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Mehr als ein Brandlöscher im Vorhof der Hölle: Daniel Meyer kämpft für ein Schulprojekt in Kenia

Ein Leben ohne Hunger für die Ärmsten der Armen

Landkreis. Wer den Vorhof der Hölle sucht, wird in Kibara, einem Slum von Nairobi, fündig. Die Ansammlung elender Hütten sucht nach Expertenmeinung weltweit ihresgleichen. Bis zu acht Personen leben in Hütten, die aus Plastik, Pappe oder Holzstücken zusammengezimmert sind. Hier wohnen die Glücklichen, denn andere hausen inErdlöchern. Wenn Daniel Meyer von den Zuständen dort erzählt, geschieht dies recht eindringlich, denn der Beckedorfer weiß, wovon er redet. Zuletzt hat er mit 25 Medizinstudenten die Menschen dort behandelt: 1200 an einem Tag.

veröffentlicht am 04.01.2008 um 00:00 Uhr

Alles in Handarbeit: 50 Helfer haben 100000 Tonziegel gebrannt.

Autor:

Frank Westermann

Als Meyer vor sieben Jahren zu einem viermonatigen Praktikum nach Kenia aufbrach, konnte er nicht ahnen, dass er in Afrika eine Lebensaufgabe finden würde. Im National Hospital in Nairobi, wo 8000 Patienten in nur 4000 Betten versorgt werden, lernte er einen Medizinstudenten kennen, der ihn mitnahm in sein Heimatdorf. Und Martin Mulala sollte sich schnell als ebenso treibende Hilfskraft wie Meyer selber entpuppten - zwei hatten sich gefunden. Die beiden Medizinstudenten haben dann Medikamente eingekauft und Ulu, dem Heimatdorf von Mulala, einen vorher angekündigten Besuch abgestattet. Meyer wird diesen Tag in seinem ganzen Leben nicht vergessen: "250 Menschen standen vor unserer Arzthütte - die Schlange nahm kein Ende." Die Einsätze wurden in den nächsten fünf Jahren ausgedehnt, mit Spenden wurden Medikamente gekauft und freiwillige Ärzte und Helfer fuhren zu den kranken. Meyer: "So konnten wir mit 8000 Euro bisher zehntausende Kranke mit Medikamenten versorgen." Ein Name für das Projekt war auch schnell gefunden: "Fousa" - die Freunde der Region Ulu. Dass er nicht mehr war als ein punktueller Brandlöscher, das war Meyer stets klar. Doch wie kann der Teufelskreis aus Armut, Hunger und Krankheit durchbrochen werden? 2006 war Mulala zu Besuch in Deutschland. Und gemeinsam entwickelten er und Meyer ein neues Hilfskonzept, eines, das einen deutlichen Schritt weiter in Richtung Zukunft geht. Denn die Bildung sei die einzige Chance der Kindern, befanden beide: Wie kann also kenianischen Kindern ermöglicht werden, nach der Grundschule eine weiterführende Schule zu besuchen. Denn in Kenia kostet die Schule für nur ein einziges Kind im Monat so viel, wie ein Vater in zwei Monaten verdient- wenn er überhaupt eine Arbeit hat. Und die meisten Väter haben nicht nur einen Sprössling, sondern gleich fünf bis zehn. Möglichst viele Kinder sollen eine gute schulische Ausbildung erhalten, denn ein Beschäftigter kann danach eine ganze Großfamilie ernähren. Vor vier Jahren hat Meyer mit seinen Helfern ein Patenschaftsprogramm begonnen, bei dem Erwachsene aus Deutschland einigen dieser Kinder das Schulgeld bezahlen: "25 Euro im Monate reichen aus", erklärt Meyer beim Pressegespräch im Beckedorfer Heimathaus: "Damit diese Kinder einmal einen Beruf erlernen und ihren Geschwister, ihren eigenen Kindern und ihrer ganzen Familie genug Essen, Kleidung Medizin - und den Besuch der Schule bieten können." Der nächste Schritt war dann fast naheliegend: Weil nicht für alle Kinder und Eltern Paten in Deutschland gefunden werden können, entstand die Idee, doch selbst eine Schule zu bauen. Denn wenn man in Kenia eine eigene Schule baut, dann bezahlt die Regierung die Lehrer. "Und man schafft den Bau auch mit deutlich weniger Geld als hier", erzählt Meyer. Anders als in Deutschland, sind in Kenia die Schulen Internatsschulen, da die Kinder von weit her kommen. Sie wohnen und schlafen dann mit der gesamten Klasse in einem einzigen Saal. Für eine Schule bräuchte man neben den Klassen auch Schlafsäle, Toiletten, Küche, Waschräumen - "trotzdem kostet das alles zusammen nicht mehr ein neues Auto in Deutschland", sagt Meyer. Das ist aber immer noch viel Geld. Daher ist Meyer aus der Schweiz, wo er als Arzt arbeitet, immer wieder mal nach Deutschland gekommen, in das Schaumburger Land. Hier möchte er - vor allem - an Schulen um Mithilfe bitten. Wenn jedes Schulkind mindestens einen Euro spenden würde, dann hätte er schnell genug Geld, um in Kenia eine Schule zu bauen. Nach dem Motto: Nicht wenige geben viel, sondern viele geben ein wenig. Der Anfang ist bereits gemacht: Im Sommer 2007 wurde mit dem Bau der kenianischen Schule begonnen, in diesem Februar soll die erste Klasse beschult werden, "wir starten durch", sagt der 33-jährige Meyer rückblickend. 100 000 Tonziegel wurden von 50 Helfern gebrannt - Tag für Tag. Und ein Grundstück für die Schule wurde vor allem aus strategischen Gründen erworben: Hier würde in absehbarer Zeit eine Wasserleitung lang führen. Und während die Helfer und Studenten, die auch ohne Meyer in den Dörfern und Slums mittlerweile regelmäßig ihre Runden der Hilfe drehen und so Kontinuität sicherstellen, ist Meyer über Weihnachten wieder im Landkreis gewesen, hat Spenden gesammelt und Helfer gesucht, die sein Projekt in den Schulen vorstellen. Und wer ihm seine E-Mail-Adresse zuschickt, wird von ihm über den Verlauf der Sammelaktion und später auch über den Schulbau informiert - wer weiß, sagt er, "vielleicht möchte ja der eine oder andere einmal für einen Zeitraum in unserer Schule in Kenia unterrichten." Kontakt: E-Mail: fousa@web.de. Im Internet: www.fousa.de. Spenden für "Foursa" werden über die Lutherische Kirchenmission e.V.: Konto-Nummer 6413579, VR-Bank Taufkirchen-Dorfen eG (BLZ: 701 695 66) entgegen genommen. Über die Lutherische Kirchenmission werden auch steuerlich voll abzugsfähige Spendenquittungen ausgestellt.

Daniel Meyer mit studentischen Helfern. In sieben Jahren entstan
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