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Diesmal führt der Weg zum Hallermundskopf und zum Wilhelmsblick im Saupark

Ein sonniger Sonntagsausflug im Kleinen und im Großen Deister

Etwas verwundert mag sich mancher Wanderer beim Blick auf die Karte fragen, weshalb wohl jener Teil des südlich von Springe beginnenden und sich nach Südosten erstreckenden, ausgedehnten Gebirgsmassivs „Kleiner Deister“ heißt. Denn eine geografische Einheit ist viel eher zum Nesselberg im Süden oder zum Osterberg im Osten zu erkennen als zu dem nördlich gelegenen (Großen) Deister jenseits des Hallertals. Die Geologen liefern dafür eine Erklärung, indem sie in den Bergzügen nördlich und südlich des Flüsschens Haller die Flanken eines ehemals gewaltigen Gebirges sehen, das während der Kreidezeit vor 65 Millionen Jahren im Zuge der Saxonischen Faltung entstand. Nur die Seitenflügel dieses Gebirges blieben stehen, während im Gebirgssattel die Spannung der gewölbten Gesteinsschichten so groß war, dass er im Bereich der höchsten Erhebung einbrach. So wurde der einstige Kamm zum Tal.

veröffentlicht am 03.04.2009 um 23:00 Uhr

Die Aussicht vom Wilhelmsblick ist wahrhaft kaiserlich. Fotos: i

Autor:

Ingeborg Müller

Viele Höhlen und Spalten im Dolomitgestein

Als Zeugen dieses Abbruchs gelten unter anderem die Dei-

sterklippen am Kamm des Burgbergs, einem Abschnitt des Kleinen Deisters. Wie alle Klippen im Weser- und Leinebergland bestehen sie aus Dolomitgestein. Sie enthalten gerade hier viele Höhlen und Spalten. Unsere Rundwanderung wird uns zu ihnen führen. Doch zuvor werden wir den Hallermundskopf erwandern, jene dem eigentlichen Kamm vorgelagerte Bergkuppe, auf der einst die Stammburg der Grafen von Hallermund stand.

Mit einem Teil des Nesselbergs gehört der Kleine Deister zum Saupark, dem von einer 16 Kilometer langen Bruchsteinmauer umgebenen Jagdrevier von Königen und Kaisern, Diplomaten und sonstigen Privilegierten. Viele Tore führen hinein in das wildreiche Gelände mit seinem wunderschönen alten Baumbestand – darunter Alleen prächtiger Kastanien – und einer die Besucher beglückenden Frühlingsflora.

3 Bilder
König Ernst August von Hannover ließ das Jagdschloss Springe im klassizistischen Stil erbauen.

Wir starten zu unserer Rundwanderung auf dem großen Parkplatz beim Jagdschloss Springe, das um 1840 für den hannoverschen König Ernst August nach den Plänen von Oberhofdirektor Laves im klassizistischen Stil erbaut wurde. Es befindet sich an der Fahrstraße von Springe nach Eldagsen.

Vom Parkplatz aus gelangen wir durch ein Tor in der zwei Meter hohen und 60 Zentimeter dicken Mauer in den Saupark und wandern geradeaus bis zu einer Kreuzung mit Sitzgruppe. Hier halten wir uns links, überqueren ein Bächlein und steigen beständig leicht an. Bei einer hoch gelegenen Sitzgruppe auf der rechten Seite unseres Wanderweges stoßen wir auf einen anderen breiten Forstweg. Ehe wir ihm nach rechts bergan folgen, sollten wir in Höhe der Einmündung einen Blick auf den jenseits gelegenen Teich werfen, aus dem einst die Bewohner der Burg Hallermund durch Lastesel mit Wasser versorgt wurden.

