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Ein Rückblick - Wunschpunsch 2008

Die Müllers (Name von der Redaktion geändert) sind eine große, glückliche Familie mit sechs Kindern. Als Mutter Anke nochmal schwanger wird und sich Zwillinge ankündigen, freuen sich alle auf den Familienzuwachs. Dann der Schicksalsschlag: Einer der Zwillinge hat eine lebensbedrohliche Behinderung. Höchstens zwei Tage geben die Ärzte dem Kleinen und empfehlen, das Kind im Krankenhaus zu lassen. Die Mutter nimmt beide Babys trotzdem mit nach Hause. Sie sollen bei der Familie sein. Sechs Tage lebt der Kleine noch. Als er stirbt, bricht für die Mutter eine Welt zusammen.

veröffentlicht am 18.09.2009 um 09:33 Uhr
aktualisiert am 08.10.2009 um 10:31 Uhr

Die Müllers (Name von der Redaktion geändert) sind eine große, glückliche Familie. Von den sechs Kindern geht der Älteste schon seinen eigenen Weg, die anderen fünf im Alter von zwei, fünf, zehn, zwölf und vierzehn Jahren leben bei den Eltern. Auf dem Land. Als Mutter Anke schwanger wird und sich Zwillinge ankündigen, freuen sich alle auf den Familienzuwachs. Dann der Schicksalsschlag: Einer der Zwillinge hat eine lebensbedrohliche Behinderung. Höchstens zwei Tage geben die Ärzte dem Kleinen und empfehlen, das Kind im Krankenhaus zu lassen. Die Mutter nimmt beide Babys trotzdem mit nach Hause. Sie sollen bei der Familie sein. Sechs Tage lebt der Kleine noch. Als er stirbt, bricht für die Mutter eine Welt zusammen. Die psychische Belastung wird zu viel für die ganze Familie. Anke Müller sucht Hilfe beim Sozialdienst Katholischer Frauen (SkF) in Hameln.
„Dank der 1000 Euro aus der Wunschpunsch-Aktion von Dewezet und Radio Aktiv konnten wir helfen“, sagt Dr. Anna Schmitz-Lück. Zwar unterstützt der Sozialdienst Katholischer Frauen junge Mütter, die mit ihrer Lebenssituation überfordert sind, in Beratungsgesprächen – sie jedoch zusätzlich mithilfe von Tagesmüttern zu entlasten, scheitert oft an den Kosten. Als sich der SkF im vergangenen Jahr bei der Wunschpunsch-Aktion bewarb, hoffte die karitative Einrichtung auf eine Finanzspritze, um in Einzelfällen gezielt helfen zu können. Familie Müller war so ein Fall. Dr. Schmitz-Lück: „Wir haben eine Tagesmutter mit Erfahrung im Hospizbereich gefunden, die jetzt zwei Mal pro Woche der Familie zur Hand geht.“ Alles läuft gut: Die Tagesmutter versteht sich auf Anhieb mit den Kindern, verschafft so der Mutter Freiraum, zum Friedhof zu gehen, ihre Trauer in kleinen Schritten zu bewältigen und allmählich in den Alltag zurückzufinden. „Es gibt zwar noch Durchhänger“, sagt Dr. Schmitz-Lück, „aber die Riesenkrise ist überwunden.“

Erfolg auch bei den anderen Projekten des Vorjahres.

Der Kochkurs der „Haltestelle Afferde“, den sich der Hamelner Verein „Spätaussiedler und deutsche Rückwanderer“ für Frauen unterschiedlicher Nationalitäten gewünscht hatte, damit diese sich beim Kochen besser kennenlernen, Vorurteile abbauen und Sitten und Gebräuche der anderen verstehen, stieß auf begeisterte Resonanz. „Erst waren es zwölf, jetzt sind es schon zwanzig“, sagt Tatjana Bartschke. Einmal im Monat treffen sich die Frauen aus Polen, Syrien, Bosnien, Tadschikistan, Sri Lanka, Ukraine, Georgien, Russland und der Türkei: Sie kochen, essen und lachen zusammen, tauschen Fotos aus, erzählen von Bräuchen aus ihrer Heimat. „Die Verständigung ist auf Deutsch“, erzählt Tatjana Bartschke. Von den 1000 Wunschpunsch-Euro werden nicht nur die Zutaten bezahlt, die Frauen wollen auch ein Kochbuch mit ihren schönsten Rezepten und Geschichten finanzieren. Und sie fiebern schon den nächsten Projekten entgegen: Ein gemeinsamer Chor und ein Deutschkurs stehen ganz oben auf ihrer Wunschliste.

In den Startlöchern zur Verwirklichung ihrer Träume steht der Verein zur Förderung des Kindergartens Coppenbrügge: Er will von dem Geld ein Zimmer in einem ehemaligen Stall zum hellen, freundlichen Werkraum für die Kinder gestalten. Wände und Boden müssen gedämmt und Strom verlegt werden. „Nächste Woche geht’s los“, verspricht Marion Weber.

Die Pläne für die Umgestaltung des Innenhofes, von dem der Kinderschutzbund in Bad Pyrmont träumt, liegen schon vor. In Angriff genommen werden sie aber erst im nächsten Jahr. „Die 1000 Euro sind mit Verzinsung im Topf“ sagt Schatzmeisterin Claudia Briese. Sie würden aber allenfalls für eine Teilüberdachung reichen. Mehr Geld ist nötig und zum Teil auch schon in Aussicht, um den Umbau perfekt zu machen – mit Spielgeräten und wetterfester Tischgruppe.

Der Verein für Kinder- und Jugendarbeit in Hessisch Oldendorf sein Trommelprojekt für Jugendliche mit Migrationshintergrund gestartet. Zur Zeit ruhe es aber, sagt Anke Franke und nennt Differenzen mit der Stadt als Grund.

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