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Hein Brüggen in der Christuskirche / Spiel frei von Effekthascherei

Ein Meister der klassischen Gitarre

Bad Eilsen . Für einen klassischen Gitarrenabend kann man sich wohl kaum ein schöneres Ambiente vorstellen als die Christuskirche. Das wusste der Meister der leisen Töne, Hein Brüggen, am Wochenende bei seiner farbenfrohen Inszenierung zu nutzen. Leider lauschten den Darbietungen nur wenige, dafür aber um so engagiertere Zuhörer.

veröffentlicht am 02.10.2007 um 00:00 Uhr

Autor:

Dietlind Beinßen

Der Stadtoldendorfer Saitenkünstler ließ gekonnt Musik aus vier Jahrhunderten eine ganz besondere Liaison eingehen. Bereits seine einleitende Bach-Sarabande aus der "Englischen Suite" offenbarte die differenzierten Innenansichten des Werks. Dass sich auch in den weiteren Stücken rhythmische Stringenz und weiche Tongebung ideal ergänzten, war nicht zuletzt Folge einer sehr sicheren Technik, einer Virtuosität, die immer im Dienste der Gestaltung, der Formgebung stand. An dem Spanier Sor kommt natürlich kein Gitarrist vorbei. Hein Brüggen führte mit Sinn für melodische Feinheiten und dramaturgische Momente außer "Estudio h" und "Folia d´Éspagne" die wohl bekannteste Bearbeitung über ein Thema aus Mozarts "Zauberflöte" auf. Ganz andere Klanggebäude errichtete er in facettenreicher Detailarbeit bei Jobims "One Note Samiba", Porters "Night and Day", "Felicidade", "Blue Moon", Glucks "Reigen seeliger Geister" und vielen mitreißenden Titeln mehr. Während der Vorträge herrschte konzentrierte Atmosphäre im Gotteshaus, und diese sollte bis zum Schluss anhalten. Gerade so, als wartete das Publikum darauf, mit welcher Spielart und welchem Stimmungswandel der Experte als nächstes aufwarten würde. Seine Gitarre setzte sich nach Belieben über Grenzen hinweg und passte sich den unterschiedlichsten Einflüssen an. Übertreibungen vermied der Gast, denn dessen Musizierfluss war frei von Effekthascherei. So verschieden die Kompositionen sein mochten, allen merkte man den Purismus eines Solisten an, der sich und seiner Musik Freiräume lässt. Das dicht verwobene Netz abwechslungsreicher Impressionen gefiel im Kirchenschiff hörbar, mit Programmzettel wäre es allerdings besser nachvollziehbar gewesen.



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