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Um 1900 starb in Europa jeder vierte Erwachsene an Tuberkulose

Ein historischer Vergleich

Nach den täglichen Katastrophenmeldungen sind bei den Zeitgenossen zunehmend die Symptome eines Corona-Kollers zu beobachten. Stichwort: der hysterische Klopapier-Kaufrausch.

veröffentlicht am 14.04.2020 um 22:31 Uhr

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Zu: „Keine Lockerung der Corona-Regeln“, vom 7. April


Zweifellos ist die Lage ernst, aber es stellt sich die Frage, ob sie mit etwas Humor nicht besser zu ertragen wäre. Dazu ein historischer Vergleich. Um 1900 starb in Europa jeder vierte Erwachsene an Tuberkulose! Gleichwohl näherte sich Thomas Mann diesem traurigen Thema und seinem „Zauberberg“ bekanntlich mit einer gehörigen Portion Ironie im Gepäck.

Ich möchte auch an den heute vergessenen, seinerzeit sehr produktiven und bekannten Schriftsteller und Verfasser witziger Gedichte, Alexander Moszkowski, erinnern, der sich die Freiheit nahm, diese Seuche 1908 sogar in satirische Verse zu setzen! Ich teile sie hier mit, weil bei den vielen zur Zeit verschriebenen Rezepten ja durchaus mit Risiken zu rechnen ist, wogegen das Lesen derartiger Lyrik nur „ein gewisses Lächeln“ und keine schädlichen Nebenwirkungen auslösen wird…

„Das Geheimnis der Tuberkulose. (Nach den neuesten Forschungen.) Man merke sich zu pathologischen Zwecken: die Kuh vermag den Ochsen anzustecken. Dagegen gehen vom Ochsen die Tuberkel fast niemals über auf die jungen Ferkel. Doch wird ein Ferkel krank, so merkt’s der Biber, auf diesen gehen die Bazillen über. Und stecken erst im Biber Keime drin, so infiziert er auch die Biberin.

Den Biber muss man immer isolieren, ihm fällt es leicht, die Maus zu infizieren; und von den Mäusen steckt sich dann und wann der Orang-Utang und der Hamster an. Dem Hamster gegenüber ist das Huhn sowie der Iltis absolut immun. Der Iltis nämlich, merke man dazu, erwirbt Bazillen lediglich vom Gnu; wie denn das Gnu, – dies wurde konstatiert, – auch Bären und Flamingos infiziert. Wird ein Flamingo-Hahn tuberkulos, so geht es über aufs Rhinozeros, das seinerseits durch seine bloße Nähe den Igel ansteckt und die Nebelkrähe. Vom Igel aber, dies ist wesentlich, geht nie die Krankheit auf den Gänserich; dieweil die Gans nur dann zugrunde geht, wenn Sie mit Rindvieh in Verbindung steht. Ob dies auch auf den Menschen Eindruck macht, das hat die Forschung noch nicht ‚rausgebracht‘.“



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