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Friedhelm Zschau war Pastor und Lehrer, bevor er sich ganz der geliebten Musik verschrieb

Ein erfülltes Leben für den Chorgesang

Aerzen. Als Pastor hat Friedhelm Zschau in seiner Kirchengemeinde bei Nienburg vielen Menschen neben dem Glauben auch den Chorgesang und das Posaunenspiel näher gebracht. Als ehemaliger Lehrer für Musik und Religion an der Hamelner Handelslehranstalt (HLA) und der Lehranstalt für Hauswirtschaft, Agrarwirtschaft und Sozialpädagogik (LHAS) konnte er Generationen von Schülern und Schülerinnen für das Singen im Schulchor und das Musizieren im schuleigenen Orchester begeistern. Außerdem hat er es stets verstanden, jungen Menschen das Unterrichtsfach Religion realitätsnah zu vermitteln.

veröffentlicht am 01.07.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 03.11.2016 um 17:21 Uhr

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„Quetschkommode begleitet mich bis heute“

Als Chorleiter gibt er bereits seit vielen Jahren beim gemischten Chor Kirchohsen (seit 1981), bei den Männern sowie den Frauen des Volkschores Groß Berkel (seit 1982) und beim Werkchor der Aerzener Maschinenfabrik (seit 1986) den Ton an. Friedhelm Zschau, Jahrgang 1933, sagt von sich selber: „Ich hatte zwei Leben: Eines als Pastor und eines als Lehrer. Seitdem ich im Ruhestand bin, hat mein drittes begonnen: Ein Leben für den Chorgesang“, erklärt der ausgebildete Kirchenmusiker.

Bereits im Alter von sechs Jahren erlernte Friedhelm Zschau das Klavier spielen. Mit 14 Jahren, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, gründete er seine erste Jugendgruppe in der Evangelischen Kirchengemeinde Osnabrück. Gemeinsam mit den anderen Jugendlichen besuchte er das örtliche Flüchtlingslager, um mit den Flüchtlingen und Vertriebenen zu singen und zu musizieren und ihr tristes Lagerleben mit den Liedern ein wenig freundlicher zu gestalten. „Die Quetschkommode war immer dabei und begleitet mich bis heute“, erzählt der 75-Jährige, der sein Instrument besonders liebt, weil er mit dem Akkordeon oder Schifferklavier die Nähe zum Publikum suchen und mit ihm gemeinsam singen kann.

In seiner Studienzeit war Friedhelm Zschau Mitglied in mehreren Studentenchören, und auch in seiner Amtszeit als evangelischer Pastor von 1960 bis 1980 leitete er einen großen Kinderchor mit bis zu 80 jungen Sängern und Sängerinnen, einen gemischten Chor sowie einen Posaunenchor, der sich aus einer Feuerwehrkapelle heraus gebildet hatte.

2 Bilder
Friedhelm Zschau mit seiner geliebten Quetschkommode. Foto: gm

„Nichts geht ohne Vorbereitung!“

Persönliche Gründe veranlassten Friedhelm Zschau, sich 1980 beruflich umzuorientieren. Mit dem Beruf des Musik- und Religionslehrers an der Hamelner Handelslehranstalt und der Lehranstalt für Hauswirtschaft, Agrarwirtschaft und Sozialpädagogik (LHAS), der heutigen Elisabeth-Selbert-Schule, konnte er seine Liebe zur Musik und auch seine tiefe Verbundenheit zur Religion an unzählige junge Menschen weitergeben. Gleichzeitig ließ er sich von Professor Hans Christoph Becker-Foss, Kantor an der Hamelner Marktkirche und Kreiskantor für den Kirchenkreis Hameln-Pyrmont, in Theorie und Praxis zum geprüften Kirchenmusiker ausbilden.

„Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich die Musik eher als mein Hobby betrachtet“, so der Chorleiter, Sänger und Musiker, der mittlerweile aufgehört hat, seine öffentlichen Konzerte und Ständchen zu zählen. Doch auch nach 60 Jahren Musiker- und Chorleitererfahrung gilt für ihn das Motto: Ob Konzert oder Ständchen - nichts geht ohne Vorbereitung! „Für einen Chorleiter beginnt die Arbeit nicht erst mit dem Gang zum Dirigentenpult oder mit dem Griff zum Taktstock. Im Vorfeld müssen das Programm ausgesucht und Liedervorschläge gesichtet werden. Anschließend stehen die planmäßigen Liederabende und Proben auf dem Programm zur Vorbereitung eines Konzertes“, erläutert der Chorleiter, der die Stärken und Schwächen seiner vier Chöre genau kennt, ihre gesanglichen Möglichkeiten einschätzen kann und das Programm auf den jeweiligen Chor abstimmt.

„Wir sind nur engagierte Laien“

Auf eine Feststellung legt der Musiker aus Leidenschaft besonderen Wert: „Wir sind keine Profis, weder die Sänger und Sängerinnen noch ich. Wir sind nur engagierte Laien mit viel Erfahrung“, verrät Friedhelm Zschau mit einem Schmunzeln. Und dass ihm der Schalk dabei manchmal förmlich im Nacken sitzt, hat er erst kürzlich beim Konzert in Emmerthal eindrucksvoll bewiesen, als er in die Rolle der „Christel von der Post“ schlüpfte und das Publikum begeisterte.

Doch all die Fröhlichkeit kann nicht über die Tatsache hinwegtäuschen, dass es in der heutigen Zeit immer schwieriger wird, sangesfreudigen Nachwuchs in die Chöre zu locken. „Meine Chormitglieder sind mit mir zusammen älter geworden, und genau wie ich sind die meisten Sänger und Sängerinnen in Kirchohsen und auch der größte Teil der Herren vom AM-Werkchor bereits im Ruhestand“, muss Friedhelm Zschau bedauernd feststellen. Gleichzeitig möchte er seiner Kollegin Svetlana Herold zum guten Neustart der Chorgruppe „modern rhythmics“ im Gesangverein Liederkranz Aerzen gratulieren. „Das ist ein sehr guter Neuanfang“, so die Meinung von Friedhelm Zschau, der seit 1980 im Aerzener Ortsteil Dehmke zu Hause ist. Und wenn die Musik den Unruheständler nicht komplett vereinnahmt, dann gehört seine Freizeit seiner Hündin Rina, die ihn seit 13 Jahren treu begleitet.



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