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Grünen-Chef Reinhard Bütikofer spricht vor der GfW über erneuerbare Energien und Energiesicherheit

"Ein paar Spieler dürfen den Strompreis nicht manipulieren"

Bückeburg (bus). Eine drastische Steigerung der Energieeffizienz und den Verzicht auf fossile Energieträger hat Reinhard Bütikofer als die wichtigsten Voraussetzungen für eine allgemeine Energiesicherheit bezeichnet. Diese Auffassung vertrat der Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen während einer Vortragsveranstaltung der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) in der Achumer Schäfer-Kaserne zum Thema "Erneuerbare Energie: Augenwischerei oder echte Alternative für Energiesicherheit?".

veröffentlicht am 04.10.2007 um 00:00 Uhr

Reinhard Bütikofer

Die Themen Energieversorgung und Sicherheitspolitik seien lange Zeit in zwei verschiedenen Welten diskutiert worden, führte der Bündnisgrüne aus. Spätestens mit den Aktivitäten des Gaslieferanten Gazprom und des russischen Präsidenten Putin hätte aber eine Zusammenführung stattgefunden. Darüber hinaus habe der Klimawandel dazu beigetragen, den Blick auf die Bedeutung erneuerbarer Energien zu lenken. Unter sicherheitspolitischen Gesichtspunkten machte Bütikofer vor allen Dingen die derzeitige Versorgung mit Öl und Gas aus äußerst krisenanfälligen Regionen und den hohen Grad der Zentralisierung Energie erzeugender Anlagen aus, was den Sektor anfällig für terroristische Gefährdungen mache. Zudem stelle die wachsende Nachfrage nach fossilen Energieträgern in den Schwellenländern einen Risikofaktor dar. Steigende Preise und zunehmende Konkurrenz könnten der Gesamtsituation militärische Dimensionen verleihen. Allerdings sei, unterstrich der Bundesvorsitzende, "die Apokalypse nicht garantiert". Bütikofer: "In der Demokratie ist der politische Wille eine erneuerbare Ressource." Der Politiker erkannte, befeuert auch von steigenden Energiepreisen, enorme Einsparpotentiale. Bei verändertem Verbrauchsverhalten seien bis 2020 Reduzierungen um 20 (Verkehr), 30 (Wärme) und 40 Prozent (Strom) möglich; innerhalb weniger Jahrzehnte könne in Deutschland eine Vollversorgung erreicht werden. Dass die Entwicklung "zum Teil mit ordnungspolitischen Eingriffen gesteuert" werden müsse, stand für den Referenten außer Frage. "Wir müssen darauf achten, dass uns die Energieversorgungsstrukturen keinen Strich durch die Rechnung machen." Es sei nicht von Vorteil, wenn "ein paar Spieler den Strompreis manipulieren" könnten. Als Beispiel nannte Bütikofer die Durchleitungskosten für Elektrizität, die in der Bundesrepublik 40 Prozent über dem europäischen Schnitt lägen. Als Alternative plädierte der Redner für die Errichtung eines gesamteuropäischen Netzes, in dem die vorhandenen Potentiale zusammengeschaltet werden könnten. Bütikofers Ausführungen stießen im eher konservativ ausgerichteten GfW-Publikum durchaus auf Zustimmung. "Kompliment. Bis auf ganz wenige Sachen haben Sie nichts gesagt, dem ich nicht zustimmen könnte", merkte der CDU-Landtagsabgeordnete Joachim Runkel an. Interview: Im Gespräch mit unserer Zeitung äußert sich Bütikofer außerdem zum aktuellen "Spiegel"-Interview mit Joschka Fischer, zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr und zu den Aussichten einer möglichen Ampelkoalition. Seite 22



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