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St. Vizelin wurde einst in Hameln geboren / Gotteshaus in Klein Berkel dient beiden Konfessionen

Ein Haus für den beinahe vergessenen Heiligen

Klein Berkel (roh). Eine Straße in Hameln ist nach ihm benannt und auch eine Kirche: die St. Vizelinkirche in Klein Berkel, in der am diesem Wochenende das Patronatsfest gefeiert wurde.. Ungewöhnlich ist, dass erst 1976 Hamelns Heiliger als Namenspate für eine Kirche herangezogen wurde. Die erst etwas mehr als 30 Jahre alte Kirche begrüßt die Besucher ganz im ökumenischen Flair. Auch und gerade innerhalb des sakralen Raums des Zentrums, in der Kirche selbst also, finden sowohl evangelische als auch katholische Gläubige vertraute Insignien.

veröffentlicht am 14.12.2009 um 10:10 Uhr
aktualisiert am 14.12.2009 um 14:14 Uhr

Tabernakel im Inneren der Kirche.

Klein Berkel (roh). Eine Straße in Hameln ist nach ihm benannt und auch eine Kirche: die St. Vizelinkirche in Klein Berkel, in der am diesem Wochenende das Patronatsfest gefeiert wurde.. Ungewöhnlich ist, dass erst 1976 Hamelns Heiliger als Namenspate für eine Kirche herangezogen wurde. Die erst etwas mehr als 30 Jahre alte Kirche begrüßt die Besucher ganz im ökumenischen Flair. Auch und gerade innerhalb des sakralen Raums des Zentrums, in der Kirche selbst also, finden sowohl evangelische als auch katholische Gläubige vertraute Insignien. Die für katholische Kirchen charakteristischen Merkmale, wie das ewige Licht und das Tabernakel, finden sich nicht im Zentrum, aber auch nicht ganz am Rand der Stirnseite der Kirche, sondern gleich neben dem Altar, der natürlich in der Mitte steht. Den Altar selbst beschreibt Pfarrer Winfried Moecke so: „Zwei stilisierte Kelche aus Stein, die nebeneinanderstehen, symbolisieren die beiden Konfessionen und bilden gemeinsam den Altar.“

Zwar ist der Backsteinbau mit seiner Kiefernholzdecke ein wenig dunkel gehalten, setzt aber durch die vielen, geschickt platzierten und ungewöhnlich geformten Fenster wahre Glanzpunkte. Durch das Buntglasfenster an der Südostseite schickt die Sonne ihre Strahlen direkt auf das Altarkreuz, und Pfarrer Moecke weiß: „Das Schauspiel dauert nur zehn Minuten, aber am frühen Morgen wird das Antlitz des leidenden Jesus am Kreuz von der Sonne angestrahlt.“ Die Symbolik des kunstvollen Fensters ist dem 61-Jährigen wohlvertraut. „Der rote Kreis symbolisiert die Liebe Gottes, die sich auf verschiedenen Wegen den Menschen mitteilt“, erklärt er und zeigt auf die unterschiedlichen Formen und Linien der Glassteine, die das Fenster auf den ersten Blick zu einem surrealen Kunstwerk machen. Außerdem schätzt Moecke die moderne Architektur der Kirche. Früher sei eine Kirche vor allem durch die sehr gradlinig strukturierte Bauweise eingeteilt worden. „Hier gibt es kein Mittelschiff, keine Seitenschiffe, sondern einen großen Raum, der halbkreisförmig um den Altar angelegt ist.“

Ebenfalls ein typisch katholisches Merkmal ist der aus 14 Stationen bestehende Kreuzweg in der Kirche. An den Wänden des Gotteshauses sind kleine Reliefs angebracht, die den Leidensweg Jesu auf unterschiedliche Weise darstellen. „Mit Fürbitten, Meditationen und Gebeten direkt vor den einzelnen Stationen gedenken wir Jesus“, sagt der Pfarrer. Und ganz klassisch ist das Weihwasser im Eingangsbereich der Kirche. „Das Bekreuzigen mit dem Weihwasser ist eine Erinnerung an die Taufe, und damit wird uns jedes Mal klar, dass wir Kinder Gottes sind“, sagt der Pfarrer aus Klein Berkel.

Große Bedeutung hat für den katholischen Geistlichen aber der ökumenische Gedanke. Unabhängig davon, dass die vielen Gruppen, die das ökumenische Zentrum im Nachbargebäude mit Leben füllen, selbstverständlich konfessionsgemischt sind, finden auch in der Kirche selbst sowohl evangelische als auch katholische oder sogar ökumenische Gottesdienste statt. „Einige traditionelle Unterschiede in den Gottesdiensten haben sich ohnehin im Lauf der Zeit angenähert“, sagt Moecke und weist darauf hin, dass die innere Haltung eines jeden sich zu Gott bekennenden Menschen entscheidend sei und nicht, welcher Konfession er angehöre.

Der Namensgeber der Kirche, Vizelin, wurde 1090 in Hameln geboren, wurde 1105 Schüler in der Domschule Paderborn, später dort auch Lehrer. 1126 wurde er zum Priester geweiht und wirkte dann vor allem in Schleswig-Holstein. Er starb am 12. Dezember 1154 und wurde in der Stiftskirche in Neumünster beigesetzt. Sein Leichnam gilt heute als verschollen, nachdem er zwischen 1332 und 1614 mehrmals umgebettet worden war. „Der Sterbetag des Heiligen ist der Tag des Vizelin, den wir jedes Jahr mit einem ökumenischen Gottesdienst feiern“, sagt der Pfarrer, und man merkt dem katholischen Geistlichen an, dass der einzige Hamelner Heilige ihm sehr am Herzen liegt, und das, obwohl er selbst erst seit 2002 in Hameln arbeitet.

Gemeinsam mit dem evangelischen Pastor Ulrich Wittmann sei es ihm und den vielen aktiven Gemeindemitgliedern beider Konfessionen gelungen, eine gut funktionierende Ökumene in Klein Berkel zu etablieren, die schon einiges erreicht, aber noch viel mehr vor habe. Zuvorderst sei die Partnerschaft mit der brasilianischen Pfarrei „Cristo Luz dos Povos“ und „Jesus Missionário“ in Belo Horizonte zu erwähnen.

„Seit 28 Jahren gibt es diese Partnerschaft mittlerweile“, sagt Moecke. Und obwohl die Gemeindemitglieder dort in Brasilien zu den ärmsten der Welt gehörten, sei die Partnerschaft keine Einbahnstraße, heißt es auf der Internetseite des ökumenischen Zentrums. Und weiter: „Von unseren Schwestern und Brüdern erfahren wir, wie stark ihr Glaube trotz größter Armut ist, und welche Hilfe ihnen die Bibel im täglichen Leben gibt.“

Der offene, halbrunde Kirchenraum soll auch die Offenheit gegenüber der Ökumene symbolisieren.



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