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Vor 100 Jahren wurde der Frauenchor Hameln-Wangelist unter dem Namen „Gleichklang“ gegründet

Ein reiner Frauenchor war etwas Besonderes

Wangelist (git). Bei dem Frauenchor Hameln-Wangelist wird in diesem Jahr kräftig gefeiert. Denn die Damen begehen ihr 100-jähriges Vereinsjubiläum. Von der Gründungsstunde des Chores kann allerdings im Rückblick nicht erzählt werden, denn erst seit dem Jahre 1952 sind schriftliche Aufzeichnungen bei den Sangesschwestern vorhanden. „Dass sich unser Chor im Jahr 1910 gegründet hat, wissen wir aber sehr sicher aus vielen mündlichen Überlieferungen“, berichtete die heutige erste Vorsitzende Marion Meyer.

veröffentlicht am 14.04.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2016 um 22:21 Uhr

Gruppenbild beim Jubiläumskonzert mit Chorleiter Klemens Steinho

Wangelist (git). Bei dem Frauenchor Hameln-Wangelist wird in diesem Jahr kräftig gefeiert. Denn die Damen begehen ihr 100-jähriges Vereinsjubiläum. Von der Gründungsstunde des Chores kann allerdings im Rückblick nicht erzählt werden, denn erst seit dem Jahre 1952 sind schriftliche Aufzeichnungen bei den Sangesschwestern vorhanden. „Dass sich unser Chor im Jahr 1910 gegründet hat, wissen wir aber sehr sicher aus vielen mündlichen Überlieferungen“, berichtete die heutige erste Vorsitzende Marion Meyer. Und noch etwas möchte die Vorsitzende auch ohne schriftliche Unterlagen belegen. „Unsere Gründung war eine absolute Rarität, denn Anfang des 20. Jahrhunderts war die Zeit der Männerdomänen, ein reiner Frauenchor war damals etwas ganz Besonderes.“

Ein wichtiges Puzzleteilchen ihrer Vereinsgeschichte erfuhren die Damen kürzlich überraschenderweise von Oberbürgermeisterin Susanne Lippmann. Bei der im März abgehaltenen Jubiläumsfeier des Chores berichtete die Ratsfrau, dass sich der Chor zu Beginn „Gleichklang“ nannte. „Vielleicht haben wir deshalb nie etwas im Hamelner Archiv gefunden“, mutmaßt die Vorsitzende nun.

Seit 1954 hält Urgestein Helga Speer dem Frauenchor Hameln-Wangelist die Treue. Damals nannte sich die weibliche Singgemeinschaft „Frauen- und Mädchenchor Wangelist“. „Ich war mit 14 Jahren das Nesthäkchen“, erinnert sich die Sangesschwester. Heute ist Helga Speer die älteste aktive Sängerin. „Aber ich habe mich auch nur getraut, weil meine Nachbarin Dora Urbaniak damals erste Vorsitzende war und mir gut zugeredet hat, um mich als Nachwuchs anzuwerben“, schmunzelt Helga Speer. „Alle anderen Sängerinnen waren doch mindestens fünf Jahre älter als ich, aber die haben mich alle verwöhnt“, schwärmt sie noch heute.

Der Frauen- und Mädchenchor Wangelist Mitte der 60er Jahre.
  • Der Frauen- und Mädchenchor Wangelist Mitte der 60er Jahre.
Helga Speer auch beim Jubiläumskonzert in der ersten Reihe.
  • Helga Speer auch beim Jubiläumskonzert in der ersten Reihe.
Helga Speer begann mit vier Jahren im Kinderchor Klein Berkel.
  • Helga Speer begann mit vier Jahren im Kinderchor Klein Berkel.

Öffentliche Auftritte gab es für den Frauenchor u. a. 1954 beim Bundessängerfest in Hannover. 1956 beteiligten sich die Frauen an einem Konzert für den Wiederaufbau der Hamelner Marktkirche, ab 1965 wurde über viele Jahre hinweg an Konfirmationen in Wangelist gesungen. 1973 waren es insgesamt 24 öffentliche Auftritte, die der Chor in einem Jahr absolvierte, bei fast allen hat Helga Speer in der ersten Reihe mitgesungen.

Neben Konzerten in Kirchen traten die Sängerinnen im Krankenhaus, in Alten- und Blindenheimen auf. Die siebziger und achtziger Jahre waren die hohe Zeit der Zeltfeste. Die Sängerinnen liefen bei Umzügen mit und sangen anschließend im Festzelt. „Damals wurden Mitgliedschaften sogar spontan auf Bierdeckeln notiert“, erinnert sich Helga Speer. 1989 hatte der Chor die bisher höchste Mitgliederzahl mit einhundertzwanzig Frauen erreicht. „Gerda Kilian war damals mit Leib und Seele unsere erste Vorsitzende, sie hat sehr viele Frauen für das Singen in unserem Chor begeistern können“, erklärte Marion Meyer. Die aktuelle Mitgliederzahl des Chores liegt bei einundsechzig.

Aber es waren auch die Chorleiter, die maßgeblich an der Erfolgsgeschichte des Frauenchores Hameln-Wangelist mitgeschrieben haben. „Chorleiter Karl-Heinz Helten beispielsweise hat mit seiner sympathischen Art bis 1990 fast 20 Jahre lang die Frauen für ein gemeinsames Singen begeistert“, erinnert sich die Vorsitzende. Chorleiter Siegfried Bach (1992 bis 2008) bescherte den Sangesschwestern maßgeschneiderte Wunschlieder. 44 Lieder hat er für „seine Frauen“ in den passenden dreistimmigen Frauensatz umgeschrieben, darunter „Memory“ und „Weine nicht um mich Argentinien“. Außerdem verfasste er zehn Chorsätze für einen gemischten Chor. Seit eineinhalb Jahren gibt Klemens Steinhoff bei den Wangelister Frauen als Chorleiter den Ton an. Unter seiner Regie präsentierte der Frauenchor Hameln-Wangelist am Sonntag in der Martin-Luther-Kirche ein gelungenes Frühlingskonzert anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Frauenchores.

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