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Freiwillige Feuerwehr Aerzen feiert 125-jähriges Bestehen / Keine Mode, sondern Verantwortung für die Mitmenschen

Ein Sprungretter sollte zum Jubiläum schon drin sein

Aerzen (sbr). Nach einer beeindruckenden Feuerlöschübung der Leipziger Turnerfeuerwehr anlässlich des deutschen Turnertages im Jahr 1863 wurden in den darauf- folgenden Jahrzehnten viele Feuerwehren gegründet. Freiwillige Feuerwehren kamen in Mode. Sicher trug auch das Versprechen des damaligen Aerzener Bürgermeisters Winter, Ausrüstung und Uniformen zu beschaffen, dazu bei, dass sich 1885 in Aerzen 42 Männer bereiterklärten, die Freiwillige Feuerwehr Aerzen zu gründen.

veröffentlicht am 09.06.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 17:41 Uhr

Nach 125 Jahren kann man nicht mehr von einer Modeerscheinung sprechen, doch was macht für die Kameraden und Kameradinnen der Aerzener Wehr noch heute die Faszination Feuerwehr aus?

Ortsbrandmeister Heinz Brand bediente sich bewegender Worte eines unbekannten Verfassers, um eine Antwort auf diese Frage zu finden: „Wisst Ihr, wie es ist, nach einem Unfall einen kleinen Jungen im Arm zu haben, der nach seiner toten Mutter fragt? Könnt Ihr den unvergleichlichen Geruch von brennenden Isolierungen riechen und den Ruß auf der Zunge schmecken? Spürt Ihr, wie das Atmen unter der Maske immer schwerer fällt, und wie beim Kriechen Handflächen und Knie schmerzen, wie der Fußboden unter dem Gewicht nachgibt, weil die Küche darunter brennt? Könnt Ihr Euch vorstellen, wie es ist, einen Geschäftsmann weinen zu sehen, weil sein Lebenswerk in Flammen aufgegangen ist? Oder wie es ist, einer Familie entgegenzu gehen, die gerade nach Hause kommt und kein Zuhause mehr hat? Könnt Ihr fühlen, wie es ist, nach einem Einsatz nicht die Kraft zu haben, der Familie zu sagen, dass man beinahe nie mehr nach Hause gekommen wäre? Oder wisst Ihr, wie es ist, zur rechten Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein und Leben gerettet zu haben? Wisst Ihr, wie es ist, mit der Mannschaft unterwegs zum Einsatz zu sein und dieses tiefe Gefühl der Kameradschaft zu spüren? So- lange Ihr das nicht erlebt hat, solange werdet Ihr nicht verstehen können, was es heißt, bei der Feuerwehr zu sein.“

Bürgermeister Bernhard Wagner sprach der Jubiläumswehr seinen Dank für das unverzichtbare ehrenamtliche Engagement zum Wohle der Bürger aus und versicherte, das Projekt „Anschaffung eines Sprungretters“ auf den Weg zu bringen. „Wir können kein Wunschkonzert spielen, sind aber auch kein Sparverein“, bekannte sich Landrat Rüdiger Butte trotz Sparmaßnahmen zu seiner Verantwortung gegenüber den Brandschützern.

Ehre für den Aerzener Ortsbrandmeister: Heinz Brand (li.) wird von Gemeindebrandmeister Eckhard Bode für 25 Jahre aktiven Dienst ausgezeichnet. Im Hintergrund: Der für 50 Jahre Feuerwehrdienst Geehrte Heinz Fischer und Bürgermeister Bernhard Wagner. Fotos: sbr

Kreisbrandmeister Frank Wöbbecke gab in seinem Grußwort zu bedenken, dass die Feuerwehr in ihrer langen Tradition schon viel mehr überlebt hat als die momentan vorherrschende Zeit knapper Kassen. Auch Gemeindebrandmeister Eckhard Bode schloss sich den Glückwünschen an und bescheinigte der Wehr ebenso wie die viele begeisterten Gäste, nach fast 20 Jahren endlich wieder einmal ein richtig schönes Zeltfest in Aerzen auf die Beine gestellt zu haben.

Das Kompliment möchte die Feuerwehr auch an die vielen Aerzener zurückgeben, die als Zuschauer am Rand des Festumzuges durch bunt geschmückte Straßen und noch zahlreicher als Gäste beim dreitägigen Fest zum Gelingen beigetragen haben, so Ortsbrandmeister Heinz Brand.

Im Rahmen der Jubiläumsfeier wurden Heinz Fischer für 50 Jahre Mitgliedschaft in der Feuerwehr sowie Ortsbrandmeister Heinz Brand für 25 Jahre aktiven Dienst geehrt. Heinz Hormann bekam den Dienstrang Oberlöschmeister verliehen.

Und was vor fast 150 Jahren in Leipzig begann, findet in diesem Jahr dort seine Fortsetzung: Vom 7. bis 12. Juni präsentiert die Messe Interschutz 2010 in den fünf Hallen und auf dem Freigelände des Leipziger Messegeländes das komplette Weltmarktangebot für die Bereiche Rettung, Brand- und Katastrophenschutz sowie Sicherheit.



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