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Postkartenidylle lockt Hunderte zum Mühlentag / Caselitz: Hier fließt unser Herzblut

Ein Fenster in die Urzeit der Technik: Hartings Mühle macht Historie lebendig

Kleinenbremen (mig). Von hoch oben ergießt sich der gestaute Mühlteich in schmalem Strahl auf das Schaufelrad von Hartings Mühle. Das zweimannsgroße Eichenrad stürzt vom Wasser getrieben hinunter, arbeitet sich auf der anderen Seite ächzend wieder hinauf. Auf die fünfjährige Lara, die das Schauspiel vom tiefer gelegenen Mühlbachaus bestaunt, muss dieses Ungetüm wirken als sei es Spielzeug eines Riesen. Einen Nachmittag lang öffnete der 13. Deutsche Mühlentag ein Fenster in die Urzeit der Technik.

veröffentlicht am 09.06.2006 um 00:00 Uhr

Hans-Jürgen Rattemeyer, Ehrenamtlicher im Heimatverein, erklärt

Zu sehen gibt es in Hartings Mühle allerhand. Überall wurden Maschinen in Gang gesetzt, das Geräusch von Drehmühlen und Rüttelsieben brachte wieder Leben in die 1809 erbaute und später stillgelegte Wassermühle. "Das vertreibt die Holzwürmer", freute sich Hermann Stich vom Heimatverein Kleinenbremen, der Pfingstmontag zum Mühlentag eingeladen hatte. Der Elevator, die Schrotpresse und der Plansichter: Maschinen die heute kaum noch jemand kennt, konnte man hier im Betriebszustand erleben. Vor allem die vielen Alltagsgegenstände, Werkzeuge und landwirtschaftlichen Geräte des Dorfmuseums hatten es den Besuchern angetan. Neben einer Schuster- und Schneiderwerkstatt findet sich in Hartings Mühle sogar eine Bauernküche. Besonders faszinierte die Eier-Leucht-, Sortier- und Stempelmaschine. Dieses Kuriosum garantierte schon zu Beginn der Industrialisierung Qualitätsstandards und eine schnelle Abfertigung. Hans-Jürgen Rattemeyer vom Heimatverein nahm sich die Zeit, alles bis ins Detail zu erklären. Auf dem Rundgang konnten die Familien auch den riesigen Getreidetrichter begutachten. Am Ende des Trichters, im Keller, drehte sich der Mühlstein, später konnte man sich draußen zu den Klängen der Gruppe "Stardust" den Butterkuchen aus Mühlenmehl schmecken lassen. Mit dem Wetter konnten die Organisatoren zufrieden sein. Viele Besucher aus dem Landkreis machten Hartings Mühle zum Ziel einer Radtour. Belohnt wurden sie mit einer Postkartenidylle: dem leisen Plätschern des Mühlbaches, der riesigen Eiche, die schon von weitem Besuchern den Weg zur Mühle wies, und unter ihren mächtigen Ästen die sich drehenden, bunten Trachtenröcke der TuS Tanzgruppe Kleinenbremen. Den Mühlentag möglich gemacht haben die Ehrenamtlichen des Heimatvereins Kleinenbremen, die etliche Wochenenden opferten, um alles vorzubereiten. Walter Caselitz, Chef des Vereins, erklärt das Engagement so: "In dieser Mühle fließt unser Herzblut." Drei Jahre und 15 000 Stunden haben die Ehrenamtlichen ab 1990 gebraucht, um allein die Mühle herzurichten. Ein jüngeres Projekt geht derzeit in die Schlussphase: Die Mönckhoffmühle an der Schule wird unter Anleitung des Vereins von Langzeitarbeitslosen restauriert; die Arbeiten werden bald beendet sein. Ebenfalls am Herzen liegen dem Verein die Instandsetzungsarbeiten am Backhaus. Am 23. Juni, 15 Uhr, wird der Rohbau eingeweiht. Richtig spannend wird es dann beim LandArt-Festival am 10. August um 20 Uhr. Im Besucherbergwerk werden "Die Nibelungen" von Friedrich Hebbel aufgeführt. An der Wassermühle wird ein Teil der Handlung gezeigt. Zusätzlich wird die Mühle illuminiert. Caselitz bittet alle Kleinenbremer um Sachspenden: "Wir brauchen dringend Einweckgläser, um Kerzen hinein stellen zu können."

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