Dann wandern wir an der Südseite des Bergkegels entlang, bis – wiederum bei einer Sitzgruppe – ein schmaler Pfad nach rechts auf den Hallermundskopf führt. Seit dem 12. Jahrhundert bildete die Burg Hallermund den Mittelpunkt der gleichnamigen Grafschaft. Wir gehen in unserer bisherigen Richtung weiter, dem Wegweiser zum 900 Meter entfernten „Durchbruch“ folgend. Dabei steigen wir am Burgberg geruhsam an, da wir den Steilabhang schräg nach Westen hin anschneiden. Zunächst sehen wir die Klippen über uns, bis wir nach einer nach links verlaufenden Haarnadelkurve direkt vor ihnen stehen. Informative und lesenswerte Tafeln belehren uns über die Entstehung der Höhlen, die seltene Fledermausarten beherbergen. Auch über deren Schutz wird der Wanderer aufgeklärt.

Unser Weg führt zwischen den Klippen hindurch und vorbei an einer Schutzhütte zu einer Kreuzung, bei der wir nach links auf den Kammweg abbiegen. Oberhalb der Klippen wandern wir jetzt nach Südosten bis zu dem mit Aussichtsbänken ausgestatteten sogenannten Wilhelmsblick. Diese großartige Aussichtsstelle hinüber zum Großen Deister und weiter bis in die Norddeutsche Tiefebene ist vermutlich nach Kaiser Wilhelm II. benannt, der ein passionierter Jäger und großer Förderer des Sauparks war. Vielleicht hat auch er öfter hier innegehalten wie wir jetzt. Der Beachtung wert sind übrigens auch die ganz unterschiedlichen Baumarten, die am Steilabhang wachsen.

Nachdem wir uns ausgeruht und sattgesehen haben, geht es auf dem Kammweg weiter. Bei der Kreuzung folgen wir nicht den Hinweisen nach rechts und links, sondern wandern weiter in unserer Richtung. Nach einer Lichtung auf der linken Seite biegt nach rechts ein Weg zu einer großen Waldwiese ab, die Familien Gelegenheit zu Ball- und anderen Spielen bietet. Rechts von uns liegen die 346 Meter hohen Wolfsköpfe, und wir haben hier den höchsten Punkt unserer Wanderung erreicht. Wenig später stoßen wir auf den mit einem Dreieck markierten Kansteigweg, dem wir nach rechts folgen, vorbei an der in 340 Meter Höhe gelegenen Wolfskopfhütte mit Sitzgruppe.

In einem großen Linksbogen geht es dann bergab. Bei der Kreuzung bei einer schönen Eibengruppe entscheiden wir uns für den linken Weg, der zum Jagdschloss ausgeschildert ist. Ganz geruhsam umrunden wir nach links den 321 Meter hohen Drakenberg, der steil über uns aufsteigt, auf einem ebenen, abwechslungsreichen Wanderweg.

Der Wildpark ist 90 Hektar groß

Bei der nächsten Kreuzung folgen wir dem mittleren Weg zum Jagdschloss, der jetzt auf der rechten Seite von Kastanien begleitet wird. Bei einer erneuten Schutzhütte geht nach rechts ein Weg zum Wisentgehege ab, jenem heute 90 Hektar großen Wildpark, der auch zum Saupark gehört. Über 100 verschiedene Tierarten Europas leben hier in großen Freigehegen. Dieses bei Besuchern aus nah und fern beliebte Refugium wurde 1928 eingerichtet, um die Wisente zu schützen. In dem ganzjährig geöffneten Wildpark befindet sich ein Restaurant.

Der Rückweg von dort zum Jagdschloss führt durch den Wald des Hallerbruchs mit seinem schönen alten Baumbestand. Wer auf diesen Umweg verzichtet oder den Besuch der Anlage für einen weiteren Ausflug plant, wandert bei jener Schutzhütte geradeaus weiter. Wir überqueren zwei Bäche und kommen zu einem Querweg, der nach links zum Jagdschloss beschildert ist und uns noch einmal hinauf in Richtung Hallermundskopf führen würde. Deshalb entscheiden wir uns für die rechte Variante und gehen bergab zu einem weiteren Parkplatz mit Bushaltestelle an der Fahrstraße von Springe nach Eldagsen. Entlang der Straße gehen wir schließlich noch einen halben Kilometer nach links zu unserem Ausgangspunkt.



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