworden. An einem Kegelabend schickten vier junge Männer, die im Deutschen Haus übernachteten, einen von ihnen mit einer Runde Jägermeister und einem flotten Spruch auf die Bahn. Sie wollten sich „einkaufen“, um mitkegeln zu können. Man hatte viel Spaß zusammen und die Einladung nach Neustadt in Holstein kam prompt. 1971 starteten die unternehmungslustigen Damen auf dem Bahnhof Kemnade und wurden mit einem Fischbuffet auf der Kegelbahn in Neustadt begrüßt. Viele Jahre blieb der Kontakt zu den Kegelbrüdern bestehen. „Die waren jünger, aber nett“, meint Gisela Ahlswede „und einzelne Kontakte sind bis heute geblieben.“ Durch die erfolgreiche erste Reise wurde die Gemeinschaft der „Fröhlichen Pumpen“ weiter gestärkt und es wurde beschlossen, alle ein bis zwei Jahre auf Tour zu gehen.

Berlin, Paris, London, Prag und Wien waren nur einige Ziele, die bereist wurden. Mit dabei war auch immer ein Kulturprogramm mit Musical, Theater, Museum und in Wien mit dem Besuch der Spanischen Hofreitschule. 14 Tage später brannte sie ab. Ähnliches passierte beim Besuch von Windsor Castle, auch dort brach kurze Zeit später ein Großbrand aus. Eine weitere Reise führte die Gruppe nach Luzern, wo sie die Kapell-Brücke bewunderten, sie wurde ebenfalls ein Raub der Flammen. „Das ist schon komisch, dass gleich dreimal nach unserer Reise solch ein Brand ausbrach“, wundert sich Ingrid Sievers, „aber wir hatten das Glück, alles noch im Originalzustand zu sehen.“

Eine neue Runde Apfelkorn findet den Weg zu der Gruppe. „Apfelkorn hat Tradition“, berichtet Ulla Boldt, „wenn beim Kegeln oder in unserm privaten Umfeld besondere Ereignisse sind, muss eine Runde ausgegeben werden.“ Besondere Ereignisse gab es für die „Fröhlichen Pumpen“ in 50 Jahren viele, auch schmerzliche wie den Verlust zweier Kegelschwestern der ersten Stunde.

Weniger gravierend waren da die Blessuren auf der Kegelbahn. „Ich habe die Kugel mit Schwung ganz unglücklich ans Bein bekommen, die Stelle hat sich verhärtet und musste herausgeschnitten werden“, erinnert sich Lilo Knopf. Und Ingrid Sievers hat sich den Zeigefinger gesplittert, als die Kugel zu schnell in die Ablage zurückgerollt kam. Als Andenken ist er krumm geblieben. Sehr zufrieden beenden die Damen mit einer letzten Runde Apfelkorn den „Kegelabend“, der heute ohne Olli Seebörger und ohne Renate Voigt stattfinden musste.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2021
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige