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Adolfiner bringen Kohout auf die Bühne

Ein Traum muss ein Traum bleiben

Bückeburg. Wie nahe in der Figur des Clowns das Lachen und die Tränen beieinander liegen, das wusste nicht nur der große, 1983 verstorbene, Charlie Rivel. Auch Pavel Kohouts Clowniade "August August August" vereint diese beiden Emotionen, während sie zugleich zwei grundverschiedene Welt- und Lebensanschauungen aufeinander prallen lässt. Auf bemerkenswerte Weise haben sich die Schüler des Gymnasiums Adolfinums dieses anspruchsvollen Stückes des tschechischen Dramatikers angenommen. Unter Leitung von Johannes Seiler brachte die Theater AG der Sekundarstufe I das Werk jetzt zweimal auf die Bühne.

veröffentlicht am 27.09.2006 um 00:00 Uhr

Autor:

Johannes Pietsch

Pavel Kohouts "August August August", geschrieben 1967 zur Zeit des Prager Frühlings, enthält zwar viel Wortkomik, ist aber eher eine Tragikomödie über den ewigen Streit zwischen der Phantasie der Besitzlosen und der Macht der Besitzenden. Der Clown August (Margeaux de Poortere) will unbedingt einmal die acht Lippizanerhengste seines Zirkus' in der Arena vorführen. "Ein Traum soll ein Traum bleiben, sonst bringst du ihn um", warnt ihn Zirkusdirektor Holzknecht (Louisa Schwarze), doch August lässt allen Einschüchterungsversuchen und Anfeindungen zum Trotz nichts unversucht, um sich seinen Wunsch zu erfüllen. Psychologisch verkörpern August und seine Clowns-Familie das Prinzip des Hysterischen: Voller überschäumender, kindlicher Phantasie und eulenspiegelhafter Unlogik wird stets versucht, die harte Realität nicht anzunehmen und die Hackordnung der bestehenden Machtverhältnisse zu überspielen. Ihnen gegenüber stehen mit dem herrischen Zirkusdirektor und seiner überheblichen Familie die Vertreter des Establishments, aus psychologischer Sicht das Prinzip des Zwanghaften, des Rationalen und der Bewahrung von Besitzständen. Der servile Stallmeister (Kevin Kohlmeyer) ist der typische, linientreue Mitläufer: Ein Radfahrertyp mit dem Hang zum Sadismus, der nach oben buckelt und nach unten tritt. Mit scheinbar unlösbaren Aufgaben versuchen sie, August vom Erreichen seines Ziels abzubringen. Doch obwohl der Clown alle mit der Kraft seiner Phantasie löst, lässt sich die herrschende Klasse die Butter nicht vom Brot nehmen - die Geschichte nimmt wie der Prager Frühling eine tragische Wendung. Bravourös haben sich die Achtklässler der Theater-AG der nicht einfachen Aufgabe gestellt, diese eindeutig historisch kolorierte Allegorie zu inszenieren. Unterstützt wurden sie dabei von der Bigband unter Leitung von Brigitte Pothast und einigen Schülern der Klassen vier bis sechs als Zirkus-Artisten.

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