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Imker und Agraringenieur Michael Grolm erhält "Panter-Preis 2008" für Feldbefreiungen

Ein "Held des Alltags", der aus Rinteln kommt

Rinteln/Berlin (ur) . Alle Jahre wieder wählen die Leserinnen und Leser der bundesweit verbreiteten alternativen "tageszeitung" aus Berlin unter einer breit gefächerten Vorschlagsliste ihren "Held des Alltags".

veröffentlicht am 17.09.2008 um 00:00 Uhr

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Mit geradezuüberwältigendem Vorsprung entschieden die Leserjuroren in diesem Jahr dafür, einen Rintelner mit dieser Auszeichnung und dem damit verbundenen "Panter-Preis" zu ehren - und wenn auch der Imkermeister Gartengestalter und studierte Agraringenieur Michael Grolm inzwischen mit seinen Bienenvölkern nach Thüringen gezogen ist und dort die Schlossimkerei in Tonndorf betreibt, hält er doch weiterhin engen Kontakt mit der Weserstadt, wo auch Teile seiner Familie leben. So war er mit seinem Honig-Stand auch auf dem jüngsten Rintelner Ökomarkt vertreten. "Held des Alltags" wird man allerdings nicht, weil man süßen Brotbelag produziert und dafür auch mal ein paar Bienenstiche in Kauf nimmt. Wie bei der fast schon oskar-dramatischen Ehrung vor über 1200 Besuchern im Berliner "Haus der Weltkulturen" (übrigens sinnigerweise musikalisch begleitet von der Band "Wir sind Helden") ausführlich dargelegt wurde, hat Grolm seine Auszeichnung als Aktivist der Umweltbewegung bekommen und dabei vor allem für sein mutiges Engagement gegen die Verseuchung von Flora undFauna durch genmanipuliertes Saatgut, allen existenzgefährdenden Strafandrohungen zum Trotz. Als Laudator brachte der bekannte Kabarettist Georg Schramm seinen Respekt mit diesen Worten auf den Punkt: "Sie trauen sich etwas, das ich mich auch gern trauen würde: einen Rechtsbruch." Gemeint sind damit die "Feldbefreiungen", die Grolm immer wieder in der Auseinandersetzung mit den Versuchsfeldern der Gen-Industrie organisiert - was er durchaus als Fortsetzung seines Berufs als Imker sieht: "Ich kann meinen Honig nur verantwortungsbewusst herstellen, wenn ich mich dafür einsetze, dass die ökologischen Rahmenbedingungen für meine Bienen stimmen." Der gelernte Agraringenieur kämpft damit auch gegen die Verdrängung traditioneller Pflanzenarten, die ihre Qualität schließlich in vielen tausend Jahren Evolution unter Beweis gestellt haben, ohne dass die Doktor Mabuses der Gen-Mafia ihre Finger dazwischen hatten. Auf die Frage, ob er nach seiner Nominierung auch mit der Wahl zum "Helden des Alltags" gerechnet habe, erklärte Michael Grolm freimütig: "Soll ich ganz ehrlich sein? Ja, habe ich!" Seine Begründung dafür: "Weil Biodreck ein Thema ist, das alle im wahrsten Sinn des Wortes auf dem Teller haben und der Protest dagegen große gesellschaftliche Resonanz erzeugt. Außerdem bin ich in der Feldbefreiungs-Szene kein Unbekannter, da haben viele für mich gestimmt." Demnächst soll Michael Grolm eine eher symbolische Haftstrafe von zwei Tagen antreten, was er gegenüber der Zeitung "taz" publizitätsbewusst mit der Ankündigung verband: "An diesem Tag werden wir eine Großdemonstration organisieren, mit Treckern und Imkerfahrzeugen." Dazu hat die Initiative "Gendreck weg" auch die Musiker von "Wir sind Helden" eingeladen - um dadurch eine breitereÖffentlichkeit dafür zu schaffen, dass die Organisatoren solcher Feldbesetzungen alles andere als Straftäter sind, sondern Menschen, die gegen die Agrar-Multis für das berechtigte Interesse am globalen Überleben eintreten. Helden des Alltags eben...

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