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Großbaustelle Steinanger: Sanierung ist so gut wie abgeschlossen - jetzt werden die Plätze eingesät

Ein guter Rasen muss eine Grätsche aushalten

Rinteln (wm). Seit Ende Mai ist der Steinanger eine Großbaustelle. Jetzt ist der erste Schritt der lange diskutierten Sanierung des Fußballplatzes so gut wie abgeschlossen. Die beiden B-Plätze sind angelegt und müssen nur noch eingesät werden, auf dem A-Platz ist eine Bewässerungsanlage eingebaut worden. Es fehlen jetzt nur noch der Ballfangzaun und Pflasterarbeiten.

veröffentlicht am 30.07.2008 um 00:00 Uhr

Schwitzen müssen bei der derzeitigen Hitze nur die Arbeiter mit

Einweihung feiern wolle der SC auf der neuen Anlage aber erst, verriet Vorsitzender Michael Box, wenn die beiden neuen B-Plätze auch bespielbar seien - und das wird nicht vor Mai oder Juni nächsten Jahres der Fall sein. Und auch dann sollen zuerst nur die jungen Kicker, die "Leichtgewichte" auf die neuen Rasenplätze. Warum das so ist, erläuterte Diplomingenieur Hans-Willi Maasjost, Oberbauleiter der Sportplatzbaufachfirma Heiler aus Bielefeld: Der Rasen müsse erst "scherfest" werden, wie Fachleute sagen - das heißt, auch eine Grätsche vertragen, ohne dass gleich eine Lücke in der Grasnarbe bleibt. Es dürfen keine großen Brocken wegfliegen, wenn es auf dem Spielfeld mal heiß hergeht. Welcher Rasen aufgebracht wird, ist letztlich eine Sache der Finanzen: Möchte ein Fußballverein sofort auf einem neuen Rasen spielen, wäre auch das kein Problem, sondern nur eine Frage des Geldes. Dann würden nämlich sogenannte Dicksoden verlegt, das sind also Rasenrollen, die extrem breit und lang sind, teilweise bis zu 15 Meter. Dadurch hat man eine ganz feste und schwere Rolle auf dem Boden liegen. Wenn die angedrückt ist, bewegt die sich keinen Millimeter mehr und kann eigentlich auch sofort genutzt werden. Ein Luxus, den sich aber nur große Stadien leisten können. Die Firma Heiler, die die Plätze in Rinteln baut, hat damit übrigens Erfahrung: Bei der EM nach der "Wasserschlacht" Türkei gegen die Schweiz haben Heiler-Experten über Nacht den defekten Rasen aus dem Stadion in Basel entfernt. Dass Fußballrasen nichts mit dem zu tun hat, was in Vorgärten mit dem Rasenmäher gestutzt wird, sondern eine Wissenschaft für sich ist, daran ist man spätestens bei der EM erinnert worden: Dort gab es ein "Rasenkompetenzteam". Warum es so kompliziert ist, erläuterte Maasjost so: Gebraucht werde eine"eierlegende Wollmilchsau", nämlich die Vereinigung eigentlich unvereinbarer Eigenschaften. Der Rasen müsse wasserdurchlässig sein, damit bei Regen keine Pfützen stehen bleiben, aber gleichzeitig das Wasser halten, damit die Pflanzen nicht vertrocknen. Das Geheimnis, mit dem guten Platzbauern das gelingt, liegt in der Mischung des Unterbaus. In Rinteln auf dem Steinanger habe man 20 Prozent Lava verwendet (das poröse Gestein hält das Wasser), 50 Prozent gewaschenen Sand (damit keine Pfützen stehen bleiben). Der Rest ist eine Mischung aus Torf und Mutterboden, damit der Rasen wächst. Verwendet werden zur Einsaat ganz spezielle Rasensorten, die sich auf Fußballplätzen bewährt haben. Aktuell sind das die Wiesenrispe und das Weidelgras in einem Mischungsverhältnis von etwa 70 zu 30 Prozent. Und das gibt dann den richtig schönen, starken Rasen. Wird vor Millionenpublikum gekickt, sind die Anforderungen noch höher: Der Rasen muss auch "fernsehgerecht" sein, also optisch eine tiefgrüne, fast sogar ins Bläuliche gehende Farbe haben. Er muss dicht sein, er muss den Ball sauber laufen lassen können, da ist auch die Schnitthöhe entscheidend. Dass so ein Rasen auch eine besondere Pflege braucht, mähen, düngen, wässern und das alles vor allem zur richtigen Zeit, verstehe sich von selbst, betonte Maasjost: "Der Platzwart kann nicht vier Wochen in Urlaub fahren und niemand kümmert sich in der Zeit um den Platz." Und ein guter Naturrasen habe gegenüber Kunstrasen nach wie vor einen Vorteil: Das Verletzungsrisiko für Fußballer ist geringer. Während beide B-Plätze auf dem Steinanger praktisch neu angelegt worden sind, wurde im A-Platz nur eine Entwässerung eingebaut - Teller, die den Rasen beregnen, das Wasser dafür kommt aus einem Brunnen. Damit hat der alte Schlauchwagen auf dem Platz ausgedient. Die Masten der Flutlichtanlage stehen bereits und müssen nur noch an die Stromversorgung angeschlossen werden. Box geht davon aus: Ende August, spätestens Anfang September ist alles fertig. Offiziell eröffnet werden soll die neue Anlage dann im nächsten Jahr mit einem Fest und großem Rahmenprogramm. Darauf habe man sich im Vorstand inzwischen verständigt, so Box.



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