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Erbrechtstage behandeln "Morbus Alzheimer" und Vollmachten

Ein Mittel gegen Alzheimer? Können Sie glatt vergessen!

Bückeburg (bus). In einer Doppelvortragsveranstaltung haben die 6. Schaumburger Erbrechtstage die Themenbereiche "Morbus Alzheimer - unser aller Zukunft?" sowie "Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung" behandelt. Die in Zusammenarbeit der Sparkasse Schaumburg, des Deutschen Forums für Erbrecht (Rechtsanwalt Sven Wilkening) und der Schaumburg-Lippischen Landes-Zeitung organisierte Vortragsreihe führte die Experten Dr. Friedemann Ficker (Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie) und Dr. Constanze Trilsch (Rechtsanwältin, Spezialgebiet Erbrecht) in den "ausverkauften" großen Saal des Bückeburger Rathauses.

veröffentlicht am 06.02.2007 um 00:00 Uhr

Sparkassenvorstand Rolf Watermann (rechts) begrüßt die Referente

Chefarzt Ficker ging das durchaus seriöse Thema mit einem Schmunzeln an. "Hirnschwund wird augenscheinlich zur Volkskrankheit", stellte der Dresdener fest - er scheine "ja auch unsere Politiker zu betreffen". Womit er (weiterer Scherz: Haben sie etwas gegen Alzheimer? - Können Sie vergessen!) die Lacher auf seiner Seite und seine Vertrautheit mit den alltäglichen Auswirkungen der Demenz unter Beweis gestellt hatte. Demenzerkrankungen nehmen in einem verblüffenden Maß zu, 1,6 Millionen Deutsche leiden unter dem krankheitsbedingten Abbau der Leistungsfähigkeit des Gehirns, jährlich kommen 250 000 Neuerkrankte hinzu. "Wir haben es mit einer tickenden Zeitbombe zu tun", hielt der Spezialist fest. Der Vortrag führte ausführlich die Aktivitäten des Namensgebers Aloys Alzheimer vor Augen, zeigte Krankheitssymptome auf, erläuterte Entstehungsbedingungen und Therapiechancen sowie Strategien des Umgangs mit Demenzkranken. Darüber hinaus informierte Ficker über mögliche Wahrscheinlichkeiten des Auftretens der Alzheimer-Erkrankung unter der Berücksichtigung früherer Erkrankungen, genetischer Belastungen und anderer Lebensbeeinträchtigungen. Die Unterschiede zwischen den drei Stadien - Welt der Erfolglosigkeit, Welt der Ziellosigkeit, Welt der Schutzlosigkeit - wurden gleichermaßen wissenschaftlich fundiert, einfühlsam und ironisch geschildert. Ficker: "Es hilft nicht viel, wenn ich in die Küche pinkele und weiß, welcher Tag es ist." Trilsch stellte die drei Arten der Vollmachten - Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung, Betreuungsvollmacht - vor. Wobei sich eine Verbindung zu den Ausführungen Fickers ergab. Betreuer von Demenzkranken hätten häufig einen "36-Stunden-Tag" zu absolvieren und würden nach der Pflegezeit wegen der Verausgabung oft selbst krank. Grundsätzlich spreche nichts gegen eine Kombination der Vorsorgemöglichkeiten, das Waltenlassen des "gesunden Menschenverstandes" sei allemal von Vorteil. Die Rechtsanwältin: "Die Vorsorgevollmacht ist eigentlich eine Generalvollmacht, in der man für alles mögliche vorsorgen kann. In der Patientenverfügung kann festgelegt werden, wer bei Handlungsunfähigkeit des Betroffenen in eine Operation einwilligen, Einsicht in Krankenunterlagen nehmen oder seine Zustimmung zu Bluttransfusionen beziehungsweise Organspenden geben darf. Ganz wichtig sind hier auch die lebensverlängernden Maßnahmen. Mit der Betreuungsvollmacht wird ein Familienangehöriger oder ein guter Freund zum Betreuer bestimmt, der rechtliche und persönliche Angelegenheiten des Betroffenen regelt." Trilschs beruhigendes Schlussstatement: "99 Prozent aller Vollmachten laufen gründlich." Heute bei den Erbrechtstagen: Vortrag von Dr. Michael Messner "Vererben und schenken - Ratschläge zur steuerlich optimalen Gestaltung", Rathaussaal, 19.30 Uhr.

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