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Vor Gericht: Dem Angeklagten im Würger-Prozess droht bei Schuldspruch Sicherungsverwahrung

Ein "ganz ruhiger Mensch" - und Vergewaltiger

Bückeburg (ly). Im Fall eines Schuldspruchs droht dem Angeklagten im Würger-Prozess die Sicherungsverwahrung. Ein psychiatrischer Gutachter sieht in ihm eine Gefahr für die Allgemeinheit. "Mit einem großen Risiko weiterer Gewalttaten wäre zu rechen", wie der Sachverständige "rein hypothetisch" erklärte.

veröffentlicht am 28.01.2008 um 00:00 Uhr

Dies gilt nämlich nur unter der Voraussetzung, dass der 43 Jahre alte Bückeburger die Tat auch begangen hat. Zunächst müsste er anhand von Indizien überführt werden. In der Nacht zum 10. Oktober 2006 soll der Handwerker seine damalige Geliebte (49) in deren Wohnung am Bornbrink beim Geschlechtsverkehr erwürgt haben. Die Einschätzung des Psychiaters beruht unter anderem auf den Vorstrafen des Angeklagten, darunter zweimal Vergewaltigung. Insgesamt hat der Bückeburger 18 Eintragungen im Register. Zweimal stand er nach der Entlassung aus dem Gefängnis unter Führungsaufsicht, wodurch bei Straftätern mit schlechter Sozialprognose oder Schwerverbrechern neue Delikte verhindert werden sollen. Zwei Bekannte kennen ihn angeblich ganz anders als kriminell. So will eine frühere Sexpartnerin (39) und Prostituierte aus Bückeburg den 43-Jährigen "nur ein einziges Mal aggressiv erlebt" haben, "und da musste er mich beschützen". Sonst sei er "ein ganz ruhiger, zurückhaltender Mensch". Eine Mindenerin "würde ihn als sanftmütig bezeichnen". Einmal habe man sich in der Clique sogar "darüber lustig gemacht, dass er so ein Weichei ist". Im krassen Widerspruch dazu steht vor allem eine der zwei Vergewaltigungen, begangen im Mai 1993. Das Bückeburger Landgericht hatte den Handwerker daraufhin zu fünf Jahren Haft verurteilt. Opfer war eine Kleinenbremerin, die dem Täter in einer Bückeburger Diskothek begegnet war. Sein Auftreten wird im Urteil als höflich beschrieben, fast schüchtern. Auf dem Heimweg mit dem Taxi lockte der Manndie arglose Frau dann in seine Obernkirchener Wohnung. Dort warf er die Portanerin aufs Bett und schlug dieser vor der Vergewaltigung immer wieder mit den Fäusten voll ins Gesicht, um den Widerstand zu brechen. Das Opfer wurde übel zugerichtet, erlitt unter anderem Platzwunden, Blutergüsse, Schwellungen und büßte einen Zahn ein. Zu dem Zeitpunkt stand der brutale Mann noch unter Bewährung. Bereits Mitte 1992 war er wegen Vergewaltigung zu einer Freiheitsstrafe von zwei Jahren verurteilt worden, deren Vollstreckung das Landgericht damals jedoch ausgesetzt hatte. Tatort war seinerzeit, im Oktober 1991, die Wohnung des Handwerkers. Beide Urteile sowie weitere Vorstrafen hat die Vorsitzende Richterin Dr. Birgit Brüninghaus am jüngsten Prozesstag verlesen. Laut Gutachten ist der Angeklagte voll zurechnungsfähig. Einer früheren Expertise zufolge hat er ein labiles Selbstwertgefühl und ist leicht zu kränken. Sein Vater soll die gesamte Familie tyrannisiert haben. Nach fünf Verhandlungstagen vor dem Schwurgericht neigt sich der Indizienprozess nun dem Ende zu. Die Plädoyers von Staatsanwaltschaft, Verteidigung und Nebenklage werden für Donnerstag, 31. Januar, erwartet. Das Urteil soll am Freitag darauf verkündet werden. Beide Sitzungen beginnen um 9 Uhr.



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