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Die Einheit Belgiens beginnt beim Bier

Ein Reinheitsgebot würde nur stören

Obernkirchen (gs). Probieren gehtüber studieren. Und so hat Susanne Bode, Redakteurin des WDR Aachen, in ihr Referat über Belgien und seine Biere gleich eine Bierprobe eingebaut. Stilecht reicht sie dazu Nüsse und Käse.

veröffentlicht am 30.09.2006 um 00:00 Uhr

Susanne Bode

Belgien, das sich in die Regionen Flandern, Wallonien, die Metropole Brüssel und die deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens gliedert, hat zwar unterschiedliche Trinkgewohnheiten - die Wallonen trinken mehr Wein, die Flamen mehr Schnaps - werden jedoch bei der Vorliebe für Bier geeint. "Wenn man sich auf eine Bierreise nach Belgien begibt, entdecken Sie völlig neue geschmackliche Horizonte", versprach Susanne Bode. Das deutsche Reinheitsgebot sollte man schnell vergessen, es werden zwar Biere gebraut, die dem entsprechen, jedoch sei dies nicht typisch belgisch. Biere mit Schokoladen-, Pfirsich-, Aprikose, Ingwer- oder gar Senfgeschmack, um nur einige außergewöhnliche zu nennen, werden in den 400 bis 600 Brauereien hergestellt, wobei 43 Prozent der gesamten Bierproduktion ins Ausland exportiert werden und zwei Prozent des Gesamtstellenmarktes in Belgien mit Bier zu tun haben. Neben den Großbrauereien, wobei die belgische "Interbrew" der größte Bierkonzern der Welt ist, gibt es unzählige kleine Hausbrauereien, die für die einzigartige Brauvielfalt sorgen, von der Herstellung bis zur Abfüllung in jeweils eigene Flaschen. Auch die Etikettierung ist bemerkenswert: "Es gibt tatsächlich ,Mort Subite (Plötzlicher Tod)' oder ,Tremens delirium', das finden die Belgierkomisch", erläutert Susanne Bode. Während Gastgeber Werner Hobein im Stiftssaal die Gäste mit Bierproben der verschiedensten Geschmacksrichtungen verwöhnte, gab Susanne Bode viele Geschichten rund um das belgische Bier zum Besten, von Homburg angefangen, einem Dorf das vor 300 Jahren in zwei Lager gespalten wurde - Jupps und Bries - wobei dies sogar noch heute an den grünen oder roten Fenstern, Zäunen und Garagentoren sichtbar ist, und die Bewohner das jeweilige Jupp- oder Brie-Bier trinken, bis zum Trappistenbier, das auch heute noch das Bier der Mönche ist und das es nur aus sechs Brauereien gibt. "Trappistenbier darf nicht verwechselt werden mit Abteibier, das auch in Großbrauereien hergestellt wird. Das beste Trappistenbier, das St. Sixtus, erhält man nur vor Ort von einem Mönch mit blauem Overall über der Kutte", klärte Susanne Bode auf. Dass manche Biere in Belgien fast wie Weine hergestellt werden, zeigt das Bier, das rund um Brüssel gebraut wird. Es wird dort keine Hefe zugegeben, da sich natürliche Hefen in der Luft befinden. Das Bier wird somit zwei bis drei Jahre in offenen Holzfässern gelagert, damit die Lufthefen ihr Werk tun können. Demzufolge ist verständlich, dass man in Belgisch-Limoburg eine Ausbildung zumBierologen absolvieren kann. Das Ende des Vortrags bezeichnete Hobein als "Zwischenstopp", da man sich, wieüblich nach den Vorträgen des "Treff im Stift" gemütlich im Café Sonnengarten einfindet, um den Abend mit den jeweiligen Referenten ausklingen zu lassen. Na denn: Prost!

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