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Frank Suchlandüberbringt "Grüße aus dem Schattenreich"

Ein Halloween-Auftritt mit Gänsehaut-Garantie

Bückeburg (mig). Schlag Null Uhröffnen sich an Allerheiligen die Gräber und die Toten dürfen wieder in die Welt der Lebenden. Einige Stunden vor Mitternacht überbrachte Frank Suchland in der Gärtnerei Engel und Engelke schon einmal "Grüße aus dem Schattenreich".

veröffentlicht am 02.11.2006 um 00:00 Uhr

Ganz schön stachelig: In einer Gärtner-Grusel-Geschichte lehrte

Effektvoll prasseln dicke Regentropfen auf das Dach der Gärtnerei, ein heftiger Wind zerrt an den Flammen der aufgestellten Fackeln. Ein schrilles Quietschen lässt die Besucher kurz hochfahren - war das wirklich nur ein Gara-gentor? Punkt 19.30 Uhr wird es in dem kleinen Raum dann finster wie in einem Grab, nur am Platz des Rezitators spenden Kerzen etwas Licht. Lautlos erscheint Saskia Engelke in Hexenkluft mit Spinnwebschminke vor ihren Gästen. "Ich finde Halloween toll; bei uns wird immer noch zu wenig an diesem Datum gemacht wird," hat sie vor der Veranstaltung erklärt. Dann erscheint der Meister selbst: Frank Suchland rückt noch einmal die Bücher zurecht und schaut seine Zuhörer bedeutungsvoll an. Hinter ihm nimmt ein stummer Schatten Platz - Stephan Winkelhake soll die Lesung am Keyboard begleiten. Bevor Suchland zu lesen beginnt, verspricht er seinen Gästen, genau auf ihre Reaktion zu achten. "Bei den Damen in der ersten Reihe kann ich die Gänsehaut auf den Armen sehen. Wenn Sie sich zu sehr entspannen, nehmen wir gruseligere Geschichten," droht er schmunzelnd. "Der fahle Freund" heißt die Erzählung mit der Suchland dann beginnt. Auch wenn der Autor vieler Hör-Produktionen versprochen hat, sich langsam zu steigern - diese Geschichte geht schon ganz schön an die Nieren. Suchland selbst wechselt immer wieder die Tonlage, spricht mal verhalten und einschmeichelnd, dann wiederverstörend laut. Unterstützt wird er dabei von seinem Pianisten, der das literarische Geschehen - beispielsweise einen davontrudelnden Totenkopf - wunderbar lautmalerisch orchestriert. Dass Suchland auch ein großes schauspielerisches Talent besitzt, zeigt die nächste Schauerstory. Guy de Maupassant erzählt in "Die Tote" von einem Mann, der nicht von seiner verstorbenen Gattin lassen kann. Großartig, wie der Vortragskünstler hier in die Rolle des verzweifelten Protagonisten schlüpft und am Ende eine schreckliche Entdeckung macht. Kurz vor der Pause kommt dann der notwendige "Gärtner-Grusel": "Ambrose Bierce schreibt in "Die Rebe am Haus" von einem Gewächs, das nicht einmal Engel und Engelke bestimmen könnten," freut sich Suchland. Und während er mit suggestiv gedämpfter Stimme erzählt, scheinen sich die vor, hinter und neben den Zuhörern sprießenden Pflanzen näher und näher heranzuschieben. Die Papageien in ihrem Käfig putzen müde ihr Gefieder und irgendwo in der Ferne quietscht ein Tor im Wind.

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