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Musiktage starten in St. Nikolai mit acht Cellisten und einem Sopran

Ein Erlebnis gehobener Delikatesse

Rinteln (dis). Ein delikates Erlebnis war das Gastspiel von Sopranistin Sarah Davidovic und den "Acht Göttinger Cellisten" zum Auftakt der 32. Rintelner Musiktage in der St.-Nikolai-Kirche. Nicht nur die vielfältigen Klangmöglichkeiten des Cellos wurden vorgeführt, sondern auch ein Stück Kompositionsgeschichte.

veröffentlicht am 13.11.2007 um 00:00 Uhr

Die "Göttinger" servierten Ideen und formale Finessen ihrer Vort

Diese begann mit David Funcks geschickt zwischen Concerto-Praktiken und etwas deftigeren Finessen arrangierter barocker "Suite Nr. 1 in D-Dur", der sich Joachim Mittelbach, Ernö Török, Johann Sebastian Sommer, Albrecht Vogel, Gregoire Federenko, Seong-Eun Seo, Konrad Biermann und Lucille Chaubard spielfreudig annahmen. Besonders stachen die Elastizität der Gigue in dem für die Cello-Vorläuferin Gambe geschriebenen Werk hervor. Die folgende, ebenso beherzt wie feinfühlig entwickelte brasilianische Bach-Hommage "Bachianas brasileiras Nr.5" von Heitor Villa-Lobos wies die Wege zu einer virtuosen Cellisten-Parade und zu Sopran-Attitüden kapriziöser Art. Dafür hielt die junge Sarah Davidovic eine erstaunliche Palette von Nuancen, Phrasierungen und aufrüttelnden Koloraturen parat, denn ihre Stimme lag selbstsicher und strahlend über dem "Spektakel". Einmal angesteckt vom Elan, steigerte die im Halbkreis sitzende Formation der tiefen Streicher ihre Schlagkraft sogar noch beim Vortrag der "Bachianas brasileiras Nr. 1", die Villa-Lobos Pablo Casals, dem wohl bedeutendsten Cellisten des 20. Jahrhunderts, gewidmet hat. Die harmonische Dichte der acht gleichen Instrumente und die tragende Größe des Cellotons machten Avo Pärts von den verschiedensten Stimmgeflechten durchwobenen "Fratres" ebenfalls zu einem kleinen Ereignis. Darüber hinaus lockte das clevere Oktett die Anwesenden mit taktischem Geschick auf eine Entdeckungsreise, welche zur "Elegie op. 24" führte. Dabei handelte es sich naturgemäß nicht um das von Gabriel Fauré ursprünglich entworfene Cello-Orchester-Konzert, sondern um Dominique Willencourts Bearbeitung für Solocello und sieben weitere Celli, die den sanglichen Sound der ungewöhnlichen Gruppierung unterstrich. Kurzum: Die "Göttinger" servierten die Ideen und formalen Finessen ihrer Beiträge so ansprechend und leichthändig, dass die Zuhörer kräftig applaudierten und mit einem flotten Ragtime belohnt wurden. Für das große Konzert der Musiktag am 18. November gibt es eine Einführungsveranstaltung am Mittwoch, 14. November um 19.30 Uhr in der Schalterhalle der Volksbank, Klosterstraße. Dirigent Wolfgang Westphal wird mit Klangbeispielen die Entwicklung der Mess-Kompositionen von der Gregorinik über Renaissance-Barock, Klassik bis zur "Messa di Gloria" des berühmten Opernkomponisten Giacomo Puccine erläutern, Giacomo Puccini kennt man eher als Komponist der Opern Turandot, La Bohéme, Manon Lescaut oder Madame Butterfly. Seine "Messa di Gloria" für Tenor, Bass, großes Orchester und Chor will das natürlich nicht verleugnen. Es ist ein Werk mit emotionalem Tiefgang und unglaublicher Schönheit. Die Vertonung des Gloria-Textes durch den französischen Komponisten Fancis Poulenc zeichnet sich durch eine ganz eigenwillige Tonsprache aus. Die rhythmische Vielfalt erinnert an Carl Orffs "Carmina Burana". Das Konzert am Sonntag, 18. November beginnt um 17 Uhr in St. Nikolai. Die Interpreten sind Adelheid Fink (Saarbrücken), Sopran, Michael Pflumm (Freiburg), Tenor, Manfred Bittner (Stuttgart) Bass. Es singen der Schaumburger Oratorienchor und Mitglieder des MDR-Rundfunkchores Leipzig, es spielt die Jenaer Philharmonie. Die Leitung hat Wolfgang Westphal. Eintrittskarten gibt es an der Konzertkasse ab 16 Uhr.



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