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Volvo V90 Cross Country Ocean Race

Ein Schiff wird kommen

veröffentlicht am 30.06.2018 um 00:00 Uhr

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Autor:

Jens F. Meyer
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Weserbergland. „Einmal um die ganze Welt und die Taschen voller Geld.“ Wenn es so einfach wäre... Mal angenommen, der 1970er Schlagerhappen von Karel Gott träfe zu, könnte man die Kohle auch für einen Volvo V90 Cross Country Ocean Race ausgeben, der als T5 AWD mit 253 PS schon mal locker auf 70 000 Piepen kommt. Weil Bescheidenheit keine Zier ist, wähle man Zusatzoptionen wie Xenium-Paket, Infotainment-System Sensus Connect, Polestar-Leistungsoptimierung und weitere Accessoires, und zack, kostet das automobile Plaisirchen 90 000 Euro! Das Geld für die Weltreise wäre gut angelegt. Besser als jeder Dampfer. Kann losgehen.

Beim Ocean Race handelt es sich um eine alle drei Jahre stattfindende Segelregatta, die nach Gotts Credo einmal über unseren von Plastikmüll, Industrie- und Autoabgasen angelumpten Planeten führt, die härteste Regatta der Welt. 45 000 Kilometer über die Weltmeere. Volvo, der schwedische Autoriese, der seit 2010 ein Chinese ist (Volvo Cars war von der Zhejiang Geely Holding Group Co. Ltd. übernommen worden), was Volvofahrer irgendwie nicht gerne hören, woran aber auch die in den Kontrastnähten des gemütlichen Gestühls eingebettete Schwedenflagge nichts ändern kann, ist Hauptsponsor. Pünktlich zur Zieleinfahrt in Den Haag an diesem Wochenende hat der Hersteller schon vor einigen Monaten das V90-„Ocean Race“-Sondermodell auf die Reise geschickt, das Abenteuer im Sinn, den Umsatz sowieso. Allradantrieb soll echte Geländetauglichkeit bringen, aber fährt irgendjemand allen Ernstes mit diesem Edelschlitten aufs Kufladenbingofeld und in den Wald juchhee? Andererseits: Wer hat schon Schiffsplankendesign dank Teak-Optik im Kofferraum…

Da eben liegt der Hase im Pfeffer: Nicht das Abenteuer wird Interessenten auf die Fährte locken, sondern die gediegene Atmosphäre, gepaart mit sportlichem Schliff. Mit dem V90 ist ein Schiff gekommen, ein Straßenkreuzer von fast fünf Metern Länge und einer guten Performance, der den Brückenschlag zwischen Luxuslümmel und Familienkombi hervorragend hinbekommt. Die Metallic-Lackierung Crystal White Pearl sorgt für einen strahlenden Auftritt, so strahlend, als wenn der weiße Hai zwischen all den Ocean Racern dort draußen im Wind die Beißerchen bleckt.

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Wasserdichte Taschenlampe, wasserfeste Tasche, ein über den Erste-Hilfe-Kasten gespanntes Netz und Ösen im Gepäckabteil, die aussehen, als wollten gleich die Segel gesetzt werden, machen diesen hochbeinigen V90 zum Boliden mit filigranen Kleinteillösungen, die genauso hervorstechen wie der ganze Luxus rundherum. Ein fast vollkommenes Fahrerlebnis, kaum zu verbessern, in der Tat, obwohl manchem Autonarr die Vier-Zylinder-Politik von Volvo ein wenig schmalbrüstig vorkommt.

Ob Ocean Racer nach Lenkradheizung und Ambientebeleuchtung schmachten, steht in den Sternen, aber die Maximalsegler starren ja heute auch nicht mehr zu den Gestirnen, wenn sie die Meere durchkreuzen. Ist alles viel moderner geworden, also her mit dem Zeugs. Das kostet. Geld sowieso, ist klar, aber vor allem Energie. Das ewig leidige Thema des Verbrauchs darf also nicht ignoriert werden. Im Schnitt gibt der Hersteller 7,3 Liter pro 100 Kilometer an. Das kann nur funktionieren, wenn ein „Ocean Race“-Segel oben aufmontiert wird und ein Sturm übers Land fegt. Realistisch betrachtet wird es schwierig sein, dieses Schiff trotz Bremsenergierückgewinnung unter neun Liter gleiten zu lassen. Bei all der Technik – Navi, Klimaautomatik, Sicherheitsfeatures, Parkkamera, elektrische Sitzverstellung etc. – und dem Leergewicht von fast zwei Tonnen plus der Tatsache, dass es sich hier um einen vollwertigen Allradantrieb handelt, fast noch ein akzeptabler Wert.

Der Cross Country Ocean Race ist eine Attraktion innerhalb der eleganten V90-Familie. Dem markigen Design deutscher Hersteller setzt dieses Modell mit Kühlergrill in Wasserfalloptik und der bis zum Heck klar geschnittenen Linie ruhige Eleganz entgegen. Fahrwerk und Raumverhältnisse sind über jeden Zweifel erhaben; selbst im Stadtverkehr lässt sich das Monstrum einfach navigieren.

Allein der Preis bleibt heiß: Das Sondermodell ist rund 25 000 Euro teurer als die V90-Basis, und die ist eigentlich schon gut genug.



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