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Mary Johnston-Schaum: Gebürtige Amerikanerin unterrichtet Englisch

Ein Greyhound-Bus nach Rinteln

Rinteln. Mary Johnston-Schaum (55) ist eigentlich Amerikanerin, aber wenn man dann hört, dass die Familien ihrer Eltern einst aus Irland in das Gelobte Land jenseits des großen Teiches auswanderten, wundert es überhaupt nicht: Sie hat so einen Schalk in den Augen und überhaupt eine ungewöhnliche Ausstrahlung, die überhaupt nicht zu dem passt, was man sich im Vorurteil über glatte Amerikaner ausdenken mag.

veröffentlicht am 25.01.2008 um 00:00 Uhr

Mary Johnston-Schaum. Foto: tol

Autor:

Cornelia Kurth

"Ich liebe aber Amerika! Und dort ist ja auch noch meine ganze große Verwandtschaft", sagt sie, die seit Jahrzehnten in Deutschland lebt, mit Heinrich Schaum, dem Englisch- und Französischlehrer vom Gymnasium Ernestinum, verheiratet ist und zwei fast erwachsene Töchter hat. "Die deutsche Kultur ist mir übrigens sehr angenehm - aber irgendwie habe ich nie richtig da reingepasst." Sie lacht: "Ich war schon immer ein Rebell, und wenn man mir sagt, Du musst etwas machen - dann ist es meistens gleich ganz aus." Die studierte Zoologin, die, nachdem sie mit 24 Jahren nach Deutschland kam, in Mainz die Studienfächer Anglistik, Romanistik und Amerikanistik belegte, sie stammt aus einer Familie, in der es sehr viel "muss" gab, zwangsläufig, denn die Eltern hatten insgesamt 14 Kinder zu versorgen. Manchmal waren sie so arm, dass einzelne Geschwister nicht in die Schule gehen konnten, weil sie keine Schuhe hatten. Und Mary, die Nummer 5 in der Geschwisterreihe, für sie ergab es sich, dass sie für die vier jüngsten Brüder verantwortlich war. "Lange Zeit dachte ich, ich werde niemals selber Kinder haben, es war einfach zu viel." Und doch konnte die Familie viel zurückgeben. Die Mutter sang in einem Opernchor und liebte überhaupt die Musik, auch die Geschwister lasen und musizierten, und am Abendbrottisch wurde so viel diskutiert, auch mit Freunden, vor allem über die katholische Religion, deren Gebote den Eltern so wichtig waren. In der Schule ging es der "Rebellin" allerdings gar nicht gut. Erst als sie nach der 8. Klasse auf ein katholisches College kam, konnte sie die Freude am Lernen entdecken. Es ging sehr diszipliniert dort zu und gleichzeitig aber waren die Schüler fast so frei im Ausleben ihres Wissensdurstes wie an einer Universität. Im Moment unterrichtet Mary Johnston-Schaum in der Nachhilfeschule "Studienkreis", gibt dort auch einen reinen Konversationskurs auf Englisch, den die Schüler lieben. "Ich hätte niemals an einer normalen Schule Lehrerin werden wollen", sagt sie. "So aber kann ich etwas von dem weitergeben, was mir selbst sehr geholfen hat." Es war ganz schön mutig von ihr gewesen, damals ihrem Mann nach Deutschland zu folgen, in dieses kleine europäische Land, von dem sie nicht die geringste Ahnung hatte. "Aber wenn man wirklich verliebt ist, macht man eben solche Sachen." Heinrich Schaum war Austauschstudent in Amerika gewesen, als auch sie studierte, dank eines Stipendiums, das ein katholischer Pastor für sie und einige ihrer Geschwister organisierte. Sie begegneten sich in einem dieser Greyhound-Überlandbusse und hatten über acht Stunden lustige und intensive Unterhaltungen. Die deutsche Sprache lernte sieübrigens innerhalb von nur elf Monaten dann so gut, dass sie sich in Mainz an der Universität einschreiben konnte. "Deutsche Sprache, schwere Sprache - das stimmt so gar nicht", meint sie. "Wenn man die Grundregeln einmal begriffen hat, gibt es kaum noch Zweifel, wie Worte ausgesprochen und Sätze gebildet werden." Im Englischen sei das anders, das werde komplizierter, je mehr man sich hineinvertieft - aber auch sehr reich an Ausdrucksmöglichkeiten. "Ich liebe die englische Sprache, und ich habe auch so viel gelesen!" So gerne sie aber spricht und liest - es muss auch Rückzugsmöglichkeiten geben. Die findet sie im Malen: "Das kann ich stundenlang machen, da bin ich ganz ruhig." Wenn sie Amerika immer nur ihr eigentliches "Zuhause" nennt, dann auch deshalb, weil dort die Kunstszene so aufgeschlossen und lebhaft ist. Eine ihrer Töchter studiert Malerei in Iowa -und es dauert sicher nicht lange, bis sie Besuch von ihrer Mutter bekommt.



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