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Entwurf des Bückeburger Architekten Schmalohr für Preis nominiert / Sonntag Führungen in Krainhagen

Ein Haus fällt aus dem Rahmen - und passt doch

Krainhagen. Ortsbilder entstehen durch Gleichklang. Nur aus einerÜbereinkunft der Häuser mit leisen, leichten Variationen bilden sich markante Orte. Dies sei in Krainhagen am Heckenweg gar nicht mehr möglich gewesen, meint der Bückeburger Architekt Matthias R. Schmalohr, der dort ein Haus entworfen hat, das völlig aus dem Rahmen fällt - und sich dennoch einpasst in die Wohngegend.

veröffentlicht am 23.06.2006 um 00:00 Uhr

Matthias R. Schmalohr

Autor:

Frank Westermann

Schmalohrs Arbeiten sind auf den ersten Blick erkennbar: Der 39-Jährige hat den Anbau an das Torschreiber-Haus in Stadthagen spektakulär mit Corten-Stahl verkleidet, in Petzen den "Roten Raben" für eine vielköpfige Familie entworfen, momentan baut er in Oelde ein Haus aus rot eingefärbtem Beton - und eben das Einfamilienhaus in Krainhagen. Die strenge Architektur, die sich in der Formsprache zurückhält, die eigenständige Gestalt eines Hauses die sich dann konsequent durch das gesamte Gebäude zieht - das sind die Stilmittel, auf die Schmalohr gern zurückgreift. "Ich bewältige jede noch so alltägliche Bauaufgabe mit unkonventionellen Lösungen. Dabei geht es mir nicht um vordergründige Architektur, sondern um das Zusammenspiel der einzelnen Elemente, die gute Architektur ausmachen: Raum, Licht, Schatten und die Materialität", sagt er. Und hat Erfolg damit. Sein erstes Architekturstudium absolvierte er an der Fachhochschule Bielefeld, Abteilung Minden. 2003 beendete er sein zweites Architekturstudium an der Universität Hannover und baute zugleich parallel sein Architekturbüro auf - keine leichte Aufgabe in einer Zeit, in der die Häuslebauer im Zuge der Marktliberalisierung immer häufiger vom Bauträger mit einem Entwurf bedient werden und Architekten immer weniger zu entwerfen haben. Der Anbau an das Torschreiber-Haus war Schmalohrs erstes eigenständiges Projekt - und es war zugleich sein Durchbruch. Er wurde in den BDA, den "Bund Deutscher Architekten" berufen, "der berufliche Ritterschlag", wie er mit ironischem Augenzwinkern sagt. Seit 2005 ist er Lehrbeauftragter an der Hochschule für angewandte Künste in Hildesheim für die Fächer Entwerfen, Gebäudelehre und Baukonstruktion. Zweieinhalb Jahre haben Planung und Bau des Krainhäger Hauses gedauert. Das Sockelgeschoss aus Stahlbeton ist dabei in den Hang hineingebaut worden, darauf steht in Holzständerbauweise das eigentliche Wohnhaus, Fassade und Dach sind einheitlich: schwarzgraue Dachplatten in Doppeldeckung. Von außen wirkt das Haus klein, was aber eine optische Täuschung ist, die durch die großen Fenster hervorgerufen wird: Innen stehen 231 Quadratmeter Nutzfläche zur Verfügung. "Gute Architektur muss nicht teuer sein", sagt Schmalohr, "sie sollte preiswert sein, sie muss ihren Preis wert sein." Die freie Schaltbarkeit des Grundrisses, so erklärt der Architekt, sei der funktionelle Vorteil dieses Holzständerhauses auf der Betonbasis des Hanggeschosses: "Alle Raumbereiche sind dank raumhoher voll versenkbarer Schiebetüren jederzeit spontan zu trennen oder zu verbinden." Schmalohr, der für seinen Entwurf in die engere Wahl bei dem diesjährigen BDA-Preis kam und beim Velux-Architekten-Wettbewerb für einen Preis nominiert ist, wird am kommenden Sonntag, 25. Juni, im Rahmen des Tages der Architektur in Krainhagen um 10, 12, 14 und 16 Uhr Führungen anbieten. Dieses Haus, so hat Architektur-Kritiker Klaus Dieter Weiss erklärt, kommentiere "durch seine künstlerische Reduktion" die "Zerrissenheit demokratischer Dekoration". Architekt Schmalohr würde es so übersetzen: Wenn heute überall so gebaut wird, wie es der nächste Baumarkt hergibt, darf man sich auch nicht wundern, wenn den Baugebieten ein einheitliches Bild fehlt. Jener Gleichklang, der einst die Ortsbilder formte.

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