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Die Fotografin Gerda Haupt stirbt mit 91 Jahren / Lyrikerin, Friedensaktivistin und Politikerin

Ein großes Herz hat aufgehört zu schlagen

Bückeburg (jp). Im Alter von 91 Jahren ist in Schwabach Gerda Haupt verstorben. Rund ein halbes Jahrhundert war die gelernte Fotografin in Bückeburg auf vielfältige Weise künstlerisch und politisch aktiv.

veröffentlicht am 17.01.2008 um 00:00 Uhr

Gerda Haupt?

Gerda Haupt wurde in einem Hamburger Vorort als Tochter des Architekten Richard Oppel geboren. Als Kind kam sie in das Haus ihres Stiefvaters, des jüdischen Apothekers Ludwig Wolff, der 1940 Opfer der NS-Justiz wurde. Von 1936 bis 1939 absolvierte Gerda Haupt in Berlin eine Ausbildung zur Fotografin, 1939 heiratete sie den Bückeburger Apotheker Herbert Haupt. Zu ihm siedelte sie mit ihrem Sohn Jürgen 1942 in die Wallstraße 23 über, wo ihre weiteren Kinder Christiane und Wolfgang zur Welt kamen. In den 60er Jahren studierte sie Germanistik und Geschichte an der Universität Hannover und unterrichtete einige Jahre die Fächer Deutsch und Geschichte am Gymnasium Adolfinum Bückeburg. Zu Gerda Haupts größten Interessen gehörten Literatur, Lyrik, Dichtung und Fotografie. Erste Gedichte schrieb sie bereits 1934, später veröffentlichte sie in Zeitungen und bei unterschiedlichen Verlagen. Gerda Haupt war gut bekannt mit dem Kinderbuchautor Adolf Holst (1867-1945) und unterhielt eine lange Korrespondenz mit dem Schriftsteller Manfred Hausmann. Noch bis in die 90er Jahren veranstaltete sie in Bückeburg Dichterlesungen und veröffentlichte im Eigenverlag zwei Gedichtbände, einen davon gemeinsam mit der Bückeburger Künstlerin Magdalene Mützelfeld. Im Foyer der Sparkasse waren mehrmals Ausstellungen mit ihren Fotos zu sehen. Gerda Haupt war außerdem Mitbegründerin und für lange Jahre die Vorsitzende des Filmclubse.V. in Bückeburg. Nach 1960 baute sie eine umfassende Bibliothek mit dem Schwerpunkt Exilliteratur auf. Große Teile davon gingen 1999 bei Auflösung ihres Haushalts an das Gymnasium Adolfinum. Zeit ihres Lebens engagierte sich Gerda Haupt gegen den Nationalsozialismus und in der Friedensbewegung. Seit 1979 war sie Mitglied der Bückeburger SPD und des Arbeitskreises Sozialdemokratischer Frauen, 1981 Stadtratskandidatin. Für bundesweite Schlagzeilen sorgte die überzeugte Friedensaktivisten einmal in den 80er Jahren, als sie wegen ihres Engagements ins Visier der Springerpresse geriet. Ihre selbst erstellte Dokumentation über den Nationalsozialismus ging 1999 an das jüdische Kulturzentrum in Schwabach. Ihre letzten Jahre verbrachte Gerda Haupt aus gesundheitlichen Gründen in einer Pflegeeinrichtung in der Nähe ihrer Familie in Schwabach. Die Beerdigung findet am 22. Januar in Bückeburg statt.



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