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Neue Urkunde für die Reservistenkameradschaft / Feierstunde am Mausoleum

Ein neues fürstliches Dokument erinnert an den Grafen Wilhelm

Bückeburg (sig). Die letzten Meter des Weges waren matschig und schwer begehbar. Aber die Männer in Uniform ließen sich nicht beirren. Auch nicht vom Schneeregen. Sie hatten ein gemeinsames Ziel - jene einsame Ruhestätte im Schaumburger Wald, die sich Graf Wilhelm zu Schaumburg und seine Ehefrau Maria Barbara ausgesucht hatten. Diesmal trafen sich dort einer ihrer Nachfahren, Fürst Alexander zu Schaumburg-Lippe, und einige Männer der Bückeburger Reservistenkameradsch aft.

veröffentlicht am 26.03.2008 um 00:00 Uhr

Fürst Alexander bei der Übergabe der Urkunde an Bernhard Uhlen.

Es gab einen besonderen Anlass für diese Zusammenkunft am kleinen Mausoleum unweit von Schloss Baum. Die Gemeinschaft der Reservisten aus verschiedenen Waffengattungen trägt nämlich den Namen des international hoch dekorierten Heerführers. Fürst Philipp-Ernst hatte darüber eine Urkunde ausgestellt. Doch die war leider nichtmehr auffindbar. Deshalb bat der Vorsitzende der Kameradschaft, Bernhard Uhlen, den heutigen Chef des Hauses Schaumburg-Lippe um die Erneuerung dieses Dokumentes. Fürst Alexander kam diesem Wunsch gern nach und ließ eine Urkunde anfertigen, die jetzt einen sicheren Ehrenplatz finden wird. Sie enthält das Wappen des Grafen Wilhelm und zugleich das der Reservistenkameradschaft sowie die Unterschrift des Fürsten Alexander. In dem Augenblick der Übergabe vorden Waldgräbern öffnete der Himmel leider wieder seine Schleusen. Deshalb beendete man die Zeremonie an diesem Ort schnell, um sich anschließend bei Bernhard Uhlen zu treffen. Der nutzte dort die Chance, zu einem biografischen Rückblick auf das Leben und Wirken des mit den höchsten militärischen Ehren versehenen Landesherrn. Er erinnerte daran, dass Graf Wilhelm am 9. Januar 1724 in London das Licht der Welt erblickte. Er war ein Sprachentalent, ein Kunstbeflissener und dazu noch ein glänzender Militärstratege. Schon mit 18 Jahren diente er als Fähnrich bei den britischen "Life Guards", einem renommierten englischen Regiment. Sechs Jahre später übernahm er in Bückeburg die Regierungsgeschäfte. Seine 20 Jahre jüngere Ehefrau und ihre einzige Tochter starben früh. Graf Wilhelm bewies seine Fähigkeiten als Heerführer im siebenjährigen Krieg zwischen Spanien und Portugal. Dort führte er erfolgreich das portugiesische Heer und erhielt den höchsten militärischen Titel. Auch der britische König ernannte ihn zum Feldmarschall. Bernhard Uhlen erinnerte unter anderem daran, dass unter dem Grafen Wilhelm fast ohne Ausnahme jeder Schaumburg-Lipper zwischen 14 und 50 Jahren der Truppe angehörte. Seine dennoch kleine Streitmacht war aber vorzüglich ausgebildet und bei Kämpfen sehr erfolgreich. Als Geschenk für die Rettung Portugals habe er nicht nur sechs kleine Kanonen mit Goldläufen bekommen, sondern auch edle Reitpferde. Als größtes Erbe aus der Zeit des ruhmreichen Vorfahren ist die Insel Wilhelmstein geblieben, die er einst als sternförmige Befestigungsanlage im Steinhuder Meer erbauen ließ. An der Beerdigung des Grafen im Schaumburger Wald nahmen 200 seiner Gardesoldaten und der General Gerhard Scharnhorst teil. "Wir sind stolz, dass unsere Kameradschaft den Namen dieses Mannes tragen darf," versicherte Uhlen dem Fürsten Alexander.



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