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Kirche Brünnighausen aus dem 16. Jahrhundert / Nach Kriegsende auf dem Altar Saftbrote geschmiert

Ein Fenster erinnert an den gefallenen Sohn

Brünnighausen (roh). Henner Meywerk ist Brünnighäuser durch und durch. Die kleine aus dem 16. Jahrhundert stammende Kirche im Herzen des am Nesselberg gelegenen Dorfes im Osten des Landkreises hat Meywerk von frühester Jugend an begleitet. „Hier wurde ich getauft und konfirmiert – und später habe ich in unserer Kirche auch meine Frau geheiratet“, erzählt der heute 73-Jährige. Als Dorfchronist weiß Meywerk eine Menge über das Dorf und auch über die Kirche, die auf einer kleinen Anhöhe einen Ehrenplatz gefunden hat.

veröffentlicht am 28.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 04.01.2010 um 16:03 Uhr

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Autor:

Matthias Rohde

 

Meywerk erinnert sich noch gut an das Ende des Zweiten Weltkrieges. Damals haben die Amerikaner viele Häuser beschlagnahmt. „Die Kirche war damals Anlaufstelle für alle plötzlich obdachlos gewordenen Einwohner“, betont der Bäckermeister und erzählt weiter: „Ob Flüchtlinge, Hauseigentümer oder Mieter: Alle haben sie in der Kirche erst einmal ein Dach über dem Kopf gehabt.“ An eine Besonderheit erinnert sich Meywerk besonders gern, auch wenn es etwas ungewöhnlich ist: „Natürlich war auch Hunger ein Thema, besonders für die Kinder. Die Mütter haben damals auf dem Altar Saftbrote geschmiert“, erklärt er und nickt dabei in Gedanken an diese schwere Zeit versunken.

Der heutige Altar wurde im Laufe der Jahrzehnte mehrmals umgebaut und restauriert. Früher, so erklärt Bäckermeister Meywerk, sei es ein Hochaltar gewesen, bis man aber die Kanzel abmontiert und einige Bilder ausgetauscht habe. Das große Altarkreuz ist mittlerweile fester Bestandteil der Friedhofskapelle geworden.

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Den umfassenden Renovierungsarbeiten in den 60er Jahren kann Meywerk allerdings nicht viel Gutes abgewinnen. Wie in vielen Kirchen, war es der Wunsch nach Uniformität, dem auch in der Brünnighäuser Kirche der eine oder andere individuelle Charakter mit weißer Farbe und geraden Linien zum Opfer fiel.

Als der Hochaltar noch genutzt wurde, gab es auch eine Empore neben und hinter der Kanzel. Für viele Arbeiter waren die Plätze in den Ecken der Empore die beliebtesten. Warum?

Meywerk klärt auf: „Natürlich wollte keiner den Gottesdienst verpassen, aber, von der Arbeit völlig ausgelaugt, schliefen viele Männer bei der Predigt ein. In den Ecken konnte der Pastor sie nicht sehen.“ Heute gibt es rund um den Altar keine Emporen mehr.

Meywerk: „Die weißen Wände lassen den hoch aufragenden Altar wie einen mahnenden Finger erscheinen.“

Eine eiserne Wendeltreppe führt auf die Orgelempore, und von dort gelangt man in den Glockenturm. Der Blick von der einzig verbliebenen Empore in den Kirchenraum bestätigt Meywerks Eindruck: Vornehmlich weiße, fast kahle Wände vermitteln zwar eine Reinheit, haben aber nichts gemein mit dem wärmenden Charme von früher.

In der Mitte der Wendeltreppe sind zwei eiserne „Fußabdrücke“ in das Geländer eingearbeitet, die aber keinen künstlerischen Anspruch und schon gar keine christliche Bewandtnis haben, wie Meywerk, der in der Dorfkirche auch als Lektor tätig ist, erklärt, sondern praktisch zwingend notwendig sind. Mit einem Fingerzeig auf den in zirka zwei Meter Höhe angebrachten Zählerkasten sagt Meywerk: „Von unten kommt man nicht ran, von oben kommt man nicht ran. Die einzige Möglichkeit, eine Sicherung auszutauschen oder Wartungsarbeiten durchzuführen: Das Geländer auf halber Höhe der Wendeltreppe übersteigen und mit beiden Füßen auf die davor vorgesehenen Fußstützen zu treten.“ Er schüttelt den Kopf und erübrigt sich jeden weiteren Kommentar.

Auf dem Platz um die Kirche herum stehen noch einige alte eiserne Kreuze. Eines davon trägt den Namen eines ehemaligen Pastors der Gemeinde. Wie bei Kirchen früher üblich, wurden Dorfbewohner um die Kirche herum bestattet.

Direkt vor dem mit einem christlichen Motiv, dem Kreuzgang, gestalteten Fenster, das Helene Sievers ihrem in Russland gefallenen Sohn Werner zu Ehren 1981 der Kirche spendete, steht eine steinerne Luther-Bibel. Meywerk sagt: „Sie ist eine dauernde Erinnerung an die Zeit der Reformation.“



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