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Heimatforscher Adolf Ronnenberg: Mit einem Ziegenstall fing alles an / Später 24 Taler Abgabe pro Jahr

Ein Holzbalken erinnert an den alten „Abtshof“

Wiedensahl (jed). Zahlreiche Stunden hat Heimatforscher Adolf Ronnenberg in den vergangenen vier Monaten im Wiedensahler Pfarrarchiv zugebracht, um aus den dort lagernden Unterlagen mehr über den ehemaligen „Kellereihof“ und späteren „Abschenhoff“ („Abtshof“) zu erfahren. Das Ergebnis hat Ronnenberg jetzt in einem einstündigen Vortrag rund 30 interessierten Gästen im „Dörp Kaffee“ präsentiert.

veröffentlicht am 12.03.2012 um 16:41 Uhr

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Geografisch südlich der Kirche und westlich des Sahls gelegen, umfasste der Hof in etwa das Gebiet, auf dem sich heute beispielsweise die Gaststätte Steuber, das Feuerwehrgerätehaus und die Bäckerei Dreyer befinden. Anfangs noch gänzlich unbewohnt und von den damaligen Herren des Klosters Loccum nur mit einem Ziegenstall bebaut, wurde der „freye Kellnereyhof zu Wiedensahl“ ab 1253 vom Kloster durch deren Mönche und danach ab 1473 von immer wieder wechselnden Erbpächtern bewirtschaftet.

Diese Erbpächter bekamen in der Regel ein lebenslanges Nutzungsrecht eingeräumt, hatten den Hof zu erhalten und mussten den „Zehnten“ an das Kloster abgeben. Wurde in der Zeit der Meierhöfe noch in Naturalien bezahlt, mussten später in der Ära der Erbzinshöfe jährlich 24 Taler abgeliefert werden. Inflationssicherheitsklauseln habe es damals allerdings noch nicht gegeben, merkte Ronnenberg an. 1782 wurde der Hof von der Familie des Abts Ebel zu Loccum an zwölf Wiedensahler „Konsorten“ verkauft, die dann nach und nach die Hofflächen und das Ackerland veräußerten.

Der rund zwei Hektar große Hofraum wurde im Laufe der Jahrhunderte mit einem Speicher (1500), einem Backhaus (1507), einer Zehntscheune (1538 und 1611), einem neuen Wohnhaus (1558) und einer weiteren Scheune (1576) bebaut. Mit dem Abriss des baufälligen „Abtshof“-Gebäudes“ wurde 1973 die letzte sichtbare Erinnerung beseitigt. Übrig geblieben ist davon nur ein im Museum im alten Pfarrhaus ausgestellter Holzbalken, der aus dem 1612 vom damaligen Bewirtschafter Johann Spanuth erneuerten Hausgiebel stammt.

Diesen Balken, so erinnerte Rudolf Deterding im Anschluss an Ronnenbergs Vortrag, habe ihm damals beim Abriss ein Nachfahre Spanuths für 6800 Mark abkaufen wollen, aber er habe den Balken wenige Stunden zuvor schon Oswald Klose, dem späteren Museumsgründer, versprochen. Dieser habe das Angebot Spanuths abgelehnt. Deterding: „Was ich gemacht hätte, wenn der Spanuth früher gekommen wäre, weiß ich nicht.“



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